Zurück   MPU Forum > MPU Diskussion > MPU Fragebögen

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 03.12.2017, 18:39
Mohlenbop Mohlenbop ist offline
Newbie
 
Registriert seit: 03.12.2017
Beiträge: 5
Standard MPU Fragebogen Konsum harter Drogen -Darstellung verständlich?

Hallo zusammen,

da meine MPU in kurzer Zeit bevorsteht teile ich sehr gerne meinen Fragebogen mit euch und freue mich über sämtliche konstruktive Kritik !


Was ist passiert?
Ich hatte online Drogen bestellt, der Versender wurde verhaftet und bei mir wurde eine Haaranalyse angeordnet, die positiv auf Amphetamine und Ecstasy anschlug.

Wann haben Sie das allererste Mal von illegalen Drogen gehört?
Zur Schulzeit, Gymnasium 6. Klasse Biologieunterricht

Wann haben Sie das erste Mal konsumiert? (Datum)
10/2014 retrospektiv aus Unausgefülltheit
12/2014 abermals selbiger Grund, danach Nachricht von Schwangerschaft
12/2015 nach Schlaganfall von Bruder
02/2016 nach Ehestreit
05/2016 aus Überforderung
zuletzt 06/2016 aus „Lust“ -> Alarmsignal -> aufgehört

Wie sah der Konsum aus?
Konsum immer zu bestimmten Gelegenheiten, meist um sich „gut zu fühlen“, aus falscher Bewältigungsstrategie heraus und um Problemen nicht „nüchtern“ ins Auge sehen zu müssen. Konsum stets alleine, ohne sozialen Kontakt

Haben Sie Drogen zusammen mit Alkohol konsumiert?
Nein, noch nie.

Wie ist der Umgang mit Alkohol gewesen?
kein Alkohol

Sonstige Suchtmitteleinnahme?
Nein, noch nie.

Haben Sie bei sich negative Folgen festgestellt?
nach dem Konsum Ausgelaugtheit, starker Erholungsbedarf, stärker werdende Schuldgefühle,
beginnende psychische Dependanz als ich zum ersten Mal aus „Lust“ konsumiert hatte, gefolgt von schweren Schuldgefühlen meiner Familie und mir selbst gegenüber

Haben Sie trotz negativer Folgen weiter konsumiert?
bei den „erwarteten“ körperlichen Folgen zunächst ja, bei den beginnenden psychischen Folgen stoppte ich den Konsum

Was für Werte wurden bei Ihrer Auffälligkeit festgestellt?
Amphetamin 24ng/mg, MDMA 16 ng/mg

Wann und wieviel haben Sie in der Woche vor der Auffälligkeit konsumiert?
nichts / dagegen letzter Konsum 4 Einheiten nasal über 12 Stunden

Wieviel und was haben Sie am Tag der Auffälligkeit Konsumiert?
nichts / siehe oben da Konsum einmalig

Gab es einen besonderen Grund für diesen Konsum?
Ich verspürt Lust danach, ich wollte mich quasi „gut fühlen“ und hatte Verlangen nach den als positiv erlebten Seiten des Drogenkonsums

Wie sind Sie auffällig geworden?
ich hatte die Drogen 2014 im Internet bestellt. Der Versender wurde 2015 verhaftet und alle seine Abehmer von der Polizei ermittelt. Im August 2016 wurde aus diesem Grund eine Haaranalyse bei mir durchgeführt, die positiv anschlug.
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 03.12.2017, 18:40
Mohlenbop Mohlenbop ist offline
Newbie
 
Registriert seit: 03.12.2017
Beiträge: 5
Standard

Wieso ist es verboten unter Drogeneinfluss ein KFZ zu führen?
Die Substanz sorgt dafür, dass man nicht mehr im Vollbesitz der geistigen und motorischen Fähigkeiten ist, die für das Steuern eines KFZ unbedingt notwendig sind.

Wie lange stehen Sie nach dem Konsum von Drogen unter deren Einfluß?
bis zu 72 Stunden, Abbauprodukte bleiben bis zu mehrere Wochen im Körper

Sind sie sich darüber im Klaren, welche Folgen es bei einem täglichen Konsum gibt?
ja, physische wie psychische Abhängigkeit, körperliche Ausfallerscheinungen, Paranoia, Halluzinationen, motorische Beeinträchtigungen, verzögerte Reaktionsfähigkeit, vermindertes Urteilsvermögen

Welche persönlichen Hintergründe gab es für den Drogenkonsum?
Ich hatte bis damals nie gelernt, effektiv mit Rückschlägen und Widrigkeiten klar zu kommen. Ich fraß viel in mich hinein, versuchte viel über Essen zu kompensieren, nahm viel Gewicht zu. Ich war ein eher introvertierter, verschlossener Mensch, der nur schwer Vertrauen zu anderen Bezugspersonen aufbauen wollte. Die Droge machte es mir leicht, mich mit meiner Gefühlswelt auseinander zu setzen, ich konnte bei Rückschlägen vermeintlich schneller „zum Punkt“ kommen und eine – ebenfalls vermeintliche – Lösung finden.

Wie hat sich Ihr Umfeld über Ihren Drogenkonsum geäußert?
Mein familiäres Umfeld war bestürzt und missbilligte meinen Konsum von Anfang an. Ich bagatellisierte jedoch so stark und versuchte, den Konsum vor mir selber zu rechtfertigen, dass sich der Widerstand gegenüber den Drogen nur verfestigte. Damals dachte ich, mein ganzes Umfeld sei gegen mich. Heute bin ich froh, dass meine Familie selbst in dieser schweren Zeit zu mir gehalten hat und den Weg mit mir gegangen ist.

Gab es Ereignisse in Ihrem Leben, die zu verstärktem Konsum geführt haben?
Ja, der Schlaganfall meines Bruders 10/2015 hat zum mehrfachen Konsum 12/2015 gefühlt. Ich fühlte mich leer, hatte Angst generell, Angst um ihn, Angst um mich, meine Familie und war verzweifelt.

Haben Sie vor der Auffälligkeit jemanden um Hilfe gebeten, um den Drogenkonsum zu beenden?
Ja, neben meiner Familie (Ehefrau, Bruder, Mutter) habe ich mit folgende Personen / Institutionen darüber gesprochen und Hilfe erhalten:
Dr. Martin Harzenetter, Hausarzt
Gunther Kotschmar, Leiter soziale Dienste, Jugendamt
Suchtberatung Landratsamt Unterallgäu in Mindelheim → Ary Witte, Kompass Lohhof
Robert Schreiner, Anwalt im Strafverfahren


Gibt es in Ihrer Familie aktenkundige Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Suchtkrankheiten?
Ja, meine Frau wurde im Rahmen meines Strafverfahrens ebenfalls belangt, da ich eine Drogenbestellung auf ihren Namen hin getätigt hatte.

Hatten sie Konsumpausen/spitzen?
Ja, als meine Frau mit unserem Wunschkind schwanger wurde, war ich vollends glücklich und zufrieden, so dass die Drogen keine Rolle mehr spielten. Auch nach der Geburt lief alles in geordneten Bahnen weiter. Erst, als mein Bruder 10/2015 einen Schlaganfall erlitt, konsumierte ich wieder.

Was hat Sie daran gehindert, ohne Droge abzuschalten?
Es ging nicht um das „Abschalten“, sondern um das Fehlen von effizienten Bewältigungsmechanismen. Dies, so dachte ich, erhalte ich durch den Drogenkonsum und kann diese in das „nüchterne“ Leben übertragen. Die Wahrheit war jedoch, dass die Drogen mir nur vorgaukelten, ich hätte auf einmal Lösungen parat und wäre wieder „oben auf“. In der nüchternen Betrachtung danach war alles wieder wie zuvor. Ich fühlte mich wie auf verlorenem Posten, ohne eindeutiges „Ziel“ im Leben.
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 03.12.2017, 18:40
Mohlenbop Mohlenbop ist offline
Newbie
 
Registriert seit: 03.12.2017
Beiträge: 5
Standard

Waren Sie gefährdet in eine Drogenabhängigkeit zu geraten?
Ja, als ich das erste Mal spürte, dass ich ausschließlich aus „Lust“ konsumieren wollte, waren die Weichen bereits in diese Richtung gestellt. Ich bin mir sicher, wäre ich diesen Weg weiter gegangen, wäre mehr und mehr Symptome einer Abhängig hinzugekommen und es wäre schwerer und schwerer geworden, der Spirale zu entkommen.

Waren sie Drogenabhängig?
Nein.

Wieso passiert das nicht wieder?
Nicht nur habe ich durch meine persönliche Weiterentwicklung inzwischen gelernt, meine Probleme direkt anzugehen, mich zu öffnen und mir gezielt wenn notwendig Hilfe zu holen (Beispiel: Strafverfahren). Ich habe auch durch die daraus resultierende hohe Lebenszufriedenheit nicht den kleinsten Grund für Drogen und somit auch keinerlei Verlangen danach. Ich befinde mich in keinen Freundeskreisen, in denen Drogen konsumiert werden, ich habe viele ausgleichende Hobbies, bin mit Leib und Seele Vater, liebe meinen Job und habe sehr viel Rückhalt im Familienkreis.

Hätten sie, rückblickend, eine Drogenkarriere verhindern können?
Ja, durch eine zielorientiertere Aufarbeitung der problematischen Umstände, die zu dem Konsum geführt haben.

Wieso haben Sie sich für eine Abstinenz entschieden?
Ich habe Ziele, Wünsche, Ambitionen im Leben – und das beruflich wie privat – die nur mit einer abstinenten Lebensweise vereinbar sind. Der Konsum gab mir selbst rückblickend betrachtet nie das, was er mir durch seine vermeintlich tollen Gefühle vermitteln wollte. Die Selbstsicherheit hatte keinen Bestand, die Atrraktivität war nicht real, die Probleme waren nicht gelöst. Die alles alles konnte ich erst durch ein drogenfreies Leben durch mein eigenes Handeln und Denken ordnen und in die richtigen Bahnen lenken.

Beschreiben Sie den Punkt, an dem Sie sich für ein abstinentes Leben entschieden haben.
Als ich zum ersten Mal das Verlangen hatte, die Drogen aus „Lust“ bzw. zum „Spaß“ zu konsumieren. Meiner Einschätzung nach stand hier ein Kontrollverlust kurz bevor, was ich absolut verhindern wollte.

Wieso kommt für Sie nur Abstinenz und nicht für gelegentlicher Konsum in Betracht?
Gelegentlichen Konsum als Bagatelldelikt schön zu reden entbehrt jeder Grundlage. Nicht nur, dass die negativen Folgen des Konsums sich in jeden Lebensbereich einschleichen und diesen vergiften liegt es auf der Hand, dass selbst einmaliger Konsum zur Sucht führen kann. Ein verharmlosender Umgang mit dem Thema führt unweigerlich zum Abbau von Hemmschwellen und schlussendlich zum Konsum. Und dies ganz abgesehen von den negativen sozialen wie rechtlichen Folgen, die sich aus dem Konsum und dem Umgang mit Drogen allgemein ergeben…

Wie haben Sie die Umstellung zur Abstinenz erlebt?
Ausschließlich positiv. Wenn auch nicht immer einfach. Gerade in der Konsequenz, sich zu öffnen und eine andere Sichtweise als die eigene einzunehmen. Mein körperliches Wohlbefinden hat sich massiv gesteigert, ich bin selbstsicherer geworden, lebe entspannter und mit weniger Druck auf das Wesentliche hin, genieße mein Familienleben sehr, ich treibe Sport und habe mit der Fotografie und dem Laufen Hobbies, die Anspannung nehmen, statt zu fördern. Psychisch geht es mir ebenfalls sehr gut, ich reflektiere mehr, beziehe die Meinungen anderer Menschen stärker ein, sehe oft über den Tellerrand hinaus und versuche, aufkommende Probleme so nahe an der Wurzel anzugehen wir möglich.

Wer hat Ihnen dabei wie geholfen?
Meine Frau und meine Mutter haben als die Menschen, die mir am nächsten stehen, stets ein offenes Ohr für die Dinge, die mich beschäftigen. Meine Tochter ist als Ruhepol allgegenwärtig und zeigt mir, dass sich das worauf es im Leben ankommt nicht am Beruf, Geld oder anderen extrinsischen Motivatoren messen lässt. Meine Arbeit spielt durch den gefestigten Kollegenkreis, meine verantwortungsvolle Position und interessanten Aufgaben ebenfalls eine wichtige Rolle und schafft Wertschätzung selbst abseits der finanziellen Aspekte. Eine nebengeordnete, aber nicht unwichtige, Rolle spielten auch mein Arzt, mein Anwalt, die Suchtberatungsstelle in Mindelheim und das Jugendamt, die mir in der Bewältigung und Aufarbeitung der psychisch fordernden Situation stets mit Rat und Tat zur Seite standen. Sei es nun durch Gespräche, Literaturempfehlungen oder sonstige Hilfsangebote.
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 03.12.2017, 18:41
Mohlenbop Mohlenbop ist offline
Newbie
 
Registriert seit: 03.12.2017
Beiträge: 5
Standard

Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Umstellung?
Ausschließlich positiv und unterstützend. Die Beziehung zu allen meinen Familienmitgliedern ist seitdem viel intensiver und offener. Nicht nur ich spreche offener über meine Probleme, auch im Familienkreis kommunizieren wir viel mehr und zielgerichteter über unsere Gefühle, Wünsche, Probleme und Herausforderungen. Mein Umfeld ist stolz auf mich und den Weg, den ich gegangen bin.

Haben Sie nach der Auffälligkeit weiterhin Kontakt zu Ihren Drogenbekannten gehabt?
Es gab keine Drogenbekanntschaften.

Haben Sie nach Ihrer Auffälligkeit miterlebt, wie Ihre Bekannten Drogen konsumiert haben?
Nein, wobei sich meine Einstellung was die Toleranz gegenüber Drogen angeht ebenfalls geändert hat. Die offensichtlichen Folgen für das eigene Urteilsvermögen und die körperlichen Ausfallerscheinungen mal ganz außen vor gelassen, durch die man allein schon verkehrsuntauglich ist. Früher war ich der Ansicht „jeder ist für sich selbst verantwortlich“ und hatte nichts dagegen, wenn jemand für sich selbst entschieden hatte, konsumieren zu wollen. Inzwischen ist mir bewusst, wie viel Leid man damit nicht nur sich selbst antut, sondern auch über die Menschen bringt, die einem am nächsten stehen.

Wie wollen Sie es gegebenen Falls in Zukunft verhindern, nochmals unter Drogeneinfluß ein KFZ zu führen?
Da es aus Überzeugung mein Ziel ist, ein Leben lang abstinent zu sein und „kontrollierter Konsum“ nicht existiert, stellt sich diese Frage nicht.

Wie wollen Sie einen beginnenden Rückfall erkennen?
Rückfälle bahnen sich oftmals in schleichender Gedankenform an. Z.B. das Erinnern an vermeintlich positive Aspekte oder Assoziationen mit auf Droge erlebten Geschehnissen. Bei fortschreitenden Drogensymptomatiken seien es auch körperliche Symptome, die den Betroffenen dabei befallen, z.B. Zittern, Unruhe, Hitze/Kälteempfinden, „Craving“ und andere Alarmsignale. Darauf ist zu achten, genauso wie auf die Gestaltung des eigenen Umgangs und Lebensform.

Wie ist derzeit der Konsum von Alkohol bei Ihnen?
Ich konsumiere keinen Alkohol.

Auf welches Organ wirken Drogen am stärksten?
Gehirn, Leber, Niere, Herz

Wann spricht man von Drogenmissbrauch?
Die Droge wird vor allem wegen der psychischen Wirkung (Betäubung, Entspannung...) eingesetzt.
Beginnender Kontrollverlust, Einsetzen des Suchtmittels zu unpassenden Zeiten (im Straßenverkehr, in der Arbeit...etc.)

Wann spricht man von Abhängigkeit?
- unwiderstehliches Verlangen
- Verhaltensänderungen
- es treten Entzugserscheinungen auf
- Störungen des vegetativen Nervensystems, Schwitzen, Tremor (Muskelzittern), Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle
- Gedächtnis- und Denkstörungen

Nennen Sie sechs Kriterien des ICD 10 für Abhängigkeit
1. Starker Wunsch oder Zwang Alkohol zu konsumieren
2. verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
3. körperliches Entzugssyndrom
4. Nachweis einer Toleranz (Tagesdosen)
5. fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Alkoholkonsums
6. Konsum trotz Nachweises eindeutiger körperlicher Schäden (Leber), psychischer (Depression, sozialer Beeinträchtigungen (Arbeitsplatzverlust)

Wie viele müssen erfüllt sein, um von Abhängigkeit zu sprechen?
3 Kriterien
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 03.12.2017, 18:42
Mohlenbop Mohlenbop ist offline
Newbie
 
Registriert seit: 03.12.2017
Beiträge: 5
Standard

Da man bei sich selbst immer betriebsblind ist. Klingt das so stimmig und nachvollziehbar?
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 15:55 Uhr.