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  #1  
Alt 13.01.2018, 21:05
Raumteiler Raumteiler ist offline
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Standard TF mit Fahrrad, BAK 1.86

Hallo Forum,

zu allererst möchte ich mal ein "Danke" an alle Schreiber für ihre Unterstützung, Tipps, Ratschläge und Hilfestellungen sagen. Vor 3 Monaten hatte ich mich zur Fahrschule angemeldet, absolvierte meine Theorie- und inzwischen auch sämtliche Praxis-Fahrstunden und stünde praktisch vor den Prüfungen.

1 Monat nach Beginn der Fahrschule gab ich brav meinen Antrag bei der Führerscheinstelle mit allen erforderlichen Unterlagen ab, dort bekam ich einen ersten Dämpfer (dachte mir jedoch wohl erstmal kaum etwas dabei) - nach Auskunft des FAER müsste mein Antrag noch überprüft werden. Die Sachbearbeiterin fragte mich, ob denn etwas vorgefallen sei, ich mal auf dem Fahrrad bei "Rot über die Ampel gefahren bin". Im ersten Moment war ich etwas "baff", auf was sie anspielen würde. Ich verneinte, allerdings schwante mir, auf was sie vielleicht anspielt. Allerdings fehlte mir irgendwie die nötige Diskretion in dem Zimmer, um direkt "die Hosen runter zu lassen" - 1 Meter neben mir saß gerade eine Frau auf dem Stuhl die ihren Führerschein "verloren" hatte ...

Ca. 2-3 Wochen folgte ein Brief mit der Anforderung der Beibringung eines "behördlichen Führungszeugnisses", welches ich ebenfalls brav beantragte.

Weitere 4 Wochen später erhielt ich dann pünktlich vor Neujahr ein Schreiben mit dem Titel "Vollzug des Straßenverkehrsgesetzes und der Verordnung zur Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (FeV)", dass in meinem Fall eine MPU angeordnet werden muss, da aus meinen Unterlagen ersichtlich wäre, dass ich ein Fahrzeug unter Alkohol im Straßenverkehr geführt habe.

Ziemlich verwirrt war ich, dass in diesem Schreiben weder eine Fragestellung, noch eine Frist festgesetzt wird, jedoch schon eine Auflistung mit Begutachtungsstellen aufgeführt wurde und ich bei einer persönlichen Vorsprache bei der Führerscheinstelle (bis Ende Januar 2018) bereits eine Stelle benennen soll, von der ich mich begutachten lasse) ... was ist das denn für ein Vorgehen?

Jedenfalls habe ich mich bei Recherchen in den letzten Monaten sehr gefreut, dass es dieses Forum gibt und so zahlreich Rat und Hilfe zum Thema gegeben wird. Danke dafür! Das war nun auch der ausschlaggebende Punkt, mich hier anzumelden.

Mehr zu meinem Fall & Fragebogen folgen gleich.

Geändert von Raumteiler (13.01.2018 um 21:06 Uhr) Grund: Korrektur
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  #2  
Alt 13.01.2018, 21:19
Raumteiler Raumteiler ist offline
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Zur Person

Geschlecht: männlich
Größe: 1,84 m
Gewicht: 76 kg
Alter: 41 (zur Tatzeit 36)
Bundesland: Sachsen

Was ist passiert?

Datum der Auffälligkeit: 23.09.2012
BAK: 1,86
Trinkbeginn: ca. 17 uhr
Trinkende: ca. 22 Uhr
Uhrzeit der Blutabnahme: 23:40 Uhr

Stand des Ermittlungsverfahrens

Gerade erst passiert: vor > 5 Jahren
Strafbefehl schon bekommen: ja
Dauer der Sperrfrist: keine

Führerschein

Hab ich noch: nein
Hab ich abgegeben: nein
Hab ich neu beantragt: nein
Wurde mir entzogen? nein
Noch in der Probezeit? nein
Habe noch nie einen besessen: ja

Führerscheinstelle

Hab schon in meine Akte geschaut Ja/Nein: nein
Sonstige Verstöße oder Straftaten? nein
Fragestellung der Fsst (falls bekannt): nicht bekannt

Konsum

Ich trinke noch Alkohol, wenn ja wie oft wieviel:
2-3 Bier á 0,33 l, maximal zu 12 Trinkanlässen im Jahr

Abstinenznachweis

Haaranalyse ja, wie viele bisher und seit wann: nein
ich befinden mich im Urinscreeningprogram seit: -
Leberwerte ja/nein, seit wann............ nein
in welchen Abständen................... -

Aufarbeitung

Suchtberatungsstelle aufgesucht?: nein
Selbsthilfegruppe (SHG): nein
Psychologe/Verkehrspsychologe: nein
Kurs für verkehrsauffällige Autofahrer: nein

Ambulante/stationäre Therapie
(bitte Zeitraum von Beginn bis Ende angeben):
nein
werden derzeit Medikamente eingenommen?Antidepressiva etc:
nein

MPU

Datum: steht noch nicht fest
Welche Stelle (MPI):
Schon bezahlt?: nein
Schon eine MPU gehabt? nein
Wer hat das Gutachten gesehen? -

Was steht auf der letzten Seite (Beantwortung der Fragestellung)?:

Welche Empfehlung (Auflagen) wurden ausgesprochen:

Altlasten

Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige
nein
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  #3  
Alt 13.01.2018, 21:31
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Alana Alana ist offline
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Willkommen hier im Forum!
Zitat:
Ziemlich verwirrt war ich, dass in diesem Schreiben weder eine Fragestellung, noch eine Frist festgesetzt wird
Zur Fragestellung: die ist zwar klar, müßte in der Tat aber darin stehen. Sicher, daß nicht ein Satz „Es soll festgestellt werden, ob ...“ oder so ähnlich enthalten ist? Ohne wäre die Anordnung zwar rechtswidrig, hilft Dir aber auch nicht wirklich weiter. Die MPU mußt Du machen.
Zur Frist: die ist nun wiederum überflüssig, Du hast schlicht keine. Du willst etwas von der FSST. Ohne MPU wirst Du schlicht nicht zur Fahrprüfung zugelassen. So einfach ist das. Machst Du keine MPU, wird der Antrag auf Prüfungszulassung nach einiger Zeit kostenpflichtig abgelehnt.
__________________
Liebe Grüße
Alana
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  #4  
Alt 13.01.2018, 21:54
Raumteiler Raumteiler ist offline
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Danke Alana für deine schnelle Antwort.

Eine konkrete Fragestellung oder Fristsetzung fehlt in diesem Schreiben jedoch völlig. Vielleicht interpretiere ich auch nur den Betreff des Schreibens "falsch" und es ist noch keine "offizielle MPU-Anordnung". Nur über die Art und Weise des Schreibens / Ablauf wunderte ich mich schon ziemlich - ist für mich jedoch auch nur zweitrangig.

Ich bin 2012 mit dem Fahrrad betrunken auf einer Straße gefahren. Diesen Schuh habe ich mir selbst angezogen, meine Schlüsse und Lehren daraus gezogen.

Die Tat würde laut KBA zum 01.05.2019 aus der Akte getilgt, jedoch sehe ich es im Moment auch als eine Art Bestätigung zur persönlichen Aufarbeitung mit dem Thema für mich und zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer / Mitmenschen an, mich vor Tilgung begutachten zu lassen und würde mich freuen, wenn mich der eine oder andere dabei unterstützt.
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  #5  
Alt 13.01.2018, 22:28
Raumteiler Raumteiler ist offline
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Nun zum Fragebogen.
Ich würde mich über eure Meinungen und Einschätzungen dazu freuen.

Allerdings hatte ich ein bisschen Bauchschmerzen beim Beantworten der Frage 16 (Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?) - oder ich verstehe die Frage falsch... 2012 habe ich natürlich mehr als heute getrunken?

Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.

Es war Sonntag, der 23. September 2012 - zu der Zeit befand ich mich in einer Umschulung zum Mediengestalter und lernte wie jedes Wochenende für die bevorstehende schriftliche Prüfung, die Ende November anstand.

Mein bester Freund rief mich an und erinnerte mich an den Geburtstag seines Vaters, ob ich nicht auch vorbeikommen möchte, sie würden im Schulhof sitzen und feiern. Da ich seinen Vater schon sehr lange kannte und es eine willkommende Abwechslung zum Lernen gewesen ist, sagte ich zu und machte mich mit dem Rad auf den Weg ohne vorher etwas gegessen zu haben.

Gegen 17 Uhr bin ich dagewesen und stellte mein Fahrrad einfach an die Wand der Schule in den Innenhof. Es waren bereits viele mir bekannte Gesichter / Leute anwesend, die Stimmung war bereits recht ausgelassen. Es wurde schon viel getrunken - angefangen von Bier, Kräuter-Likor bis hin zu selbstgemachten Holunderblüten-Schnaps, den Gäste mitgebracht hatten.
Etwas ausgepowert von der Radfahrt den Berg hoch, trank ich die ersten 2 Bier recht zügig.

Ich beantwortete viele Fragen zu meiner Kopfverletzung vor 3 Monaten, welche Verletzungen ich hatte, wie lange ich im Krankenhaus gelegen habe, ob und wo ich operiert werden musste etc. Solche Fragen waren wir mir in der Zeit ziemlich unangenehm und ich ging ihnen, soweit es mir möglich war, gern aus dem Weg.

Mit zunehmendem Alkohol / Bier-Konsum schien diese Blockade in mir jedoch zu schwinden und ich konnte mehr darüber reden und mich öffnen.
In dieser Zeit trank ich zudem 1 Schnaps á 0,04 l innerhalb von ca. 2 Stunden.

Gegen 20 Uhr wurde es dann zunehmend frischer draußen und wir, der verbliebene Rest, entschlossen uns in die Kellerräume der Schule zu gehen, wo der Vater als Hausmeister seine Arbeitsräume hatte. Auf dem Weg in die Schule merkte ich, dass ich schon ziemlich alkoholisiert gewesen sein muss und in dem Zustand nicht mehr mit dem Fahrrad nach Hause fahren werde.
Eine Endhaltestelle der Straßenbahn ist nur ca. 150 Meter entfernt.

Wir hörten im Keller der Schule Musik, die Stimmung war weiterhin sehr gesellig und ausgelassen. Ich trank weiter Alkohol / Bier und immer wieder machte der Holunderblüten-Schnaps die Runde. Davon habe ich bis 21:45 Uhr noch 2 Gläser á 0,04 l in kurzer Zeit getrunken, da ich an diesem auch noch nach Hause musste.

Gegen 21:45 Uhr ging ich nach oben an die frische Luft vor die Schultür um noch eine Zigarette zu rauchen während ich nach meinem Fahrrad gesehen habe. Ich fing es an vom Schulhof zu schieben um damit zur Straßenbahn-Haltestelle aufzubrechen. Zur Haltestelle ging es bergab und das Laufen mit dem Rad fiel mir nicht einfach. Warum ich letztendlich auf's Rad gestiegen bin, kann ich heute nicht mehr beantworten. Es war wohl aus Bequemlichkeit.

Auf der Strecke zur Haltestelle kam mir in einer Engstelle eine Auto entgegen. Ich bin dem Auto ausgewichen und dabei gegen einen Bordstein gefahren, verlor dabei die Kontrolle über das Fahrrad. Ich fiel hin und prallte mit dem Brustkorb auf die Seite des Lenkers. Ich blieb vor Schmerzen liegen.

Was danach passierte, weiß ich heute nicht mehr.

Ich erinnere mich, dass der Polizeibeamte im Krankenhaus meinen BAK von 1,86 Promille erwähnte und zu mir sagte, dass er dies zur Anzeige bringen muss, da es sich um eine Straftat handelt.

2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?

6 Flaschen Bier 0,5 l im Zeitraum zwischen 17:00 - 21:45 Uhr
3 Schnaps á 4 cl zwischen 18:30 - 21:45 Uhr

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?

Von der Schule bis zur Endhaltestelle sind es ca. 150 Meter, davon bin ich ca. 40 Meter gefahren.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?

Ich fühlte mich vor der Schultür alkoholisiert und nicht mehr im Stande dazu, 8 km mit dem Rad nach Hause zu fahren. Ich hatte wohl noch das Gefühl, sicher bis zur Straßenbahn-Haltestelle zu gelangen.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Ich wollte mit der Straßenbahn nach Hause fahren, da ich mich zu dem Zeitpunkt bereits zu alkoholisiert fühlte um den Heimweg mit dem Rad anzutreten. Das wären ca. 8 km durch die Innenstadt gewesen. Ich habe das Fahrrad anfangs geschoben, da es von der Schule nur "ein Katzensprung" bis zur Endhaltestelle gewesen ist. Wahrscheinlich bin ich dann aus Bequemlichkeitsgründen doch aufs Rad gestiegen.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?

Vorher bin ich noch nie mit Alkohol im Straßenverkehr aufgefallen. Allerdings bin ich schon mehrfach unter Alkoholeinfluss Fahrrad gefahren.

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?

Da ich keinen Führerschein besitze, nutze ich das Fahrrad fast täglich um auf Arbeit oder zu Freunden zu kommen bzw. auch für den Heimweg und fahre damit im Jahr ca. 2000-2500 km. Wenn unter alkoholisiert auch 1 Bier zählt, muss ich mir heute eingestehen, dass ich hin und wieder alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen habe. Ich denke, das wird ca. 150 Mal vorgekommen sein.

Bis zu meiner Straftat war mir nicht bewusst, dass es eine Promillegrenze für Radfahrer gibt, auch fehlte mir eine reale Vorstellung was 1,6 Promille sind und wie diese Alkoholisierung als Wert einzuschätzen ist. Zusammen mit Freunden habe ich das Rad regelmäßig genutzt, um nach dem Feiern alkoholisiert nach Hause fahren zu können und kein Auto zu benutzen. Ich hätte aber reflektieren müssen, dass ich auch das Fahrrad nicht alkoholisiert anrühren sollte. Denn die Auswirkungen der Reaktionsfähigkeit, riskanter Fahrweise, Fehleinschätzungen von Entfernungen usw. sind beim Radfahren genauso gegeben. Ich habe andere und mich leichtsinnigerweise gefährdet und mich verantwortungslos verhalten.
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  #6  
Alt 13.01.2018, 22:29
Raumteiler Raumteiler ist offline
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Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?

Den ersten Kontakt mit Alkohol hatte ich im Kindesalter bei einer Familienfeier (Silvester). Wie alt genau ich da gewesen bin, weiß ich heute nicht mehr. Ich werde 10 oder 11 Jahre alt gewesen sein. Als ich 14 Jahre alt geworden bin, bot mir mein Onkel ein Schluck Bier an - ich weiß noch dass es mir überhaupt nicht schmeckte. Dementsprechend habe ich das Gesicht verzogen. Andere anwesende Männer machten sich daraufhin lustig darüber. Meine Mutter hat danach mit meinem Onkel laut geschimpft.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

In meiner Jugend zwischen 16 und 19 Jahren habe ich regelmäßig Alkohol getrunken, als wir jedes Wochenende mit Freunden in die Disco gegangen sind. Danach folgte eine Zeit in der ich eher unregelmäßig Alkohol getrunken habe. Wenn wir mal auf Party / in Discos gegangen sind, zu Geburtstagen, Silvester oder auf einer Radtour mit Freunden gehörte auch Alkohol immer mit dazu.

Seit meiner Trunkenheitsfahrt habe ich meinen Alkoholkonsum sehr stark reduziert.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?

Alter 16-19
wochentags kein Alkohol
2-3 Cola-Bier á 0,5 l am Wochenende (Disco)

Alter 19-35
wochentags 1 Feierabend-Bier á 0,5 l
3-4 Bier á 0,5 l am Wochenende
1-2 Wodka-Cola á 0,2 l oder Cocktail á 0,5 l am Wochenende

Alter 36
3-4 Bier täglich á 0,5 l
gelegentlich 6-8 Bier á 0,5 l und 2-3 Wodka-Cola á 0,2 l am Wochenende

Alter 36-41
2-3 Bier á 0,3 l bei maximal 12 Trinkanlässen / Jahr

11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?

Auf Feiern, Geburstagen und Festen mit Freunden und deren Familie / Bekannte, abends auch allein zu hause.

12. Warum haben Sie getrunken? (Innere + äußere Motive)

Im jugendlichen Alter habe ich getrunken weil ich dann enthemmter, kontaktfreudiger wurde und auch leichter mit den Damen ins Gespräch kam. Auch wollte ich natürlich "dazu gehören" und vor Freunden nicht als schwach dastehen. Danach kam eine Zeit des Mittrinkens weil ich ja so erwachsen war. Später nach meinem Umzug nach NRW kam eine Zeit in der ich nur noch zu besonderen Anlässen über das Jahr verteilt getrunken habe. Nach meinem Unfall am 23. Juni 2012 habe ich Alkohl getrunken, weil ich durch den Krankenhausaufenthalt einfach wusste wie es weitergehen würde und all meine Ziele danach "den Bach runter gehen" sah. Ich fühlte mich unattraktiv, entstellt und abschreckend auf andere, verschanzte mich zunehmend und ließ mich in den darauf folgenden 3 Monaten gehen.

13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet? (bei wenig und bei viel Alkohol)

Bei wenig Alkohol:
Bei wenig Alkohol wurde ich offener, gelöster. Meine Probleme schienen kleiner zu werden oder gar ganz zu verschwinden. Ich wurde gesprächiger und konnte auch über kleine Probleme reden.

Bei viel Alkohol:
Schwierigkeiten beim Sprechen ("lallen"), Übelkeit, Müdigkeit, Kater-Erscheinungen am nächsten Morgen

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Kritische Hinweise auf meinen Alkoholkonsum gab es erst direkt nach meiner Trunkenheitsfahrt. Meine Familie, besten Freunde und meine Partnerin besuchten mich am Folgetag im Krankenhaus und stellten mich zur Rede was ich mir dabei gedacht habe, ob ich alles aufs Spiel setzen möchte und warum ich nicht einfach "nein" gesagt habe. Noch im Krankenhaus setzte in den 3 Tagen ein Denkprozess ein, in dem ich sehr viel über meinen vergangenen Alkoholkonsum, meine Gesundheit und meine persönlichen Ziele nachgedacht habe.

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?

Am "Tag danach" fühlte ich mich zumeist antriebslos und träge mit hin und wieder Kater-Erscheinungen. Daher beschränkten sich die Trinkanlässe meist auf Samstag, da ich wusste dass ich den Tag danach meist zu nichts zu gebrauchen bin.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben? Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.

Nein.

17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Nein, meine Trunkenheitsfahrt war das einzige und erste Mal, dass ich die Kontrolle über meine Trinkmenge verloren habe. Seitdem meide ich hochprozentigen Alkohol konsequent, weil ich gemerkt habe dass ich dann schnell den Überblick darüber verliere.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?

Nach der Trunkenheitsfahrt habe ich mich dazu entschieden, die folgenden 4 Wochen komplett auf Alkohol zu verzichten um mir selbst, meiner Partnerin, meiner Familie und Freunden zu zeigen, dass ich auch Alkohol nicht brauche und sie nicht durch Alkohol verlieren möchte.

19. In welcher Kategorie von Trinker haben sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein? (mit Begründung)

Früher habe ich mir über meinen Alkoholkonsum und dessen Wirkung auf mich kaum Gedanken gemacht, da einem überall vermittelt wird dass er zur Gesellschaft dazu gehört. Fast jede Person in meinem Umfeld hat Alkohol getrunken. Alkohol wurde überall angeboten und war in der Gesellschaft, Werbung in Fernsehen allgegenwärtig. Ich empfand mich früher als einen normalen Gesellschaftstrinker.

Heute, nachdem ich mich mit den Folgen meines Handelns und meinen Trinkgewohnheiten vor meiner TF auseinandergesetzt habe, weiß ich dass ich zu dieser Zeit Alkoholmißbrauch betrieben habe und nicht weit weg davon gewesen bin, in die Sucht zu verfallen.

Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)

Nach der Trunkenheitsfahrt habe ich mir sehr viele Gedanken über meinen Alkoholkonsum und meine Gesundheit gemacht. Intuitiv habe ich den ersten Monat danach komplett auf Alkohol verzichtet um mir selbst und auch meinem sozialen Umfeld (Familie, Partnerin) zu beweisen, dass ich den Alkohol nicht brauche. Meine Partnerin wollte ich natürlich auch nicht verlieren.

Ich habe angefangen, mich im Internet und in Büchern über das Thema Alkohol zu belesen. Dabei laß ich auch oft über "kontrolliertes Trinken" und fand einen solchen Umgang mit Alkohol eine gute Sache für mich. Da ich nicht gänzlich auf Alkohol verzichten wollte, habe ich mich dazu entschieden, diesen Weg zu gehen.

Das heißt für mich, ich plane im Vorfeld meine Trinkanlässe, bei denen trinke ich max. 2-3 Bier á 0,3 l oder 1 Glas Wein zur Abrundung des Abends, wenn ich mit meiner Partnerin oder Freunden am Wochenende unterwegs bin. Als Limit habe ich mir 12 Trinkanlässe pro Jahr gesetzt.

Hochprozentige Getränke wie Schnaps trinke ich seit dem 23.09.2012 überhaupt nicht mehr.

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?

Zu Silvester mit meiner Familie & Partnerin daheim, 1 Gläser Wein zum Essen als Abrundung des Abends und 1 Glas um 0 Uhr zum Anstoßen.

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?

Nein.

23. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?

In den letzten 5 Jahren nach meiner Trunkenheitsfahrt gab es bisher 4 Schlüsselmomente, die mich über meinen Alkoholkonsum nachdenken ließen und mich darin bestätigt haben, dass der jetzt eingeschlagene Weg "der Richtige" für mich ist.

- das erste Umdenken begann bereits während meines 3-tägigen Krankenhausaufenthalts nach meiner Trunkenheitsfahrt, da ich mit einer Alkoholvergiftung und Torax-Prellung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Mir wurde bewusst was ich mir gesundheitlich in den Monaten zuvor und mit der Straftat angetan habe und was durch meine Tat hätte alles noch passieren können

- ich stand unmittelbar vor der Prüfungsphase, auf die ich zielgerichtet 2 Jahre erfolgreich hingearbeitet hatte. Mein ZIel war es, diese Umschulung erfolgrech, bestmöglich zu beenden um in Anschluß einen Arbeitsplatz in einer Werbeagentur zu bekommen. Dieses Ziel durfte ich einfach nicht mehr aus den Augen verlieren

- der nächste Denkanstoß kam mit dem Tod und der Beerdigung des Vaters meines besten Freundes am 8. Januar 2014. Er starb durch den Alkohol / an Leberzerrhose

- zu guterletzt zeigten mir die praktischen Fahrstunden in den vergangenen Monaten wie wichtig es ist, im Straßenverkehr stets bei klaren Verstand zu sein um schnell die richtigen Entscheidungen treffen zu können und andere Mitmenschen / Verkehrsteilnehmer oder auch sich selbst durch rechtzeitiges Handeln nicht zu gefährden

24. Warum trinken Sie heute Alkohol / keinen Alkohol?

Ich habe mich für das "kontrollierte Trinken" entschieden, weil ich nicht gänzlich auf den Genuß von Alkohol verzichten möchte, trinke rein aus Genuß- und Geselligkeitsgründen.
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  #7  
Alt 13.01.2018, 22:30
Raumteiler Raumteiler ist offline
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25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?

Nach meiner Straftat habe ich durch die Denkanstöße angefangen mit Familie, meiner Mutter, meinem Bruder und Freunden auch über Probleme, Sorgen und Gefühle zu reden, über die mich vorher nicht getraut hatte mit ihnen zu sprechen. Das war ein Prozess, den ich erst wieder erlernen und festigen musste, Hilfe bei ihnen zu suchen, Probleme und Gefühle offen anzusprechen. Mein ganzes Umfeld hat mir dabei geholfen und mir gezeigt, dass sie mich so akzeptieren wie ich bin, auch mit meinen Narben am Kopf, die heute nunmal zu mir gehören. Auch musste ich wieder lernen "nein" zu sagen. Das war anfangs nicht leicht, denn es bedeutete auch, dass ich mich meinen Problemen stellen musste.

26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Zurückblickend ist mein Leben vor meiner Trunkenheitsfahrt mit heute nicht mehr zu vergleichen. Ich habe viel dazugelernt. Ich kann mich und mein Umfeld wesentlich realistischer einschätzen. Ich kann auch "nein" sagen und somit den Druck auf mich in ein Maß lenken, das ich auch bewältigen kann. Ich kann zu jeder Zeit klar denken, bin zielbewusster, gelassener und selbstsicherer geworden. Nach der Trunkenheitsfahrt hat mein Leben mit der Fotografie eine neue Leidenschaft / Hobby hinzugewonnen, welcher ich neben der Arbeit fast jedes Wochenende nachgehe. Vor 2 Jahren habe ich mich in einem Fitness-Studio angemeldet um wieder mehr für meine Gesundheit und auch körperliches Wohlbefinden zu tun.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?

Durch meine Trunkenheitsfahrt und den späteren Tot des Vaters meines besten Freundes durch Alkohol sind mir die Gefahren im Umgang damit bewusst geworden und haben meine Einstellung dazu grundlegend geändert. Ich habe an mir selbst die Gefahr erlebt, wie schnell ich hätte in die Sucht abrutschen können und alles aufs Spiel gesetzt habe, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte. Aber auch wie verantwortlungslos ich an dem Tag zur mir selbst als auch gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern gewesen bin und hätte durch mein Verhalten in Gefahr bringen können.

Ich habe heute keine Scheu mehr davor, mir Hilfe von außen zu holen wenn ich das Gefühl habe, dass ich etwas nicht alleine schaffen kann. Ich weiß, dass ich bei meiner Familie, Partnerin, meinem Bruder, meinen Kollegen und einigen Freunden jederzeit die nötige Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche und darum bitte.

Nach der Trunkenheitsfahrt habe ich im November 2012 die schriftliche Prüfung als auch im Februar 2013 die praktische Prüfung erfolgreich mit "sehr gut" bestanden und im Anschluß die angestrebte Anstellung in der Werbeagentur bekommen, in der ich seit dem bis heute tätig bin.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(Ja/Nein + Begründung,) -> Hintergrund der Frage ist, welche Umstände können dazu führen, dass Sie wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen würden, wie merken sie das und was tun sie dagegen? <-

Vorstellen kann ich mir das, jedoch habe ich den vergangenen Jahren auch gelernt, dass Veränderungen nie plötzlich und unverhofft eintreten. Es gibt immer Signale und Anzeichen im Vorfeld dafür. Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, was meine Risikosituationen sind und habe mir auch alternative Bewältigungsstrategien zurecht gelegt (mit der Partnerin darüber sprechen, Familie anrufen, Kollegen um Rat und Hilfe bitten, mit einer externen Therapeutin besprechen). Diese sind jederzeit für mich erreichbar.

29. Wie wollen Sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?

Als Führerschein-Anwärter und Fahranfänger bin ich mir über die Verantwortung und gesetzlichen Vorschriften bewusst, keinen Alkohol zu trinken wenn ich mich hinters Lenkrad setze, insofern heißt für mich ganz klar, wenn ich fahre - trinke ich nicht und wenn ich trinke, fahre ich nicht. Ich kläre im Vorfeld, ob ich bei Anlässen / Feiern dort übernachten werde. Wenn nicht, bleibt auch das Fahrrad von vornherein zu Hause stehen und ich plane meinen Heimweg mit den öffentlichen Vekehrsmitteln oder bestelle mir zu einem vorher festgelegten Zeitpunt ein Taxi.

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?

Nein.
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