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  #31  
Alt 11.07.2019, 11:06
Ratsucher Ratsucher ist offline
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Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)
Es war ein Geburtstag von 2 Leuten, die zusammen ihren 30. Gefeiert haben. Ich hatte nach der Nachtschicht von Freitag auf Samstag noch was gefrühstückt und bin dann gegen 14 Uhr auf den Geburtstag gefahren. Ich bin selbst mit dem Auto nachgekommen, weil die meisten schon auf der Feier waren und ich durch die Nachtschicht vom Vortag später war als die Leute, mit denen ich auf die Feier gegangen wäre.
Ich hatte dann direkt noch was gegessen vom Grill, was die anderen vorher schon erledigt hatten. Ich habe viele Leute getroffen, die ich länger nicht gesehen habe und über den Tag verteilt wären dessen Bier getrunken (0,2l Gläser). Zu später Stunde (ca. 18:00 Uhr) kam mein ehemals bester Freund zusammen mit meiner Ex-Freundin überraschend auf die Feier. Normal waren sie den Tag nicht da und ich hatte nicht mit ihrem Erscheinen gerechnet. Für mich war es immer noch schwer mit anzusehen und weil ich nicht wirklich damit umzugehen wusste haben mich ein paar Freunde zu sich geholt, um mit mir was zu trinken. Ich kann mich noch erinnern das es das ganze nicht besser gemacht hat, aber zumindest etwas „gleichgültiger“. Danach sind meine Erinnerungen weg und ich bin im Krankenhaus aufgewacht.


2. Was und wie viel haben Sie am Tattag insgesamt getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Trinkzeit)
Genau weis ich es nicht. Habe aber bei div Promillerechnern geschaut und es müssten ca. 30 Bier (0,2l) und 2 Schnaps (4cl) gewesen sein.

3. Wie viel Kilometer fuhren Sie, bis Sie aufgefallen sind und wie viel Kilometer wollten Sie insgesamt fahren?
400m, wohin die Reise gehen sollte weis ich nicht, da der Unfall an einer Stelle passierte, die nicht mein Heimweg war.

4. Hatten Sie das Gefühl, noch sicher fahren zu können?
(Ja/Nein + Begründung)
Kann mich nicht daran erinnern. Aber da mir gesagt wurde das ich schon einen schwankenden Gang hatte denke ich das ich mich nicht dazu in der Lage gefühlt habe.

5. Wie haben Sie die Trunkenheitsfahrt vermeiden wollen (wenn überhaupt)?
Ich wollte mit dem Taxi mit mehreren Freunden nachhause fahren. Das Taxi habe ich sogar bestellt den Abend wie mir im Nachhinein gesagt wurde, aber ich war nicht da als das Taxi kam und der Rest gefahren ist.

6. Haben Sie bereits früher im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss gestanden und sind aufgefallen?
Nein

7. Wie oft haben Sie alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen ohne aufzufallen und was folgern Sie daraus?
Wenn ich zurückdenke und alles mit einbeziehe inklusive Fahrrad usw. einige ca 200-mal.

Exploration

8. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Alkohol und wann haben Sie das erste Mal Alkohol zu sich genommen?
(Allererste Erinnerung und erster Konsum)
Erste Erinnerung war auf einer großen Feier bei uns in den Örtlichkeiten, wo meine Eltern mich mit hingenommen haben, da war ich Ca 12. Erster Kontakt war auf meiner Konfirmation mit 14, wo meine Eltern mir erlaubt haben ein Radler mit meinem Onkel zu Trinken.

9. Haben Sie regelmäßig Alkohol getrunken, und wie hat sich ihr Trinkverhalten in den letzten Jahren entwickelt?

(16-18)
regelmäßig am Wochenende, nur Cola-Bier

(18-21)
unregelmäßig an den Wochenenden, meist wenn Geburtstage o.ä. anstanden. Normales Bier

(21-22)
regelmäßig an den Wochenenden, hatte während meiner Techniker Zeit neue Leute kennengelernt, die jedes Wochenende in anderen Kneipen oder Discotheken waren.

(22-23)
1-2 mal am Wochenende. Hatte wieder kontakt mit meinem alten Freundeskreis, mit denen ich dann auch die Wochenenden verbrachte.

(23-27)
seltener, hatte eine neue Freundin kennengelernt die wenig mit den Wochenenden und Alkohol anfangen konnte.
(27-29)
unregelmäßig an den Wochenenden, hatte neue Leute die exzessiver getrunken haben. Und habe wieder mehr mit meinen alten Freunden gemacht.

10. Wie viel und wie oft haben Sie getrunken?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
(16-18)
2x Pro Woche
5-10 Cola Bier (0,33)

(18-21)
2-3 Mal im Monat
10 Bier (0,33)

(21-22)
2x Pro Woche
10-15 Bier (0,33) , 2-3 Schnaps (0,04)

(22-23)
~5 mal im Monat
10 Bier (0,33)

(23-27)
2-3 mal im Monat
3-6 Bier (0,33)

(27-29)
ca. 5 mal im Monat
10 - 15 Bier (0,33) 2-3 Schnaps (0,04)


11. Wo und mit wem haben Sie überwiegend getrunken?
Die meiste Zeit mit den Freunden die ich seid Jahren hatte. Aber auch mit neuen Leuten die ich kennengelernt habe. Wo: Auf Dorffesten, Diskotheken, bei Treffen mit Freunden und Geburtstagen, Hochzeiten und ähnliche Anlässe. Jedoch nie allein.

12. Warum haben Sie getrunken?
(Innere + äußere Motive; Anmerkung: o.g. Link "psychologisches Gespräch" lesen)
Ich hatte als ich Jung war (12-16) nie wirklich einen großen Freundeskreis. Ich habe eher zurückgezogen gelebt. Ich war damals sehr viel am PC-Spielen, hatte damit auch recht gut Erfolg und es machte mir Spaß. Ich hatte zu der Zeit mit meinem Team an Turnieren usw. Teilgenommen und es war halt mein Hobby. Zu der Zeit war der Bereich „E-Sport“ wie es ihn heute gibt aber sehr klein und man wurde einfach als Zocker oder Kellerkind abgestempelt bei anderen Leuten. In der 9. Klasse kamen 2 Leute bei mir in die Klasse die ca. 2 Jahre älter waren. Mit denen bin ich gut zurechtgekommen und die haben mich dann mitgenommen an Wochenenden wo ich dann auch mal Cola Bier getrunken habe. Ich habe direkt gemerkt wie ich offener und kontaktfreudiger wurde dabei. Es fing an mir zu gefallen auch mal mit den Mädels zu reden und ich hatte das Gefühl wenn ich was getrunken habe klappte es besser bei den Frauen. Zu Beginn der Ausbildung habe ich Arbeitskollegen aus der Umgebung gehabt, ein paar kannte ich noch von früher. Auch die kannten mich natürlich noch von früher. Aber eben aus der „Kellerkind“ Zeit. Im Nachhinein habe denke ich habe ich versucht aus der Betrachtung rauszukommen und habe mich versucht ihnen anzuschließen. Der Kreis hat sich Wochenends immer mit vielen Leuten getroffen und getrunken. Es fühlte sich gut an dazuzugehören. Und es fiel mir leichter mit ihnen offen zu sein, wenn ich getrunken habe. Gab es dann Tage an denen ich mal nur ein Bier trinken wollte gab es immer direkt doofe Kommentare wie „ach komm stell dich nicht so an“ „auf einem Bein steht man schlecht“ „pussy“ usw. Ein nein habe ich mich damals nicht getraut zu sagen, weil ich Angst hatte ich würde nicht mehr dazu gehören.
Und so zog es sich auch weiter. Ich mochte es dazu zu gehören. Und hatte immer Angst die Leute würden mich nicht mögen, wenn ich nichts trinke. Mein Selbstbewusstsein war auf einem sehr niedrigen Niveau. Ich habe auch dann mit den Jahren zwar an Selbstbewussten gewonnen und habe auch meine ersten Freundinnen gehabt, aber ich hatte immer das Gefühl die Leute mögen mich mehr wenn ich etwas trinke.

Das Ganze ging von Freundeskreis zu Freundeskreis. Ich hatte dann aber mit 23 eine Frau kennengelernt, die mit dem all dem nicht viel anfangen konnte und eher Zeit mit ihrer Familie verbracht hatte und ruhige Abende lieber als Aufbrausende Partys genoss. Sie war damals erst 18 und als sie älter wurde, wurde auch ihr Interesse an Feiern und anderen Leuten größer. Ich hatte dann das Gefühl, dass sie anderen die mehr getrunken haben und die mehr am „Feiern“ waren mehr Interesse als mir geschenkt hat. So hatte ich dann auch immer mal wieder getrunken, was allerdings meist nur darin endete das es mir noch elender ging als zu der Zeit eh so schon. Ich hatte dann mit extremer Eifersucht zu kämpfen.
Ich wollte schon seid längerem Zuhause ausziehen. Einfach weil ich dachte mit dem Alter kann man langsam mal auf eigenen Beinen stehen. Also habe ich ein Haus gekauft, es ca. 1 Jahr renoviert und fertig gemacht. Durch die ganze Arbeit am Haus und meine immer größer werden Eifersucht kam dann die Trennung. Die Trennung, das Haus, die ganze Situation war viel für mich und ich habe halt bei meinem Freundeskreis gesucht. Haben uns an den Wochenenden getroffen und wieder was getrunken wie früher. Was mir gefühlt auch „guttat“ jetzt weis ich es waren die Freunde nicht der Alkohol.
2 Monate später bekam meine Oma einen Schlaganfall und wurde Pflegebedürftig. Meine Ex-Freundin ist mit meinem damals besten Freund zusammengekommen, Meine 2. Oma fing an Dement zu werden. Meine Mum konnte nicht mehr laufen durch ihre Knie und mein Dad musste durch seine Selbstständigkeit und Pflege seiner Mum ein hohes Penusm aufrechterhalten. Ich war nicht so stark zu der Zeit und habe mich in Arbeit gestürzt und die Wochenenden mit Arbeitskollegen und Freunden irgendwo verbracht, wo nicht zuhause ist. Hauptsache ich war abgelenkt. Und da hatte ich das Gefühl, dass mir der Alkohol hilft, diese Gefühlswelt zu bändigen.

13. Welche Wirkung haben Sie in der Vergangenheit nach Alkoholgenuss bei sich beobachtet?
(bei wenig und bei viel Alkohol)
Bei wenig: Enthemmung, Stimmungshebend
Bei viel: Müdigkeit, Übelkeit, Stimmungsschwankungen

14. Gab es kritische Hinweise Anderer auf Ihren Alkoholkonsum und wie haben Sie darauf reagiert?

Nein

15. Welche Auswirkungen und Folgen hatte Ihr Alkoholkonsum auf Ihr Leben und Ihr Umfeld?
Im Nachhinein betrachtet denke ich das ich mir viel bei Beziehungen verspielt habe da ich jemand sein wollte der ich nicht bin. Zudem hatte ich die Sonntage nach den Feiern keine Lust irgendwas zu machen.

16. Gab es in Ihrem bisherigen Leben frühere Zeiten, in denen sie weit mehr Alkohol als heute getrunken haben?
Wenn ja, nennen sie bitte die Lebensabschnitte und mögliche Ursachen und Umstände dafür.

Ich Trinke keinen Alkohol mehr
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  #32  
Alt 11.07.2019, 11:10
Ratsucher Ratsucher ist offline
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17. Haben sie jemals die Kontrolle über ihre Trinkmenge verloren und bis zur Volltrunkenheit Alkohol konsumiert?

Nein die Kontrolle habe ich nicht verloren. Wenn ich volltrunken war, dann tatsächlich mit Ansage.

18. Haben Sie früher schon einmal oder öfter über einen längeren Zeitraum bewusst und mit Absicht völlig auf den Genuss von Alkohol verzichtet?
Nein

19. In welcher Kategorie von Trinker haben sie sich früher gesehen und wie stufen Sie sich heute rückblickend ein?
(mit Begründung)
Früher als Gesellschaftstrinker, heute denke ich das ich den Alkohol benutzt habe um meine Stimmung zu ändern.

Heute und in Zukunft

20. Trinken Sie heute Alkohol? Wenn ja, was, wie viel und wie oft?
(Genaue Angaben in Sorte, Menge, Häufigkeit)
Nein

21. Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?
15.08.18

22. Trinken sie gelegentlich alkoholfreies Bier?
Nein

23. Warum trinken Sie heute Alkohol/keinen Alkohol?
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht wie die Zukunft aussehen soll. Habe mich viel informiert über Alkohol und dessen Auswirkungen. Der für mich sinnvolle Schluss daraus war der tatsächliche Schluss. Mir geht es besser so.
24. Warum haben Sie das Trinken reduziert bzw. aufgegeben und warum nicht schon eher?
Ich habe mir bis zu dem Unfall nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Es gehörte einfach genauso zu meinem Leben wie alles andere auch. Erst nach dem Unfall habe ich angefangen wirklich zu hinterfragen wieso ich eigentlich trinke.

25. Wie haben Sie die Änderung Ihres Trinkverhaltens erreicht und dabei die Umstellungsphase erlebt?
Am Anfang saß der Schock noch tief. In der Phase habe ich nicht wirklich daran gedacht etwas zu trinken. Als sich der Schock gelegt hatte und ich für mich wusste, dass ich die Abstinenz beibehalten will gab es aber schon Situationen wo es ungewohnt und komisch war. Ich war beispielsweise auf eine Hochzeit von einem Arbeitskollegen eingeladen und bis auf ihn und seine Frau wussten die Gäste nichts von meiner Geschichte und meinem Entschluss. Nach dem 4. Oder 5. Wasser was ich mir an der Theke geholt hatte meinte dann schon der Barkeeper „ah Fahrer, oder?“. Als ich ihm dann sagte das ich nicht fahre aber trotzdem gerne nur ein Wasser möchte, überraschte mich die Aussage von ihm: „Dann trinken sie doch was, das ist ja fast unhöflich dem Brautpaar gegenüber.“
Irgendwie hat mich die Aussage kurz sprachlos gemacht und ich musste echt kurz schlucken. Auch im weiteren Verlauf sind die Leute mit Tablaren mit Schnaps rumgelaufen und haben immer mit dem Brautpaar angestoßen. Und ich hatte das Gefühl mich würde jeder beobachten wie ich ablehne und mein Wasser trinke.
Am Ende musste ich aber feststellen, dass die Hälfte der Hochzeitsgäste schon so betrunken war das man Tanzen nicht mehr Tanzen nennen konnte und reden nicht mehr reden. Und je später es wurde desto bedrückter und „fertiger“ sahen die Leute aus, die tranken und ich war noch so fit wie zu beginn. So war ich dann auch einer der letzten auf der Tanzfläche und auf der Hochzeit. Und es war irgendwie ein großartiges Gefühl, trotz der ganzen Sprüche zu sich gestanden zu haben und mindestens den gleiche, wenn nicht mehr spaß zu haben als die die vorher meinten man könne nicht auf einer Hochzeit nichts trinken.
Am schwersten ist es mir in der Umstellungsphase gefallen jedem die Hintergründe zu erzählen. Bei manchen merkte man direkt wie es zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus ging. So kam es schon vor das tatsächlich Leute eine halbe Stunde nach dem Gespräch zu mir kamen und gefragt haben ob ich nicht mit ihnen was trinken wolle.
Andere hingegen waren begeistert von mir und meiner Entscheidung. Ihnen merkte man aber auch von der ersten Minute an, dass sie das ganze wirklich interessiert und sie zuhören.
Auch bei meinem engen Freundeskreis gab es schwierige Situationen, aus denen ich gelernt habe. Ich hatte anfangs noch viel „gejammert“, dass ich schon manchmal Lust hätte einfach mit meinen Kumpels wegzugehen und was zu Trinken.
Es gab dann allerdings einen Moment wo es gefühlt irgendwie „klick“ gemacht hat bei mir. Ich hatte mich mit einem Arbeitskollegen unterhalten, mit dem ich auch so viel auf der Arbeit geredet habe und den ich definitiv schon länger eher als Freund sehe und nicht bloß als Kollegen. Bei ihm habe ich mich dann über die Situation beschwert und habe ihm gesagt das mich das teilweise schon echt nervt das ich an den Abenden wo meine Freunde unterwegs sind und trinken nichts trinken kann und dass es sich komisch anfühlt, wenn man dabei ist. Er hat mich dann an ein Gespräch erinnert was wir ein Paar Monate vor der TF schon geführt hatten. Ich hatte mich damals darüber beschwert, dass es mir auf die nerven ginge, dass die meiste Zeit, wenn ich Wochenends mit meinen Freunden unterwegs war, die Abende immer gleich abliefen. Es wurde nicht überlegt was man macht, sondern nur wo. Der Standard Spruch war eigentlich immer „Wo trinken wir heute?“. Die Abende konnte man irgendwann schon auf einem Zettel vorschreiben (ja ich hatte das wirklich mal gemacht.). Es war klar wer Pünktlich war, wer vorher schon was getrunken hatte, wer den Abend mit wem redet usw. Die Gruppe von Leuten war immer kleiner geworden und die Gestaltung der Freizeit immer einseitiger. Neue Leute kennenlernen? Fehlanzeige!
Ich hatte damals schon über die Situation gemeckert, mich aber nie getraut „auszusteigen“. Es war ein sicheres Gefühl und ich wusste ja ich war willkommen. Ich hatte einfach Angst vor einer unbekannten Zukunft. Zu unrecht, wie ich mittlerweile weis.
Ich sehe die Leute auch heute noch, und wir verstehen uns auch nach wie vor. Aber ich weis heute einfach das ich nicht mehr jedes Wochenende nur mit den gleichen Leuten wieder was trinken will. Ich genieße es mittlerweile jedes Wochenende so zu gestalten wie ich es für gut empfinde. Ich treffe mich mit den Leuten auf die ich Lust habe, gehe zu Veranstaltungen die mich ansprechen. Ich genieße auch Wochenenden für mich allein. Ich habe mich in mein Haus „eingelebt“ und verbringe gerne Zeit dort, ich treffe mich mit Leuten zum Radfahren. Ich gehe genauso auf große Veranstaltungen wie vorher genieße sie aber viel intensiver als zuvor. Ganz zu schweigen von den Sonntagen die ich mit Leben füllen kann, anstatt mit Couch und Kater.
Meine Oma ist Letzens gestorben und ich habe viel Zeit zusammen mit meiner Familie und ihr verbracht bevor sie gestorben ist. Früher hätte ich mich die Wochenenden lieber mit Freunden irgendwo hingesetzt und getrunken um den Gedanken an ihren Tod zu verdrängen. Ich bin unfassbar froh noch soviel zeit mit der Frau verbracht zu haben und auch im Nachhinein die Kraft aufgebracht zu haben, meinen Eltern in der schweren Zeit zur Seite zu stehen.

26. Wie wirkt sich Ihr geändertes Verhalten auf Sie, Ihr Leben und Ihr Umfeld aus?

Ich bin zurückgekehrt zu alten Hobbys und Leidenschaften. Ich treibe wieder regelmäßig Sport, fahre Fahrrad, hab sogar schon einen Gutschein über einen Fallschirmsprung besorgt, um endlich noch einen Traum abhaken zu können. Ich fotografiere wieder, was ich eine lange zeit einfach nicht mehr gemacht habe, weil ich die Sonntage keine Motivation dazu gefunden habe.
Mein Umfeld hat bis auf wenige Ausnahmen immer vollends hinter mir gestanden und tut es heute mehr denn je. Diejenigen die meine Entscheidung einfach nicht nachvollziehen können sind diejenigen, die vorher schon dafür gesorgt haben, dass ich die Wochenenden eher als Frust beschrieben habe, anstatt als Freude. Wenn ich die Leute sehe ist es ok, ich würde nie jemanden verachten nur weil er eine andere Sicht auf die dinge hat als ich. Aber wir haben keinen direkten Kontakt mehr miteinander. Das war anfangs nicht leicht, aber mittlerweile fühlt es sich sehr gut an, hinter seiner Entscheidung zu stehen.

27. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr neues Verhalten dauerhaft stabil bleibt?
Ich habe es gelernt mit Menschen die mir nahe stehen über die Dinge zu reden, die mich belasten. Von dem Umfeld in dem ich die großen Mengen getrunken habe, habe ich mich zurückgezogen und verbringe jetzt Zeit mit Leuten bei denen die Unternehmung selbst im Vordergrund steht und nicht die Promillezahl in der sie unternommen wird.

28. Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alten Gewohnheiten zurückzufallen?
(Ja/Nein + Begründung,)

Vorstellen kann ich mir das schon, dass man in alte Muster zurückfällt. Aber ich habe gelernt sofort über Sachen zu reden die mich beschäftigen. Ich habe Freunde, die ich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann, wenn mich was belastet. Genauso wie meine Eltern die immer für mich da sind.
Ich habe gelernt gegen Gedankenspiralen, die ins Negative abgleiten, gegenzusteuern. So habe ich viele Techniken und Leute die mir sobald Zweifel entstehen, helfen wieder auf meinen Weg zurück zu finden.

29. Wie wollen sie in Zukunft das Trinken vom Fahren trennen?
Ich trinke keinen Alkohol mehr

30. Haben Sie zum Abschluss noch etwas hinzuzufügen?
Nein
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  #33  
Alt 11.07.2019, 14:13
Davids Davids ist offline
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Ich hab nicht viel Zeit, da ich morgen in den Urlaub fliege.
Nur ein paar kurze Anmerkungen:

-Deine Trinkhistorie musst du noch etwas nach oben korrigieren. Du hast am Tag der TF 30 x 0,2 L Bier getrunken, das sind sechs Liter Bier! Zuzüglich der Schnäpse.
Diese Menge musst du in der Vergangenheit des öfteren oder vielleicht auch über einen gewissen Zeitraum schon mal getrunken haben und deinem Körper somit eine gewisse Giftfestigkeit antrainiert haben. Sonst hättest du dich am Tag der TF übergeben, wärst hingefallen o.ä. Überleg nochmal und push deine Trinkmengen der Vergangenheit nach oben.

-Bei der 12 nennst du verschiedene Motive, was schwierig ist einen roten Faden in deinen FB zu bringen.
Bei deinem Freundeskreis war es zunächst Angst, nicht dazu zu gehören.
Dann kam später vieles auf einmal. Hauskauf, Trennung von der Partnerin, Oma 1 Schlaganfall, Oma 2 dement, Mutter Knieprobleme und du hast getrunken um deine Gefühlswelt zu bändigen. Hier musst du in die Tiefe. Was waren denn deine Gefühle? Was hat all das in dir ausgelöst, so dass du getrunken hast um dies zu unterdrücken? Was genau hatte dann der Freundeskreis wieder für eine Rolle?

-Die 27 ist leider gar nichts. Hier musst du ausführlichst raushauen und den GA überzeugen. Immerhin musst du ihm glaubhaft vermitteln, nicht nochmals betrunken zu fahren. Hier gilt es die Zweifel an deiner Fahreignung auszuräumen. Die 12 und 25-27 müssen letztlich Sinn und den von mir genannten roten Faden ergeben.

Es kümmert sich aber sicherlich noch jemand ausführlicher um deinen FB.
Du hast dir Mühe gegeben und ich finde ihn nicht so schlecht, aber hier und da musst du tiefer gehen und bei der 27 geht’s eben um deine Zukunft, um das „warum passiert es nicht nochmal“.

Liebe Grüße
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  #34  
Alt 12.07.2019, 00:17
Ratsucher Ratsucher ist offline
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Zitat:
Zitat von Davids Beitrag anzeigen
-Deine Trinkhistorie musst du noch etwas nach oben korrigieren. Du hast am Tag der TF 30 x 0,2 L Bier getrunken, das sind sechs Liter Bier! Zuzüglich der Schnäpse.
Diese Menge musst du in der Vergangenheit des öfteren oder vielleicht auch über einen gewissen Zeitraum schon mal getrunken haben und deinem Körper somit eine gewisse Giftfestigkeit antrainiert haben. Sonst hättest du dich am Tag der TF übergeben, wärst hingefallen o.ä. Überleg nochmal und push deine Trinkmengen der Vergangenheit nach oben.
Hier kommt wieder das von mir schon ein paar mal erwähnte Problem mit der Trinkmenge..
Die Angaben bei Frage 10 sind wirklich wahr. Teilweise sogar schon ein wenig frisiert. Klar gab es auch da Ausreißer / Trinkspitzen. So habe ich z.B. auf Festivals oder beim Zelten an langen Wochenenden (1. Mai/Pfingsten) auch gewiss mal mehr Getrunken. So gab es bei den Festivals auch mal eine Flasche Sauren oder so den man sich mit einigen Leuten geteilt hat.

Aber bei meiner Berechnung spielt ja auch die Zeit eine Rolle. Von 14:00 Uhr bis 03:00 Uhr sind ja 13 Std. in denen ich getrunken habe. Das war auch der erste Geburtstag der Art den ich mitgemacht habe. Und wenn ich zurückdenke habe ich zu beginn vom Geburtstag sogar öfters mal anstatt ein Bier ein Wasser geholt und getrunken, weil es an dem Tag sehr heiß war.
Das ich dann wirklich angefangen habe mehr zu trinken war gegen Abend. Angefangen damit das ich unerwartet auf meine ex getroffen bin. Und dann ging es auch recht schlagartig. (ja ich weiß, Sturztrunk ist auch ein no go. Will aber ehrlich sein)

Und wenn ich nachreche komme ich bei 13 Std und 6400ml Bier auf ca. 1 Bier in der Std (0,5). Das würde ich auch so als meinen normalen Konsum ansehen den ich Wochenends hatte wenn ich mit Leuten unterwegs war.
Normal bin ich so um 20 Uhr zu den Veranstaltungen und immer so gegen 2 - 3 Uhr nachhause. Dann bin ich bei den 10 - 12 Bier 0,33 oder 6 - 7 Bier 0,5. Und da war ich dann schon echt "gut dabei".

Ich weis das ich mich nicht in Details verstricken soll, aber ich habe schon ein paar mal gelesen, dass man schon dabei durchfallen kann, wenn einem der Gutachter die Trinkmengenangaben nicht abnimmt und denkt man würde ihn belügen.

Zitat:
Zitat von Davids Beitrag anzeigen
-Bei der 12 nennst du verschiedene Motive, was schwierig ist einen roten Faden in deinen FB zu bringen.
Bei deinem Freundeskreis war es zunächst Angst, nicht dazu zu gehören.
Dann kam später vieles auf einmal. Hauskauf, Trennung von der Partnerin, Oma 1 Schlaganfall, Oma 2 dement, Mutter Knieprobleme und du hast getrunken um deine Gefühlswelt zu bändigen. Hier musst du in die Tiefe. Was waren denn deine Gefühle? Was hat all das in dir ausgelöst, so dass du getrunken hast um dies zu unterdrücken? Was genau hatte dann der Freundeskreis wieder für eine Rolle?

-Die 27 ist leider gar nichts. Hier musst du ausführlichst raushauen und den GA überzeugen. Immerhin musst du ihm glaubhaft vermitteln, nicht nochmals betrunken zu fahren. Hier gilt es die Zweifel an deiner Fahreignung auszuräumen. Die 12 und 25-27 müssen letztlich Sinn und den von mir genannten roten Faden ergeben.
Das habe ich mir schon Gedacht, dass da noch Mängel im Roten Faden bestehen. Wenn ich schon Probleme habe mir das selbst richtig zu erklären kann ich nachvollziehen, dass es bei euch gar nicht ankommt. Ich gebe mir mühe und arbeite da nochmal dran!

Und natürlich lieben dank dir, dass du dir die Zeit genommen hast
Schönen Urlaub wünsche ich dir! @Davids
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  #35  
Alt 12.07.2019, 11:14
Ratsucher Ratsucher ist offline
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Vielleicht findet ja jemand Zeit, ist recht lang.

Ich versuche mal dem ganzen von Frage 12 / 25 – 27 einen geordneten Rahmen zu geben, wo ich hoffe, dass ihr mir vielleicht unter die Arme greifen könnt, wie ich das rüber bringen soll.
Ich habe mir ja jetzt seit fast 11 Monaten Gedanken gemacht über die Beweggründe gemacht. Ich hatte schon zu jungen Jahren immer das Gefühl, ich müsste entsprechende Leistung bringen, um Anerkennung zu bekommen. Mein Vater war überall bekannt für seinen Ehrgeiz, wie schon sein Vater, und mein Bruder war genauso engagiert wie die Beiden. Ich bin da immer ein bisschen aus der Reihe gefallen. Anstatt das Abitur zu machen, zu Studieren und einen 12 Std Arbeitstag anzustreben hat mir Beispielsweise das spielen von Online Games sehr zugesagt. Ich wusste wie man Anerkennung in der Szene erlangt: Mit Leistung. Ich habe also stundenlang am Tag trainiert und war dann irgendwann auch dementsprechend oben mit dabei. Das Gefühl die Anerkennung zu bekommen für meine Leistung war natürlich genial. Sogar in der Schule gab es einige Leute, die kannten meine Leistung in dem Bereich und haben mich dafür verehrt und gefeiert.
Irgendwann kam dann aber die Zeit (so um die 16 rum) als die meisten gleichaltrigen ganz anderen Zielen entgegen gingen. Die Leute sind auf Partys, haben sich nach der Schule irgendwo mit Mädels getroffen, haben mit Fitness angefangen usw. Und auch bei mir fing es an das ich geahnt habe, dass das nicht die Zukunft sein kann. So habe ich dann angefangen auch mal in die „reale“ Welt zu schnuppern. Allerdings musste ich feststellen, dass ich in dieser Welt absolut nicht trainiert war und die Leute einen nicht verehrt, sondern verachtet haben, wenn man ihnen von den Erfolgen in der Onlinewelt erzählt hat. Ich kam mir dann recht schnell sehr klein vor unter den Leuten. Nachdem ich dann mal mit Leuten was trinken gegangen bin merkte ich wie Alkohol hilft vermeintliche Größe in sich selbst zu finden. Ich wurde offener, selbstbewusster und die anderen gaben mir wieder das Gefühl, dass ich von damals kannte.
So zog sich das dann eine sehr lange Zeit, bis es irgendwann gar keine Frage mehr war was man tat. Eben nur wo und mit wem. Und wie Krüger mal geschrieben hat in seinem Kommentar, ja man vergisst nach 10 -15 Jahren wirklich den Grund warum man überhaupt mal angefangen hat mit dem Trinken.
Das was immer blieb war das Gefühl: Du musst besser sein, um die Anerkennung zu verdienen.
Und das habe ich dann auch in allem versucht. Und hat es, wie ich dachte, nicht funktioniert, habe ich mir wieder die Stärke angetrunken, um zumindest in der Gegenwart anderer zu vergessen, dass eben nicht alles perfekt war.
Ich habe dann einen wahnsinnigen Perfektionismus entwickelt. Alles musste immer perfekt sein, bevor es „Fertig“ war. Was natürlich nie eintrat. Denn was ist dieses Perfekt überhaupt?
So wollte ich dann den besten Abschluss haben beim Techniker, wollte der perfekte Rhetoriker sein bei der Präsentation, die Beste Projektarbeit usw. Tatsächlich habe ich mich dann auch eingesetzt dafür. So war mein Techniker Abschluss gut, meine Präsi sehr gut, meine Projektarbeit hat dem Unternehmen mehrere Millionen gespart im Jahr und tut es heute noch. Aber war ich damit zufrieden? Nein es war ja nicht perfekt. Beim Hausbau habe ich 6m Decken mit dem Laser auf 1mm ausgerichtet, aber sie waren schief. Wände 6 mal verspachtelt mit Schräglicht, aber die waren Buckelig. Mich selbst in Topform gebracht, aber ich hatte noch ein wenig Speck am Linken Ohrläppchen. Und nie hatte ich von mir selbst, dass Gefühl genug zu sein.
Daher kam dann auch die Eifersucht. Ich hatte die Frau, die alle wollten. Konnte aber nie verstehen warum ich ausgewählt wurde. Ich war doch nicht gut genug dafür. Das ich im Endeffekt dann alles dafür gegeben habe um mir eine selbsterfüllende Prophezeiung zu schaffen hatte ich zu der Zeit nie gewusst.

Warum die 27 noch so vage ist, kann ich auch erklären. Ich arbeite an mir und mache wirklich gute Fortschritte. Ich weiß das mir der Alkohol damals an den Wochenenden und unter den Leuten das Gefühl gegeben hat, es würde doch reichen. In den Momenten konnte ich der starke, selbstbewusste „Perfekte“ Mann sein der ich wollte. Konnte meine Meinung vertreten, meinen Standpunkt klarmachen und mit Erfolgen glänzen die ich normal als eine Kleinigkeit abgetan hätte.
Ich bin aber auch am lernen Fehler zuzulassen, weiß dass es kein Perfekt gibt, und das Leute mich auch mögen, wenn ich nichts getrunken habe. Es war halt ich selbst der sich nicht gemocht hat, wenn er nichts getrunken hat. Nicht die anderen. Ich bin auf einem echt guten weg. Aber nach über 15 Jahren ist es schwer Leuten glaubhaft zu machen, dass man jetzt alles schon hinter sich hat. Ich habe tatsächlich auch in der Zeit jetzt mal Professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Bei einem ehemaligen Prof der jetzt auf selbstständiger Basis arbeitet. Aber ich bin ein wissbegieriger Mensch und habe die Bücher von Schulz von Thun und Co. Schon gelesen bevor er sie in der nächsten Stunde durchgehen und anwenden konnte.
Aber habe ich was gelernt? Ja definitiv. Ich kann mit Metaphern viel anfangen. Und mir die auch sehr gut merken. Also ich habe da wirklich viel mitgenommen. Aber ich habe immernoch Panik, dass ich dem GA nicht sagen kann: Ja ich bin schon fertig mit mir. Denn es wäre gelogen.
Das was ich tue, tue ich ja für mich. Und nicht für den Gutachter (ja klingt doof vllt.) Mich nimmt der Verlust vom FS auch nicht so richtig mit, da ich mich damit ganz gut eingelebt habe. Aber natürlich möchte ich, dass das ganze ein Ende findet. Ich weiß aber auch, dass ich den GA nicht anlügen kann.
Nur wie soll er mir ein Positiv geben, wenn ich ihm nicht weiß machen kann, dass ich mein Komplettes leben in 13 Monaten umkremple?
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  #36  
Alt 15.07.2019, 09:37
Krüger Krüger ist offline
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Na das sieht mir nach einer sauberen Aufarbeitung aus!

Für mich klingt das plausibel und ehrlich. Und damit hast du auch deinen roten Faden, da sich dein Ehrgeiz von Kindesalter bis heute durchzieht.

Mit der Frage 27 gehst du meiner Meinung zu hart mit dir um. Es ist ganz gewiss nicht so, dass du dich zum Zeitpunkt der mpu vollständig geändert hast und instinktiv dein AB oder KT durchführst. Es gibt genug Gelegenheiten und Situationen, in denen du wieder schwach werden könntest.
Aber: du kennst deine Gründe für den Konsum und hast "wirklich gute Fortschritte" gemacht. Wenn dir diese Fortschritte helfen, dass du nicht mehr auf einen ‰-Wert kommst, in dem du unüberlegt handelst - hast du ein positives GA.

Nun sag mal, kannst du inzwischen ohne Alkohol deine Meinung vertreten, deinen Standpunkt klarmachen oder von Erfolgen erzählen, die dir vielleicht etwas zu klein vorkommen? Klappt das mit deinem neuen Bekannten-/Freundeskreis noch?
__________________
Gruß, Krüger
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  #37  
Alt 18.07.2019, 13:41
Ratsucher Ratsucher ist offline
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Danke für die Antwort Krüger, und das du dir die Zeit genommen hast das alles zu lesen!

Ich schätze ich weiß im Endeffekt das es für die MPU ausreichen wird wenn ich dem Gutachter das alles so erklären kann. Ich hoffe auch, dass ich das alles so an dem Stichtag hinbekomme.

Und ich weiß hier sind viele Leute die sich seid Jahren mit dem Thema befassen und nur gute Ratschläge geben können, wenn die Gegenseite (Ich) auch ehrlich und mit entsprechendem Willen dabei helfen.
Deshalb möchte ich jetzt auch auf deine Frage wieder so ehrlich antworten, wie ich kann.

Zitat:
Nun sag mal, kannst du inzwischen ohne Alkohol deine Meinung vertreten, deinen Standpunkt klarmachen oder von Erfolgen erzählen, die dir vielleicht etwas zu klein vorkommen? Klappt das mit deinem neuen Bekannten-/Freundeskreis noch?
[Ich benutze das Wort jetzt extra, Sorry Alana, sorry Krüger ]

Eigentlich Ja. Aber...

Das viel größere Problem sehe ich um ehrlich zu sein in meinem Standpunkt gegenüber der Abstinenz, mit welcher ich die MPU bestehen möchte.

Und da möchte ich etwas aufgreifen, was ich in einem anderen Thread von @Alana gelesen habe.
Ich habe das Zitat gerade nicht parat. Aber sinngemäß verstanden habe ich es wie folgt: Nicht die Zeit ist es die das Risiko erhöht, dass man bei einer Abstinenz rückfällig wird. Das Risiko besteht so lange, biss man sagen kann: Das neue Leben ohne Alkohol ist so viel besser als das Leben mit Alkohol, dass ich die Möglichkeit für mich ausschließe je wieder dieses alte leben haben zu wollen.

Es ist vielleicht nicht in einer so tollen Form geschrieben, dass man es in den Prolog eines Buches stellen sollte. Aber es hat mich so angesprochen, dass ich es mir Merken konnte und es so unterschreiben würde.

Und da habe ich mir dann die Frage gestellt, ist mein leben jetzt wirklich so viel besser?

Ich habe jetzt schon viele Sachen gelernt durch den Vorfall, habe mich mit Dingen beschäftigt, mit denen ich mich sonst vielleicht nie auseinander gesetzt hätte. Ich weiß jetzt über die Wirkung des Gifts Alkohol. Ich sehe heute Leute, die sich damit rühmen eine Kiste Bier zu vertragen und trotzdem noch fit sind, mit ganz anderen Augen als vorher.
Ich habe mich selbst erwischt, wie ich versucht habe bei Leuten "Moralapostel" zu spielen.
Vor ein paar Wochen haben sich Freitags nach der Mittagschicht ein Paar Kollegen getroffen um an einer Raststätte noch ein Feierabend Bier zu trinken. Meine Mitfahrgelegenheit war mit dabei. War das erste und einzige mal in der gesamten Zeit, aber für mich irgendwie ein einprägsames Erlebnis.

Ich hatte vorher schon angedeutet, dass ich das irgendwie doof fände. Hab mich aber zurückgehalten. Als wir dann da waren konnte ich es mir irgendwie dann doch nicht verkneifen was zu sagen. Was genau ich gesagt habe weiß ich nicht mehr, wohl aber was in Richtung: Ihr müsst alle noch heim fahren, könnt ihr nicht wenigstens warten bis ihr daheim seid?

Was mir aber vollkommen im Gedächtnis blieb, sind die Reaktionen.
Angefangen von "willst du mich verarschen" zu "du hast doch en Donner" bis zu "geht dich jawohl en scheißdreck an was ich mache" war alles dabei.

Und die Reaktionen bekomme ich durchweg. Nicht in dem Ausmaß. Aber immer so ähnlich.

Ich bin U30, nicht verheiratet, keine Kinder und wohne sehr ländlich. Die Anzahl ca. gleichaltriger in einem Umkreis von 20km lässt sich in einem Linienbus unterbringen.
Das Sportangebot begrenzt sich auf wirklich wenige Arten, und alle bis auf den Schachclub mit 15 Mitgliedern haben das Ritual nach dem Sport sitzen zu bleiben und noch was zu Trinken. Auf Dorffesten wird nicht gefragt ob man mitkommen möchte en Kaffee trinken... kann man sich wohl vorstellen.

Egal welche Gruppe von Leuten man hier trifft, die Radfahrergruppe, die Fussballtruppe, die Handballtruppe, Die Geschäftsleute, die Selstständigen usw, alle Treffen sich auch mal Wochenends um mit den Freunden ein Bier zu trinken. Der Nachbar lädt Samstags ein auf ein Bier rüberzukommen.. Ich denke ihr wisst was ich meine.

In den meisten fällen, wenn man Berichtet mit 29 auf dem Dorf nichts zu trinken wird man belächelt oder bemitleidet. Beides keine Sachen die man sich wünscht. Selbst meine Eltern, die wirklich beide Garnichts mit Alkohol anfangen können, selbst aber wie gesagt mal zu Geburtstagen, Silvester, Weihnachten usw. einen Wein oder mal ein Weizen trinken, sehen mich an als hätte ich eine schwere Krankheit die mir verbietet etwas zu tuen.

Und um zum Kernpunkt zu kommen. Geht es mir jetzt so viel besser, dass ich mir niemals wieder vorstellen könnte zurück in mein altes Leben zu gehen?
Hm.. Nein..

Aber habe ich viel gelernt durch die ganze Sache? Oh ja! Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut wenn ich ein Bild von dem Auto sehe und mir nur ansatzweise vorstelle was hätte passieren können. Gestern erst ist einer mit exakt der gleichen Geschwindigkeit, bei einem Unfall wie bei mir, gegen einen Baum gefahren und dabei verstorben.
Ich habe das unfassbare Glück noch laufen und atmen zu können. Ich habe also meinen Teil mitgenommen.

Nur ich weiß nicht wie ich lebenslang Abstinent sein soll, wenn ich einfach keine so tollen Erfahrungen mache, wie manch anderer hier. Und will ich wirklich jetzt sagen, dass ich mein Leben lang nie wieder einen Schluck trinke?

Bei meiner Hochzeit mit meiner Frau anstoßen? Beim Geburtstag meiner Eltern mal ein Glas Wein? Mit meinem Besten Freund mal einen Samstag grillen und eine Flasche Bier trinken? Oder muss ich bei all dem wieder Blicke ertragen, die sich anfühlen als wäre man unheilbar krank... oder geistesgestört.. oder beides..?

LG
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  #38  
Alt 18.07.2019, 16:16
Ratsucher Ratsucher ist offline
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Mir fällt gerade nochmal selbst auf, dass ich immer elendig lange Texte schreibe, wo es vielen beim Anblick wahrscheinlich schon die Lust die nimmt weiter zu lesen

Ich versuche definitiv mich in der nächsten Zeit etwas kürzer zu fassen und es mehr auf den Punkt zu bringen. So bleibt es auch übersichtlicher.

LG Ratsucher
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  #39  
Alt 18.07.2019, 16:45
kapomick kapomick ist gerade online
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Also zum einen: du schreibst deine Texte immer schön mit Absätzen und übersichtlich, die lassen sich gut lesen. Und es ist wichtig, dass du rauslässt, was in dir drin ist.

Darüber hinaus kann ich dich nur zu gut verstehen. Du bist einfach nicht so weit, für dich AB als positiv an- und wahrzunehmen. Das sag ich völlig wertungsfrei. Vielleicht ist für dich wirklich KT der bessere Weg. Das musst du für dich selbst klar bekommen, vielleicht mit Unterstützung der SB oder anderer Möglichkeiten. Alkohol ist bei uns selbstverständlich und man wird oft etwas komisch angeschaut, wenn man nichts trinkt. Andererseits gibt es auch immer mehr alkoholfreies Bier oder anderes, man kann also, wenn man will, ausweichen. (Auch wenn man das mit dem alkoholfreien Bier bei der MPU besser nicht erwähnt) Darüber hinaus bleibt es letztlich dir überlassen, wenn du mit AB zur MPU gehst, was du danach tust. Solang du Trinken und Fahren trennen kannst, wird dich zumindest amtlich niemand mehr fragen. Aber zunächst mal solltest du für dich eine klare Linie finden.
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  #40  
Alt 18.07.2019, 17:22
Ratsucher Ratsucher ist offline
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Registriert seit: 25.08.2018
Beiträge: 24
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Dann bin ich ja etwas beruhigt was meine Texte betrifft.

Was mir auffällt ist, dass ich wo ich noch was trinken "durfte" wirklich gar keine Probleme damit hatte einen Abend irgendwo mal nichts zu trinken.

Ich wurde auch nicht schief angeguckt oder habe einen doofen Spruch bekommen. Mit einem einfachen: ich fahr heute, muss morgen nochmal Arbeiten, war das ganze erledigt und keiner hat mehr nachgefragt.

Aber um das vorweg zu nehmen. Ja es gab auch die Abende wo ich 2 Bier getrunken habe und dann noch gefahren bin. Kann man sich ja vorstellen, sonst wäre ich wohl jetzt nicht hier.

Und das über einen langen Zeitraum. Ich sage auch offen und ehrlich, dass ich mir nie Gedanken darum gemacht habe. Dann ist man auch mal kurze strecken gefahren nach mehr als 2 Bier. Dafür gab es dann die "Promillewege" und jedes mal wurde man bestätigt: siehste, ist nichts passiert.

Und dann wusste jeder quasi aus 1. Hand, dass es nur einen Streifenwagen gibt für ein Gebiet so groß, dass man wohl 10 bräuchte um die Übersicht zu behalten. Also wenn woanders die Chance aufzufallen bei Statistisch 1 zu 600 liegt, liegt die hier wohl bei 1:6000. Gerade da der eine Wagen ja auch noch hin und wieder mal was anderes machen muss als Autos anhalten.

Und so hat es sich dann immer weiter eingeschlichen. Es hat ja jeder gemacht. Was dabei alles passieren kann rückt so in den Hintergrund wie beim Rauchen. Man ließt die Warnungen und doch denkt man immer: ach mich trifft das nicht.
Solange, bis es einen dann doch erwischt.

Und so war dann auch die TF. Alles hat sich so surreal angefühlt. Ist mir das grade ernsthaft passiert? Und dann lüftet sich es wie ein Schleier.. Schicht für Schicht.

Vielleicht hast du recht. Und ich habe noch ein paar Schichten übrig die noch kommen.
Ich glaube nur dass ich es wie andere nicht hinbekomme den GA so zu "belügen"
Ich selbst kenne jetzt so viele Leute, wo ich nach der TF erst erfahren habe dass sie eine MPU hatten. Und jeder von denen ist tut das gleiche wie vorher. Aber keiner hatte einen Unfall oder ähnliches. Und die meisten tun es ab als: da hatte ich einmal Pech und wurde erwischt.

Und so möchte ich mich nicht in ein paar Jahren wiedersehen.

LG
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