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  #1  
Alt 01.03.2018, 21:53
promillePrille promillePrille ist offline
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Standard Fahrrad-TF mit 1.9 ‰

Servus zusammen!

Nach einiger Zeit des passiven Mitlesens hier im Forum ist nun glaube ich die Zeit gekommen, mich mal vorzustellen!

Zunächst der faktische Teil:

Zur Person
Geschlecht: männlich
Größe: 1.91 m
Gewicht: 78 kg
Alter: 22 Jahre

Bundesland: Bayern


Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 18.07.2017
BAK: 1.90 ‰
Trinkbeginn: ca. 20:15
Trinkende: ca. 2:00
Uhrzeit der Blutabnahme: kurz nach 3:00 Uhr.

Stand des Ermittlungsverfahrens
Gerade erst passiert: Nein, s.o.
Strafbefehl schon bekommen: Ja.
Dauer der Sperrfrist: Keine Sperrfrist.

Führerschein
Hab ich noch: Ja.
Hab ich abgegeben: Nein.
Hab ich neu beantragt: Nein.
Wurde mir entzogen? Nein.
Noch in der Probezeit?: Nein.
Habe noch nie einen besessen: Nein.

Führerscheinstelle

Hab schon in meine Akte geschaut: Ja, den Polizeibericht gelesen (ist denn sonst noch was interessant?)
Sonstige Verstöße oder Straftaten? Nein.
Fragestellung der Fsst:
Liegen körperliche und/oder geistige Beeinträchtigungen vor, die mit einem unkontrollierten Konsum von Alkohol in Zusammenhang gebracht werden können?
Ist insbesondere nicht zu erwarten, dass das Führen von fahrerlaubnisfreien Fahrzeugen und ein die Fahrsicherheit beeinträchtigender Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher getrennt werden kann?
Ist auch nicht zu erwarten, dass das Führen von fahrerlaubnispflichtigen Kraftfahrzeugen und ein die Fahrsicherheit beeinträchtigender Alkohlkonsum nicht hinreichend sicher getrennt werden kann?

Konsum
Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel: Ja, seit vier Wochen nach der TF KT. Ich trinke seitdem ca. 1-2 alkoholhaltige Getränke in vernünftiger Dosierung zu 1-2 vorher festgelegten, geplanten Anlässen im Monat.
Ich lebe abstinent seit: /

Abstinenznachweis
Haaranalyse: Keine.
Ich befinde mich im Urinscreeningprogram: Nein.

Leberwerte: Ja, Gamma-GT Anfang Februar, im Normbereich. GPT, GOT, CDT heute gemacht, Ergebnisse stelle ich ein sobald ich sie erhalte!

Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle aufgesucht? Nein.
Selbsthilfegruppe (SHG): Nein.
Psychologe/Verkehrspsychologe: Ja, verkehrpsychologische Einzelberatung in bisher fünf Sitzungen à 90 Minuten im Wochenturnus. Noch drei weitere geplant.
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: Nein.

Ambulante / stationäre Therapie: Nein.

Werden derzeit Medikamente eingenommen? Nein.

MPU
Datum: Mitte März.
Welche Stelle (MPI): PIMA MPU GmbH, Ulm.
Schon bezahlt? Ja
Schon eine MPU gehabt? Nein.

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten: Nein. Nichtmal 'nen Strafzettel wegen Falschparken oder 'n Blitzerfoto


__________________________________________________ ________________

Kurz zum Tathergang (kommt alles noch ausführlich im Fragebogen): Ich wurde am 18.07.2017 einem Alkoholtest nach einer Trunkenheitsfahrt auf dem Fahrrad unterzogen, BAK 1.90 ‰. Einige Wochen später kam der Strafbefehl inkl. Aufforderung zur Vorlage eines Fahrtauglichkeitsgutachtens ins Haus geflattert. Allerdings war ich da schon auf einer 6-monatigen Auslandsreise, und habe das Ganze nur aus der Ferne beobachten können. Deshalb wurde mir zur Vorlage der MPU Aufschub bis Ende April gewährt. Seit Anfang Februar bin ich nun wieder in Deutschland und habe die Vorbereitung nochmal intensiviert!

Meinen Fragebogen hoffe ich im Laufe des Wochenendes noch einstellen zu können Bis dahin schonmal: Hallo zusammen, und im Voraus bereits vielen Dank für's durchlesen!

Viele Grüße
promillePrille
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  #2  
Alt 02.03.2018, 17:08
promillePrille promillePrille ist offline
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Hi Leute, hier mal das erste Drittel von meinem Fragebogen! Bitte lest ihn euch mal durch, freue mich auf Korrekturen, Anmerkungen, Verbesserungen, ... Input jeder Art ! Danke schonmal


Kurz vorab: Habe mich oben vertan, Trinkbeginn sollte ca. 19:15 sein.
Außerdem: zusätzliche Vorbereitung durch Internetrecherche und Lektüre des Buches „Lieber schlau als blau“ von Johannes Lindenmeyer.


Zur Person
Geschlecht: männlich
Größe: 1,91m
Gewicht: 78 kg
Alter: 22 Jahre

Bundesland: Bayern

Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 18.07.2017
BAK: 1,90 ‰
Trinkbeginn: 17.07.2017, ca. 19:15 Uhr
Trinkende: 18.07.2017, ca. 2:00 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: kurz nach 3:00 Uhr


Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.

Der Tag meiner Trunkenheitsfahrt war ein Montag im Juli, der 17.07.2017 (TF nach 0:00 Uhr, deshalb „offiziell“ 18.07.17) und auch der Tag, an dem die letzte Prüfung im Bachelor-Studium anstand. Der Tag begann zunächst wie gewöhnlich – aufstehen um 6:45 Uhr, kurze Dusche, Frühstück mit der Freundin –, allerdings mit einer gewissen Anspannung, da die anstehende Prüfung der Abschluss einer sehr anspruchsvollen Vorlesung war. Nachdem meine Freundin die gemeinsame Wohnung verlassen hatte, habe ich mich konzentriert an den Schreibtisch gesetzt und bin den Stoff noch einmal durchgegangen. Dann ging‘s um 15:00 Uhr mit dem Fahrrad in die Uni zur Prüfung, die um 16:00 Uhr beginnen sollte und 90 Minuten dauerte (Wegstrecke: ca. 5km einfach, größtenteils Radweg, ca. 1km davon Innenstadt). Den ganzen Tag über war ich sehr angespannt und fokussiert, da ich das Gefühl hatte, trotz guter Vorbereitung zu versagen. Außerdem war ich neidisch auf einige Kommilitonen, die ihre letzten Prüfungen bereits hinter sich hatten und das schöne Wetter beim baden genießen konnten.

Die Prüfung lief wider Erwarten sehr gut. Am Anfang stellte sich kurrzeitig Panik ein, da mir die Aufgaben fremdartig und schwer erschienen. Bei genauerem Hinsehen und längerem Nachdenken konnte ich jedoch alle problemlos lösen. Dementsprechend gelöst war die Stimmung danach – meinen Kommilitonen erging es ähnlich wie mir. Von der konzentrierten, angespannten Nervosität war nun nichts mehr zu spüren, die Stimmung war fröhlich und ausgelassen – bei mir noch etwas mehr als bei den anderen, da ich anfangs so zu kämpfen hatte. Ich war unendlich erleichtert! Wir sind danach noch ein bisschen draussen gestanden und haben gequatscht, und uns auch gleich für den Abend verabredet – Treffpunkt: Festzelt! Also wieder auf‘s Fahrrad geschwungen, nach Hause gedüst und umgezogen. Der grobe Plan für den Abend war folgender: Mit dem Bus in die Stadt, ins Zelt, mit dem Bus (oder zu Fuß, je nach Uhrzeit) nach Hause. Den passenden Bus in die Stadt habe ich jedoch verpasst, weil ich zum Umziehen länger gebraucht habe als gedacht. Also wurde der ursprüngliche Plan abgeändert: Mit dem Rad in die Stadt, Rad bei der Uni abstellen (ist gleich in der Nähe vom Zelt, Rad steht da sicher), ins Festzelt, mit dem Bus (oder zu Fuß, je nach Uhrzeit) nach Hause. Heute ist mir klar, dass ich durch das undisziplinierte Verwerfen der Planung und den Hinweg mit dem Fahrrad bereits den ersten Schritt in Richtung Trunkenheitsfahrt gegangen bin. Damals war meine Stimmung jedoch immernoch fröhlich und entspannt, es war ein schöner, warmer Sommerabend und ich freute mich auf ein paar Bier mit meinen Freunden. Es gab keinen Trinkplan, mehr so nach dem Motto „mal schauen was passiert“. Generell habe ich mir vor meiner TF über meinen Alkoholkonsum keine bewussten Gedanken gemacht. Wir haben uns dann vor dem Bierzelt getroffen, und jeder noch ein Paar Leberkässemmeln gegessen. Dann sind wir ins Zelt gegangen, wo wir gegen 19:15 Uhr angefangen haben, Bier aus 1L-Maßkrügen zu trinken. Es wurde Festbier ausgeschenkt, das einen höheren Alkoholanteil als normales Bier hat (5,8% Alkohol). Die Stimmung wurde im Verlauf des Abends immer besser, gegen Schluss haben wir auf den Tischen getanzt. Im Zelt habe ich vier Maß Bier getrunken, also umgerechnet acht Flaschen Festbier, jeder hat eine Runde bezahlt. Nach dem Veranstaltungsende um ca. 0:00 Uhr sind wir – schon ziemlich alkoholisiert - noch in eine Kneipe gegangen, wo ich noch ein Bier getrunken habe. Alles in allem also 10 x 500ml Bier, 8 davon Festbier.

Als wir gegen 2:00 Uhr die Kneipe verlassen haben war ich schon sehr betrunken und habe mich zu Fuß auf den Heimweg gemacht. Ich war mittlerweile müde und erschöpft, wollte so schnell wie möglich ins Bett. Nach ca. 20 Minuten Fußweg kam ich an der Stelle vorbei, an der ich zuvor mein Fahrrad abgestellt hatte. Weil ich stark alkoholisiert war, habe ich meine tatsächliche Trunkenheit unter- und meine Fahrtauglichkeit weit überschätzt und bin auf‘s Rad gestiegen und heimwärts gefahren. Obwohl das Fahren mir schwerfiel (musste öfter die Richtung korrigieren und hatte deutliche Gleichgewichtsprobleme) kam ich nicht auf die Idee, abzusteigen. Nach ca. 4 von 5 Kilometern bin ich von der Straße abgekommen weil ich die Geschwindigkeit nicht mehr richtig einschätzen konnte und in einen Straßengraben gefallen, in dem ein kleiner Bach läuft. Obwohl mir spätestens da hätte auffallen müssen, dass ich nicht mehr fahren kann (und darf!), bin ich wieder aufgestiegen und noch weitere 500m gefahren, bevor ich einer entgegenkommenden Polizeistreife auffiel, weil ich in „leichten Schlangenlinien“ (Zitat Polizeibericht) fuhr. Da die Polizeibeamten im Gespräch deutlichen Alkoholgeruch wahrnahmen, habe ich um kurz vor 3:00 Uhr freiwillig einem Atemalkoholtest zugestimmt, der eine AAK von 0.88 ‰ ergab. Auf der Wache wurde mir dann um kurz nach 3:00 Uhr Blut entnommen, in welchem eine BAK von 1.90 ‰ (Mittelwert) nachgewiesen werden konnte. Die Beamten haben anschließend auf meinen Wunsch ein Taxi organisiert, welches mich nach Hause gefahren hat.



2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?


ca. 19:15 Uhr 1 L Festbier, Alkoholgehalt 5,8 %
ca. 20:30 Uhr 1 L Festbier, Alkoholgehalt 5,8 %
ca. 21:30 Uhr 1 L Festbier, Alkoholgehalt 5,8 %
ca. 22:30 Uhr 1 L Festbier, Alkoholgehalt 5,8 %
ca. 0:30 Uhr 500 ml Bier, Alkoholgehalt 5,0 %
ca. 1:30 Uhr 500 ml Bier, Alkoholgehalt 5,0 %

Hab mich mal an der Berechnung nach Widmark versucht:

Alkoholanteil Festbier in Gramm: 500ml * 0.058 * 0.8 kg/l = 23,2 g
Alkoholanteil Bier in Gramm: 500ml * 0.050 * 0.8kg/l = 20,0g

Also Gesamtmenge Alkohol: 8*23,2g + 2*20g = 225,6g

‰ nach Widmark: 225,6g / (78kg * 0.7) = 4,13 ‰

Trinkzeit 19:00-1:30 Uhr, Blutentnahme ca. 3:00 Uhr: 8 Stunden, mittlere Abbaurate von 0.15 ‰ / Std

=> 4,13 ‰ - 1,2 ‰ = 2,93 ‰

Kommt mir komisch vor, das ist ja viel zu viel??? Ich hab das Gefühl, irgendwas falsch gemacht zu haben! Bei den anderen Berechnungen die ich hier im Forum mitverfolgt habe, hat das immer ziemlich gut gepasst. Hat jemand Vorschläge?





3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?

Wie oben bereits erwähnt: Von den ca. 5km Heimweg bin ich bis zu dem Sturz 4 km und bis zur Kontrolle durch die Polizeistreife ca. 4,5 km gefahren.


4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?

Ja. Durch den starken Alkoholkonsum war ich enthemmt und meine Selbsteinschätzung stark verfälscht, sodass ich nicht realisiert habe, dass ich auf dem Fahrrad nichts mehr verloren habe und durch die Verkehrsteilnahme in meinem Trunkenheitszustand eine Gefahr für mich selbst und auch andere Mitmenschen (z.B. entgegenkommende Autos und deren Insassen) darstelle. Vorhandene Warnsignale (falsche Einschätzung von Geschwindigkeiten, Gleichgewichtsprobleme, motorische Probleme, Unfähigkeit, die eingeschlagene Richtung zu halten) habe ich in meinem alkoholisierten Zustand nicht als solche erkannt und ignoriert.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen?

Wie oben schon beschrieben: Ursprünglich wollte ich mit dem Rad nur HIN- und nicht wieder heimfahren. Für den Rückweg war geplant, zu Fuß zu gehen oder mit dem Bus zu fahren, je nach Busverbindung, Uhrzeit und Situation.

Heute weiss ich, dass der Genuss von Alkoholika die Gehirnfunktionen verändert und teilweise ausschaltet – zuerst im präfrontalen Cortex, dem Gehirnbereich, der für Planung, Handlungsabwägung und „gute Vorsätze“ zuständig ist. Da ich, wie oben schon beschrieben, mit dem Hinweg auf dem Fahrrad bereits die Vorraussetzungen für eine TF geschaffen habe, wurde der Schritt vom Verwerfen der Planung zur TF durch den Alkohol also rationalisiert und ich habe die TF begangen.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?

Nein, aufgefallen bin ich noch nie.
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  #3  
Alt 02.03.2018, 17:09
promillePrille promillePrille ist offline
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7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?


In einem derart alkoholisierten Zustand ca. 3 mal, nach dem Abitur, ebenfalls auf dem Fahrrad. Oft bin ich auch nach dem Biergartenbesuch mit dem Fahrrad nach Hause gefahren (nie mehr als 3 Bier, also unter 0.8 ‰) oder habe mich nach einem (!) Bier beim Abendessen ins Auto gesetzt. Außerdem bin ich bereits mit Restalkohol am Morgen nach einem Trinkabend gefahren (Auto und Rad). Alles in allem schätze ich: Am Abend selber ca. 50 mal, Restalkoholfahrt am nächsten Tag ca. 30 mal.

Ich habe – scheinbar nicht als einziger, wie mein Mitlesen hier im MPU Forum mir zeigt – den kardinalen Fehler begangen, die Verkehrsteilnahme auf dem Fahrrad zu verharmlosen. Ich habe die Gefahr auf dem Rad völlig unterschätzt – mir ist z.B. nie in den Sinn gekommen, dass durch mein Fehlverhalten evtl. ein Auto ausweichen muss und der Fahrer und andere Mitfahrer dadurch zu schaden kommen oder gar sterben könnten. Mein Grundsatz war immer, mich niemals betrunken hinter das Steuer eines Autos zu setzen. Dass Gedanken wie „Ich bin ja nur mit dem Rad unterwegs, da kann eh nichts passieren“ naiv und falsch sind, ist mir – im Gegensatz zu damals - heute klar.


Vielen Dank für's durchlesen!

Grüße und schönes Wochenede !
promillePrille
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  #4  
Alt 02.03.2018, 18:21
teletarzan teletarzan ist offline
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Zitat:
Zitat von promillePrille Beitrag anzeigen
[b]

Ich habe – scheinbar nicht als einziger, wie mein Mitlesen hier im MPU Forum mir zeigt – den kardinalen Fehler begangen, die Verkehrsteilnahme auf dem Fahrrad zu verharmlosen
Servus im Forum

Meine Frage wäre gleich mal: war das dein einziger Fehler in Bezug auf Alkohol? Oder besser, wie schätzt du denn dein Trinkverhalten / Alkoholkonsum rückblickend ein?
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  #5  
Alt 02.03.2018, 18:38
promillePrille promillePrille ist offline
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Hi teletarzan,

Zitat:
Zitat von teletarzan Beitrag anzeigen
war das dein einziger Fehler in Bezug auf Alkohol? Oder besser, wie schätzt du denn dein Trinkverhalten / Alkoholkonsum rückblickend ein?
danke für die Antwort! Anfangs dachte ich das, ja. Mittlerweile habe ich erkannt, dass die (Verharmlosung der) Fahrrad-TF nicht mein einziger Fehler mit dem Alkohol war. Der zugrundeliegende Fehler war der stark erhöhte Alkoholkonsum überhaupt - nicht nur an dem Abend, sondern auch in den Wochen und Monaten davor! Das mit dem Fahrrad war eben der Fehler, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Und wäre das in dieser Nacht nicht passiert, dann mit Sicherheit in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren

Zum Trinkverhalten kommt morgen der zweite Teil des Fragebogens in ausführlicher Form

Geändert von promillePrille (02.03.2018 um 18:52 Uhr)
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  #6  
Alt 03.03.2018, 11:24
promillePrille promillePrille ist offline
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Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?


Den Erstkontakt mit Alkokohol hatte ich bereits im frühen Kindesalter, (keine bewusste Erinnerung, aber ich schätze mal ca. 5 Jahre alt?) als mir meine Verwandten erlaubt haben, den Finger in die Schaumkrone vom Weissbier zu stecken. Außerdem gab‘s zu Weihnachten oder zum Geburtstag mal Kleinstmengen an Sekt für uns Kinder. Mit ca. 10 Jahren durfte ich dann bei Oma und Opa zur Brotzeit meistens ein Radler mittrinken – das war etwas Besonderes, zum Teil auch, weil‘s zu Hause nicht erlaubt war. Ich habe mich dadurch erwachsener gefühlt, quasi aufgenommen in den Kreis der Erwachsenen, die Alkohol trinken. Meinen richtigen Trinkbeginn hatte ich mit 13 Jahren, als ich mit Freunden in eine Kneipe bei uns im Ort gegangen bin, von der bekannt war, dass der Wirt es mit dem Jugendschutz nicht so genau nimmt. Wir haben dort damals jeder drei Bier getrunken, sind uns unheimlich cool vorgekommen und waren danach ziemlich betrunken.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

Ich habe dazu mal eine Trinkkurve erstellt, die den Alkoholkonsum über die vergangenen Jahre darstellt. Siehe Link dazu.

Nach meinem Trinkbeginn (s.o.) haben ich und meine Freunde ca. 1 mal im Monat Alkohol konsumiert, hauptsächlich, um „cool“ zu sein. Mit 13-14 Jahren hat mir der Alkohol noch nicht wirklich geschmeckt, ich fand das Zeug scharf und ekelhaft. Getrunken habe ich trotzdem, um dazuzugehören, und weil ich das in diesem pubertären Alter noch toll fand. Meinen ersten Vollrausch hatte ich dann mit 14 Jahren, als ich bei einem Freund übernachtet habe. Im Alter zwischen 14 und 16 habe ich auf Partys immer sehr viel Alkohol konsumiert, ca. 1 mal im Monat bis zur Volltrunkenheit. Damals wollte ich meine Grenzen austesten, außerdem war es immernoch ein Stück weit „cool“, alles in sich reinzuschütten, was man mir angeboten hat. Ein weiterer Punkt war die enthemmende Wirkung von Alkohol – ich tat mir leichter, Mädchen anzusprechen und „lässig“ zu wirken. Dies fiel mir in der Pubertät nüchtern immer sehr schwer. In dieser Zeit habe ich auch viele Mischgetränke wie z.B. Vodka-O getrunken. Zusätzlich zu vorher Genanntem war Alkohol auch ein Mittel, sich zu profilieren: Sprüche wie „Schau mal, der Kerl verträgt 7 Bier!“ trugen zum Aufbau meines (damals nicht gerade großen) Selbstwertgefühls bei.

Mit Ende 16 habe ich dann angefangen, zu verstehen, dass Partys auch witzig sein können, ohne komplett betrunken zu sein. Ich habe mich mehr auf meine schulischen Leistungen konzentriert und weniger Alkohol getrunken. Mein Alkoholkonsum nahm in der Abiturzeit jedoch wieder stark zu. Hauptsächlich führe ich das darauf zurück, dass wir als Klassenverband einen guten Zusammenhalt hatten und deswegen ständig auf den Festen und Feiern der anderen eingeladen waren. Obwohl die Trinkmengen zu dieser Zeit keine Vollräusche verursachten (ca. 3-6 Bier am Abend), war ich durch die häufigen Konsumanlässe (jedes Wochenende mind. 2 mal, teilweise auch unter der Woche) durchaus im Bereich des bedenklichen Alkoholkonsums. Ihre vorläufige Spitze nahm die „Sauferei“ dann nach bestandenem Abitur, als mehrere Wochen fast ununterbrochen gefeiert wurde, mit hohen Alkoholmengen.

Nach dem Abitur war ich dann ein Jahr im Ausland, wo ich aufgrund der damaligen Lebensumstände trotz ständiger Verfügbarkeit fast gar keinen Alkohol konsumiert habe. Hauptgrund dafür war m.E. der Wegfall der oben genannten Gruppendynamik, es hat halt in der Situation einfach nicht „gepasst“.

Nach dem Auslandsaufenthalt, zu Beginn meiner Studienzeit, war mein Konsum ebenfalls noch niedrig. Im Laufe des Studiums hat er sich dann jedoch wieder gesteigert, durch Stress und Leistungsdruck. Im Studium haben sich meine Trinkmotive verändert – der Alkohol war mittlerweile nicht mehr nur zum Partymachen gut, sondern auch zur Entspannung nach einem anstrengenden Tag oder zur Belohnung nach einer bestandenen Prüfung (s. Frage 1). Der Genuss eines kalten Biers zum Abendessen war ein Mittel, den Tag hinter sich zu lassen und sich zu entspannen. Die Motive hinter meinem Alkoholkonsum wurden also – das ist mir jetzt retrospektiv erst klar – immer vielseitiger und zahlreicher, ich habe immer mehr „tolle“ Seiten der Droge entdeckt. Zum Ende meiner Studienzeit (Zeit der TF) trank ich ca. 3 mal die Woche Alkohol, in moderaten Dosen (max. 1-2 Bier am Abend). Hinzu kam der erhöhte Konsum zu Anlässen wie Partys und Geburtstagen, wo ich ungefähr alle 2-4 Wochen ca. 6-8 Bier konsumiert habe. Regelrechte Vollräusche wie am Tag der TF kamen ca. 1-2 mal im Jahr vor, meist ungeplant.

Damals sind mir unter Einfluss von Alkohol verschiedene blöde und peinliche Sachen passiert. Dies auf mein Trinkverhalten zurückzuführen kam mir jedoch nicht in den Sinn – ich habe die Ereignisse als „Pech“, „blöde Zufälle“ und dergleichen abgetan. Mein Alkoholkonsum kam mir nie übertrieben vor, da ich die Trinkmengen relativiert - es gab immer Freunde, die noch mehr getrunken haben – und deshalb meinen eigenen Konsum nicht als Problem erkannt habe. Der klassische Niveau-Trinker also! Durch die Aufarbeitung meiner Trinkhistorie ist mir erst klar geworden, dass ich zu viel Alkohol konsumiert habe und das das eigene Trinkverhalten nicht etwa „normal“ oder gar „gut“ ist, weil das der anderen noch viel schlechter ist. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und hat seine eigenen Entscheidungen im Hinblick auf Alkohol zu treffen.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?

Sollte denke ich mit Frage 9 ausreichend beantwortet sein, oder was meint ihr?


11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

Hauptsächlich mit Freunden und in Gesellschaft. Auch beim Abendessen mit meiner Freundin (wir wohnen seit dem Abitur zusammen). In meiner ganzen Trinkkarriere nur 2-3 mal alleine, als ich nach einem Trinkabend betrunken nach Hause kam und noch mehr Alkohol trinken wollte. Die Trinkorte waren dabei Kneipen, Festzelte, Privathäuser bei Familienfesten und die eigene Wohnung beim Abendessen.

12. Warum haben Sie getrunken?

Aus den in Frage 9 beschriebenen Motiven: Enthemmung, Zugehörigkeitsgefühl, Selbstdarstellung, Entspannung, Genuss, Belohnung. Ich würde mal selbst Wirkungstrinken diagnostizieren, was meint ihr?
Zusätzlich möchte ich noch erwähnen, dass ich vom Land komme, einem „richtigen, bayrischen Dorf“. Bei uns ist der Alkohol fest im Alltag verankert – dass sich mein Vater oder mein Opa ohne ein Bier an den Brotzeittisch setzten, ist unvorstellbar. Am Wochenende wird bereits zum Mittagessen Bier getrunken. Es wurde also von zu Hause und vom Umfeld auch ein Konsummuster vorgelebt, welches sogar stark erhöhten Alkoholkonsum bei oberflächlicher Betrachtung als normal erscheinen lässt. Dies ist mit ein Grund, warum mein erhöhter Konsum auch zu Spitzenzeiten für niemand Anlass zur Sorge war.


13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
Wenig Alkohol: Gelöste Stimmung, Entspannung.
Viel Alkohol: Probleme mit der Feinmotorik, Sprachsteuerung, dem Sehen, dem Gleichgewicht, der Koordination. Engstirniger Horizont, unkluges und unbedachtes Verhalten und Handeln, jedoch keine Agressivität.

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Meine Mutter hat ab und zu gesagt „jetzt trink doch nicht immer so viel“. Das wurde von mir jedoch mit einem Lächeln abgetan, da sie überhaupt keinen Einblick in meine Trinkgewohnheiten und Trinkmengen hatte. Außerdem ist das doch so ein Standardspruch für Mütter – natürlich hatte sie am Ende doch recht … :P

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?

Durch meinen Alkoholkonsum haben sich zahlreiche dumme und peinliche Dinge ereignet, die z.T. negative Auswirkungen hatten (z.B. Hausschlüssel verloren). Außerdem hat der gesteigerte Alkoholkonsum gegen Ende des Studiums dazu geführt, dass ich etwas Bauchfett gewonnen und im Gegentzug viel Geld verloren habe. Außerdem habe ich einiges an Zeit „verloren“, zum einen durch das Trinken am Abend (hätte man die Zeit nicht sinnvoller nutzen können…???), zum anderen durch die Folgeerscheinungen des Rauschs am nächsten Tag: Obwohl ich nicht komplett verkatert war (ausser nach den 2 Vollräuschen im Jahr) haben mir nach den Trinkanlässen mit erhöhtem Konsum doch Kopfschmerzen, leichte Übelkeit und Unwohlsein zu schaffen gemacht.
Meine schulischen oder universitären Leistungen und meine zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen hatten nie unter den Folgen von Alkohol zu leiden.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben? Nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.

Ja gab es, siehe Antwort zur Frage 9. Da ich heute KT betreibe, habe ich sogar die meisten Zeiten in den Vorjahren mehr Alkohol getrunken als heute.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?
Die Kontrolle verloren: Nein. Ich habe mir im Vorfeld nie Gedanken über meine Trinkerei gemacht und gar nicht erst versucht, die Trinkmenge zu kontrollieren. Wie bei Frage 1 schon erwähnt: Es ging immer nach dem Motto „Mal sehen, was passiert“. Feste Grenzen habe ich mir dabei nie gesetzt. Die Frage nach dem Kontrollverlust kann ich also verneinen, weil ich gar nicht vor hatte, irgend eine Art von Kontrolle walten zu lassen.

^ Ich bin mir fast sicher, dass mir das, sollte ich das so sagen, negativ angekreidet werden wird. Es ist aber leider die Wahrheit. Könntet ihr mir vielleicht Tipps für alternative Formulierungen geben?
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  #7  
Alt 03.03.2018, 11:25
promillePrille promillePrille ist offline
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18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Ja, ich verzichte jedes Jahr während der Fastenzeit 40 Tage komplett auf Alkohol. Das habe ich mit ein paar Freunden während der Schulzeit mal als eine Art Wette angefangen, und seitdem machen wir das jedes Jahr. Außerdem verbringe ich seit der 10. Klasse jedes Jahr mindestens 3 Monate auf Reisen im Ausland, wo sich mein Alkoholkonsum auch immer drastisch vermindert (Trinkmenge in etwa vergleichbar mit KT). Streng genommen kein kompletter Verzicht, sollte ich das lieber nicht erwähnen?

19. In welcher Kategorie von Trinker haben sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?

Durch die Relativierung meiner eigenen Trinkmenge an meinen Mittrinkern habe ich mich früher selbst als Gelegenheits- und Gesellschaftstrinker gesehen. Ich hätte früher z.B. gesagt: „Alkoholmissbrauch? Nee, ich gehe am Wochenende halt gerne weg“, was die tatsächlichen Umstände natürlich stark verharmlost. Selbst angelogen habe ich mich jedoch nie, ich war wirklich der Meinung, meine Trinkgewohnheiten sind „normal“.
Durch die TF und die darauffolgende Zeit der Aufarbeitung weiss ich heute, dass ich damals ein klassicher Niveau- und Wirkungstrinker war. Ich habe zu zahlreichen Anlässen viel Alkohol getrunken und nie versucht, meine Trinkgewohnheiten zu kontrollieren. Zudem habe ich oft kleinere Alkoholmengen zur bewussten Entspannungswirkung benutzt. Mit der Sauferei habe ich meine Gesundheit und auch mein Leben (→ TF) leichtfertig auf‘s Spiel gesetzt.
Außerdem habe ich versucht, mein Trinkverhalten auf die 5 Trinkertypen nach Jelinek abzubilden und bin beim beta-Trinker gelandet, der weder physisch noch psychisch alkoholabhängig ist, aber zu Feiern und Festen gerne Alkohol trinkt und hin und wieder auch zur Entspannung.
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  #8  
Alt 03.03.2018, 11:33
promillePrille promillePrille ist offline
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Nachtrag: Habe gerade entdeckt, dass ich bei der Berechnung nach Widmark vergessen habe, das Resorptionsdefizit zu berücksichtigen. Richtigerweise müsste es also gehen:

1 Festbier: 500ml * 0.058 * 0.8 * 0.8 = 18.56g Alkohol
1 Norm-Bier: 500ml * 0.05 * 0.8 * 0.8 = 16g Alkohol.

Widmark: ‰ = (8*18.56g + 2*16g) / (78kg*0.7) = 3,305 ‰
Nach Abbau: 3.31‰ - 8*0.15‰ = 2,105 ‰

Immer noch leicht zu hoch, passt aber wesentlich besser !
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  #9  
Alt 03.03.2018, 21:26
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Alana Alana ist offline
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Zitat:
Zitat von promillePrille Beitrag anzeigen
Immer noch leicht zu hoch, passt aber wesentlich besser !
Das stimmt schon so. Das ist eine Formel, die Konstanten konstruiert, die im realen Leben dann doch nicht bei jedem zu 100% hinhauen. Gerade bei hoher BAK ist eine gewisse Streubreite bekannt.
__________________
Liebe Grüße
Alana
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  #10  
Alt 05.03.2018, 18:12
promillePrille promillePrille ist offline
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Hi Alana, danke dir für's drüberschauen! Ich stelle morgen oder übermorgen noch den dritten Teil vom FB ein. Hab das Gefühl, für meine MPU in ca. 10 Tagen ganz gut gerüstet zu sein!

Noch irgendwelche Kritikpunkte oder Anmerkungen?

Liebe Grüße
promillePrille
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