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Alt 14.09.2014, 12:38
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Maja458 Maja458 ist offline
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Ausrufezeichen Anforderung an Abstinenznachweise Alkohol/Drogen Stand 2014

Abstinenznachweise bei Alkohol

Seit Ende 2009 werden Leberwerte nicht mehr als Abstinenznachweis akzeptiert. Zugelassen sind seitdem ausschließlich Nachweise über Urin- oder Haarproben.


Nachweiszeiten

Die Mindestdauer für den Nachweis einer Alkoholabstinenz beträgt sechs Monate. So lange soll nämlich gemäß den Vorschriften die bei der MPU nachzuweisende Änderung der Lebensweise und des Umgangs mit Alkohol sich mindestens bewährt haben.

Ein Nachweis über 6 Monate reicht nur, wenn keine Abstinenz gefordert werden muss, d.h. kein Missbrauch über einen längeren Zeitraum vorlag. (Hypothese (H3*) Siehe dazu: Klick*

Damit ist gemeint, daß bei der Begutachtung aufgrund der Deliktlage und der Trinkvorgeschichte der Gutachter/Arzt dem Probanden noch einen kontrollierten Umgang mit Alkohol zutrauen würde. Das bedeutet: keine AB gefordert werden muss (H2*).

Kommt er zu dem Ergebnis, daß eine Wiedererteilung der Fahrerlaubnis nur mit einer abstinenten Lebensweise zu erreichen ist, wird zwingend eine Abstinenz von 1 Jahr verlangt. Leider ist diese Entscheidung erst das Ergebnis des psychologischen Gesprächs innerhalb der MPU, eine verbindliche Einschätzung vorher gibt es nicht.


Nachweis der Abstinenz durch Urinproben

Es wird auf Ethylglucuronid (ETG) untersucht, ein direktes Stoffwechselprodukt des Trinkalkohols. Dies ist bis zu drei Tage im Urin nachweisbar. Bei hohem Alkoholkonsum sind auch längere Nachweiszeiten vorgekommen.

Deshalb hat eine einzelne Probe auch nur eine geringe, zeitlich sehr begrenzte Aussagekraft. Für die MPU reicht das nicht. Deshalb müssen entsprechende Verträge mit einem die Vorschriften erfüllenden Anbieter abgeschlossen werden. Es gibt Verträge über 6 Monate (4 Proben) oder 12 Monate (6 Proben). Zum Abschluss gibt es einen Abstinenznachweis über die Vertragslaufzeit. Zwischen Vertragsende und MPU dürfen in der Regel nicht mehr als 4 Wochen liegen. Es empfiehlt sich immer, dies mit dem in Frage kommenden Begutachtungsinstitut (BfF) abzuklären, da es hier in der Handhabung Unterschiede gibt.


Es finden unvorhersehbare, kurzfristige Einbestellungen statt. Die Probe wird unter Sichtkontrolle abgegeben. Wird ein Termin nicht wahrgenommen oder ist eine Probe positiv, ist das gesamte Programm beendet und wertlos. Wichtig, der Proband ist verpflichtet, jederzeit erreichbar zu sein. Aussagen, mein Handy ist kaputt, ich hab den AB nicht abgehört etc. werden nicht akzeptiert! Eine Unereichbarkeit kann als ein positives Screening gewertet werden. Abwesenheiten während der Vertragslaufzeit sind möglich, müssen aber gemäß den Vertragsbedingungen frühzeitig mit dem Anbieter abgesprochen werden. Bitte studiert hier ganz genau die Vertragsbedingungen.


Für die Kontrollen gelten strenge Vorschriften, die alle einzuhalten sind. Das untersuchende Labor muß nach ISO 17025 mit dem Zusatz "für Alkohol-Toxikologische Untersuchung" zertifiziert sein. Die gesamte Untersuchung hat gemäß CTU-Kriterien stattzufinden. Zur Probenentnahme ist seit der 3. Auflage der Beurteilungskriterien (2014), anders als oft im Internet suggeriert wird, nur noch der in § 11,2 FeV genannte Personenkreis berechtigt. Der Hausarzt scheidet seitdem in der Regel aus.

Weitere Info´s: Auszug aus den Begutachtungsleitlinien (klick)

Haaranalyse

Auch hier wird auf EtG getestet. Das Stoffwechselprodukt ist auch in den Haaren nachzuweisen. Die Nachweiszeit ist deutlich länger als im Urin. Bei der MPU wird ein Nachweis über drei Monate akzeptiert. Das entspricht gemäß den Kriterien einer Haarlänge von 3 cm. Die Probe wird am Hinterkopf direkt über der Kopfhaut entnommen. Das Haar darf nicht chemisch behandelt sein. (bei gefärbtem Haar bitte nachfragen, gebleichtes, stark blondiertes Haar wird meist nicht akzeptiert)


Bei der HA ist ein Vertragsabschluß nicht erforderlich, sie kann einzeln bei einem zugelassenen Anbieter in Auftrag gegeben werden. Ansonsten gelten aber auch hier die oben genannten Bedingungen für Entnahme und Analyse. Es ist selbst darauf zu achten, daß die HA im Abstand von einem Vierteljahr erfolgt. Der Nachweis bei der MPU muß lückenlos sein. Eine nicht lückenlose Nachweiszeit wird nicht anerkannt.

Weitere Infos dazu auf unsere Seite: Anforderung an Urinscreenings/Haaranalyse (klick)


Ein Vorteil der HA ist, daß der Nachweis für drei Monate rückwirkend erfolgt. Wer also bereits abstinent lebt, kann diese Zeit für sich nutzen und bereits hier wertvolle Zeit gewinnen. Es muß aber beachtet werden, daß EtG auch über den letzten Konsum hinaus noch eine gewisse Zeit ins Haar einwächst. Hier sollte also eine Sicherheitsabstand von ca. 1 Monat seit dem letzten Konsum berücksichtig werden. Wer die erste HA vier Monate nach dem letzten Konsum in Auftrag gibt, ist auf der sicheren Seite. Dies ist auch von der Konsumhöhe und Häufigkeit in der Vorgeschichte abhängig, mindestens jedoch (bei eher niedrigem Konsum) drei Monate plus 2-4 Wochen.

Seit der dritten Auflage der Beurteilungskriterien (2014) wird die HA auch als eine Möglichkeit, KT nachzuweisen, anerkannt. Dann muß der EtG-Wert zwischen 7 bis 25 pg/mg liegen. Alles Werte unter 7 pg/mg gilt labortechnisch als Abstinenznachweis. Bei mehr als 25 pg/mg wird von mindestens erhöhtem Konsum ausgegangen.


Drogen

Die obigen Aussagen gelten auch bei Abstinenznachweisen für Drogen. Unterschiede:

Es wird nicht auf EtG, sondern auf alle Drogen/Betäubungsmittel getestet. Wer also wegen Drogen und Alkohol zur MPU muß, muß beide Nachweise führen. Ein Test ausschließlich auf THC reicht nicht aus, da die Fragestellung zur MPU sich praktisch immer auf alle illegalen Drogen bezieht.
Bei Drogen verlängert sich die zulässige Nachweiszeit auf 6 Monate (= 6 cm Haarlänge). Längere Zeiten werden seit Mai 2014 nicht mehr akzeptiert.
Je nach Droge kann die Einwachszeit ins Haar nach dem letzten Konsum deutlich länger sein als die für Alkohol genannten 4 Wochen.

siehe auch: Auflagen Urinscreenings/Haaranalse


Quellen:
Bundesmisterium für Justiz-und Verbraucherschutz

Labor Enders


Labtoxx


DGVM- Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin e.V





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