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Alt 11.06.2009, 00:11
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Registriert seit: 30.06.2008
Beiträge: 236
Standard Reflexionstherapie laut IVT-Hö

Hallo werter Leser,

Das ist eine Abschrift der >>IVT-Hö Individualpsychologische Verkehrstherapie<< ich bin der Meinung das dieser Text auch anderen "Betroffenen" zugänglich gemacht werden sollte. Dieser Text soll uns einen Blick auf unser Verhalten unter dem Gesichtspunkt helfen statt prüfen geben.

Thema:
Anleitung und Gliederung für die Reflexionstherapie

1.
Bemühen Sie sich, im Rückblick ein klares Bild ihrer Trinkgewohnheiten zum Zeitpunkt der Auffälligkeit zu gewinnen. Überlegen Sie, wie sich die Alkoholkonsumgewohnheiten im Laufe der Zeit entwickelt und verändert haben.

Seien Sie so realistisch und selbstkritisch wie möglich. Vermeiden Sie alle Entschuldigungen, Verharmlosungen, Bagatellisierungen und Schönfärbereien.

Beschreiben Sie die Trinkmenge, die typischen Trinkanlässe und ihre Häufigkeit. Fragen Sie sich: Wie viel habe ich üblicherweise getrunken, wie viel konnte es bei gestimmten Gelegenheiten werden? In welchen Situationen habe ich Alkohol getrunken, in welchen konnte es auch mehr werden?

Welche Rolle spielte die Kontakte zu anderen Menschen dabei? Versuchen Sie, Ihre Höchst-Trinkleistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. Passt Ihre Schätzung zu Ihren Promillezahl bei der Trunkenheitsfahrt und zu den Begleitumständen? (Bedenken Sie zum Beispiel: Wie betrunken fühlten Sie sich damals? Wieviel Zeit ist vom Trinkende bis zur Blutprobe vergangen? Wie viel Kilometer haben Sie noch zurück gelegt?)

2.
Versuchen Sie, die schwierige, aber sehr wichtige Wozu-Frage zu beantworten: Wozu habe ich (Wahrscheinlich unbewusst) die Droge Alkohol eingesetzt? Wozu habe ich eigentlich Alkohol getrunken?

Welche Wirkung, welche Drogenwirkung hatte der Alkohol damals auf mich? Wie haben sich verschiedene Alkoholisierungsgrade auf meine Stimmung, auf mein Verhalten ausgewirkt? Wie habe ich mich verändert – innerlich und nach außen hin – wenn ich weinig, wenn ich mehr, wenn ich richtig viel getrunken habe? Welche Unterschiede gab es vielleicht je nach Trinkanlass?

Welche Gefühle, Stimmungen, Befindlichkeiten habe ich manipuliert? Wie wollte ich mich im Vergleich zum nüchternen Zustand verändern? Oder, wie ein ehemaliger Klient es einmal formulierte: Wer wollte ich eigentlich werden, wenn ich getrunken habe?

3.
Wie ist es zur Alkoholauffälligkeit am Steuer gekommen?

Ich schildere den Tathergang so, dass deutlich klar wird, wie er sich zwangsläufig mit einer gewissen inneren Notwendigkeit und Folgerichtigkeit ergeben hat. Ich stelle daher Beziehungen zu den vorherigen Überlegungen her (Menge, Anlass, Drogenwirkung).

Es ist relativ uninteressant, wie ich erwischt worden bin und was danach passierte. Viel, viel bedeutsamer ist, wie es zu dem starken Alkoholkonsum kam.

War das ein Tag wie viele andere? Oder ein besonderer, ein Ausnahmetag in meinem Leben? Ging es mir besonders schlecht – oder vielleicht besonders gut? Wie fühlte ich mich, wie war mir zumute?

Was bewegte mich an diesem Tag? Wie ging es mir in dieser Zeit, in den Tagen, Wochen Monaten zuvor?

4.
Wie haben Sie Ihre Trinkgewohnheiten seitdem verändert? Leben Sie abstinent? Oder trinken Sie kontrolliert Alkohol?

Ich schildere die Auswirkungen der (letzten) Auffälligkeit, eventuell der Medizinisch-psychologischen Untersuchung und der IVT-hö-Maßnahme auf meine Entscheidung, was den Umgang mit Alkohol betrifft.

Wie schwer ist mir die Veränderung gefallen? Ich beschreibe, was sich konkret geändert hat, wie die Umstellungen funktioniert haben, welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe...

Welchen körperlichen, seelischen und sozialen Schwierigkeiten habe ich gespürt? Ich gehe gegebenenfalls auf Halbherzigkeiten und Rückfälle ein...

5.
Welche Auswirkungen auf Ihr nüchternes Leben haben die veränderten Trinkgewohnheiten mit sich gebracht?

Wie haben sich meine Beziehungen in Partnerschaft und Familie entwickelt? Meine Freundschaften und Bekanntschaften? Was hat sich in Beruf, Ausbildung, Kollegen getan? Ich erwähne Gesichtpunkte, die noch nicht ganz gelöst sind, oder die eher negative Erfahrungen...

Welche Änderungen gibt es, die den Kern meiner Persönlichkeit betreffen: Wie ist es um mein Selbstwertgefühl, um mein Selbstbewusstsein bestellt? Wie um meine Stimmungen und meine Interessen? Um Hemmungen und Ängste?

Was ist aus den Spannungen und Konflikten geworden, die ich nun nicht mehr durch Alkohol dämpfe, verdränge, weg mache?

6.
Versuchen Sie, in einer Zusammenfassungen aller bisherigen Punkte und mit Blick auf Ihre Lebensgeschichte den Satz: „Alkohol ist eigentlich überhaupt kein Problem – mein Problem ist das nüchterne Leben....“ auf sich zu beziehen.

Was bedeutet der Satz für mein persönliches Erleben? Was waren – und was sind – meine Probleme des nüchternen Lebens? Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen, welche Schlussfolgerungen gezogen? Wie sehe ich heute meine Lebensgeschichte, was ist mir darin deutlicher geworden?

Ich weiß, dass Alkohol – wie jede andere Droge – Fluchtwege aus dem nüchterne Leben eröffnet. Wie war das bei mir ganz persönlich? Was machte mein damaliges Bedürfnis nach dieser Drogenwirkung aus. Was ist heute, wo ich auf diese Drogenwirkung verzichte?

7.
Welche im Kern Ihrer Persönlichkeit verankerten Einstellungen zu leben, zur Welt, zu den Menschen sind Ihnen durch die Lebensstilanalyse bewusst geworden? Welche Verhaltensweisen, Verhaltensmuster? Gehen Sie darauf ein, wie sich die Grundlagen Ihres seelischen und sozialen Lebensstil bereist als Stellungnahme zu kindlichen Erfahrungen ausgebildet hat. Versuchen Sie einen Roten Faden in Ihrem Leben zu beschreiben.

Wie bin ich der geworden , der ich heute bin? In was für eine Welt bin ich hineinbebohren worden? Welche Atmosphäre herrschte dort? Was habe ich dort über die Welt, die Menschen und das Leben gelernt?

Welche Stellungnahmen habe ich zu all dem bezogen, was ich erlebt habe, was mir beigebracht wurde, was von mir erwartet und gefordert wurde, was ich über die Welt gelernt habe? Welche Einstellungen und Verhaltensmuster habe ich übernommen, welche habe ich abgelehnt? Welche habe ich selbst entwickelt, aufgebaut?

Was hat sich in meiner Lebensgeschichte daraus ergeben, in positiver, in negativer Hinsicht? Wie haben sich diese meine Einstellungen und Verhaltensmuster in Partnerschaft und Familie, in Freundschaften, in Beruf, Ausbildung , Werdegang niedergeschlagen?

Welche meiner Eigenschaften oder Charakterzüge empfinde ich heute als ausbaufähig, wo will ich Korrekturen, Änderungen versuchen? Was habe ich bereits verändert?

8.
Welche früher weitgehend unbewussten Einstellungen zu Ihnen selbst und zu den Anderen beschreiben Ihren Lebensstil am besten? Welche Meinungen, Leitsätze, Leitlienen bringen ihn am ehesten auf den Punkt? Versuchen Sie, das in wenigen Worten zu sagen.

Was meinte ich früher sein oder darstellen zu müssen? Wie meinte ich immer werden zu müssen? Was meinte ich immer, wurde von mir erwartet, gefordert?

Ich überlege, was mir zu diesen Satzanfängen einfällt: „ Ich meinte immer, ich müsste...“, „Ich meinte immer, ich dürfte nie....“, „Ich habe immer gelebt wie jemand, der....“

9.
Auf welchen bewusst gewählten Veränderungen dieses Lebensstils setzen Sie in Zukunft?

Worauf will ich achten? Wo will ich gegensteuern? In welche Selbstgestellten Fallen will ich nicht mehr tappen?

In wiefern sehe ich heute die Welt, die Menschen, das Leben anders als früher?

10.
Wie sieht Ihre Entscheidung, Ihr Plan für den zukünftigen Umgang mit Alkohol aus?
Will ich kontrolliert trinken? Will ich absolute Abstinenz einhalten? Für wie lange?

Warum will ich das so halten? Worin liegt meine Entscheidung begründet? Was hat das mit den Erkenntnissen über meine frühre Beziehung zum Alkohol zu tun? Was ist mit den Einsichten in gefährliche, problematische Aspekte meiner Persönlichkeit?

Wo sehe ich Gefahren und Schwierigkeiten, mit dehnen ich rechen sollte? Wie habe ich mich darauf eingestellt.
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