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  #1  
Alt 15.05.2019, 08:26
Schönblöd Schönblöd ist offline
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Standard Demnächst MPU Straftaten

Hallo!
ich lese seit längerem bei Euch mit, das ist extrem hilfreich. Danke, dass Ihr euch immer so viel Mühe macht, die ganzen eingestellten Fragebögen genau unter die Lupe zu nehmen. Meinen bekommt ihr auch zu Gesicht am Wochenende, bin gerade dabei, ihn noch mal zu überarbeiten.
Kurz zu mir:

Geschlecht: weiblich
Größe : 1,80m
gewicht: 68 kg
Alter 41 Jahre
Bundesland: Nds.
Datum der Auffälligkeiten: 25.08.2016, 06.09.2017
Keine Alkohol/Drogenauffälligkeit

Strafbefehl schon bekommen : ja
Sperrfrist : für 1. Auffälligkeit (Unfallflucht) FE 9 Monate, Sperrfrist endete 28.08.2017, danach FE neu erteilt worden. Für 2. Auffälligkeit (Fahren ohne Fahrerlaubnis) kein FE sondern 6 Wochen Fahrverbot

Führerschein: abgegeben 28.11.2016
neu beantragt 07.09.2017 (richtig, ich bin 1 Tag vor Neuantrag ohne Fahrerlaubnis gefahren und erwischt worden)

Akteneinsicht: ist erfolgt

Hilfe: nach 2. Auffälligkeit MPU-Vorbereitungskurs (März 2018) bei Nordkurs, Avanti 16+, zusätzlich seit dem Gespräche mit Psychotherapeutin, lesen hier im Forum, Literatur ( "Der Testknacker"), 2 weitere Einzelstunden mit Nordkurs +Abschlussgespräch (stehen noch an)

negative MPU: nein

Rückfalltäter: noch nie MPU gemacht


Die FSS hat von dem 2. Vergehen erst durch Mistra nach dem 2. Strafbefehl erfahren, dieser ging am 19.02.2019 ein. Sonst wäre mir mit Sicherheit die FE in 2017 nicht ausgehändigt worden.
Seit der Neuerteilung in 2017 gab es keine weiteren Auffälligkeiten; das am 19.02.2019 im Zuge des Strafbefehl ausgesprochenen 6 wöchige Fahrverbot habe ich seit vorletzter Woche hinter mir.
Ostern gab es Post von der FSS. Ich soll innerhalb von 2 Monaten ein positives Gutachten vorlegen, sonst wird mit die FE entzogen. Ich hatte mit der MPU ja gerechnete, zumal ich den Vorbereitungskurs schon vor 1 Jahr gemacht habe.

Folgende Fragestellung soll bei der MPU geklärt werden :

Ist nach den bisherigen Verstößen gegen strafrechtliche Bestimmungen zu erwarten, dass die Fahrerlaubnisinhaberin beim Führen eines Kraftfahrzeuges der Gruppe 1 auch gegen straßenverkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?

MPU-Termin gibt es noch nicht, habe mich für TÜV Nord in Hannover entschieden und gestern erst die Zahlungsaufforderung erhalten (539 Euro inclusive Steuer, ganz schön happig).

So, das zunächst zu mir. Der ausgefüllte Fragebogen ist in Arbeit, morgen ist erst mal noch 1 Stunde mit dem Verkehrspsychologen.

Grüße von Schönblöd
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  #2  
Alt 15.05.2019, 12:51
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Mainzelmännchen Mainzelmännchen ist offline
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Dass Du den Kurs schon vor einem Jahr gemacht hast, bevor eine Aufforderung zur MPU kam, wird Dir sicherlich positiv angerechnet, denn so kannst Du auch zeigen, dass du Dich jetzt schon über ein Jahr regelkonform verhalten hast (das hoffe ich jedenfalls).

Kannst Du mal ein wenig mehr zu den beiden Vorfällen sagen? Was ist passiert? Warum ist es passiert? Was machst Du heute und in Zukunft anders, damit es nicht wieder passiert?

Die Frist von 2 Monaten ab Ostern (also jetzt noch knapp 5 Wochen?) ist recht kurz, zum Glück bist Du schon vorher tätig geworden. Unter Umständen müsstest Du eine kurze Fristverlängerung erbitten, denn Du hast ja noch keinen Termin und das Gutachten muss dann auch erst geschrieben werden. Normalerweise sind die FSST da nicht sehr konziliant, wenn jemand noch den Führerschein hat, aber wenn die Frist so kurz ist wie hier, und Du Dich nachweislich um einen zeitnahen Termin bemühst, wird es vermutlich an ein paar Tagen nicht scheitern. Du solltest da aber persönlich vorsprechen, das ist dann auch ein guter Zeitpunkt um einen Blick in die Akte zu werfen.

Viele Grüße
__________________
Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind günstig - Seneca
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  #3  
Alt 15.05.2019, 19:35
Schönblöd Schönblöd ist offline
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Hallo Mainzelmännchen,
Ja, die kurze Frist bereitet mir auch Sorgen, ich habe das bei der FSS auch schon kurz angesprochen, als ich Akteneinsicht genommen habe. Die Bearbeiterin meinte, ich soll anrufen, wenn ich den MPU Termin habe.
Hofffntlich wird es tatsächlich positiv angerechnet, dass ich den Kurs bereits vor 1 Jahr gemacht habe und mich seitdem rechtskonform verhalten habe.
Den ausgefüllten großen Fragebogen stelle ich morgen ein, der ist noch viiiiel zu lang 🙈.
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  #4  
Alt 16.05.2019, 10:16
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Mainzelmännchen Mainzelmännchen ist offline
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Der Gutachter hat jeden Tag Leute vor sich, die ne MPU-Aufforderung bekommen haben, ohne Vorbereitung bei ihm aufschlagen und ihm erzählen, sie wüssten gar nicht, warum sie da sind, das sei ihnen doch alles eine Lehre gewesen und sie würden es nie wieder machen. Der wird schon wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass Du relativ zeitnah nach dem Verstoß einen Kurs besucht hast. Noch dazu, wenn es ein Kurs vom TÜV Nord war, also seinem eigenen Arbeitgeber *husthust*.

Wenn der Fragebogen zu lang ist, ist das erst einmal kein Problem. Weglassen kann man immer noch. Und es werden auch nicht unbedingt alle Themen vom Gutachter schwerpunktmäßig vertieft, das hängt vom Verlauf des Gesprächs ab, wo er bohrt. Daher kann es sein, dass er bei manchen Dingen mit einer kurzen Antwort zufrieden ist und bei anderen nachbohrt. Stell mal ein, dann schauen wir.
__________________
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  #5  
Alt 17.05.2019, 19:36
Schönblöd Schönblöd ist offline
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1. Teil: Was ist passiert?
1. Warum sind Sie hier?
Ich bin heute hier, weil ich 2-mal massiv gegen strassenverkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen habe. Bei beiden Verstößen handelt es sich um vorsätzliche Straftaten, daher besteht seitens der FSS verständlicherweise begründete Zweifel bezüglich meiner charakterlichen Eignung. Diese Zweifel möchte ich heute hier versuchen auszuräumen.
2. Was waren das für Verstöße?
1. Verstoß : Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
Ich habe am 28.08.2016 gegen 10.26 Uhr beim rückwärts ausparken in der …-strasse in … die Beifahrertür eines schräg hinter mir stehenden Kleinwagens beschädigt und bin, obwohl ich einen Erschütterung bemerkt habe, nach Hause gefahren. Dabei bin ich von mehreren Zeugen beobachtet worden, unter anderem auch von dem Besitzer des Kleinwagens. Mein Kennzeichen konnte notiert werden und daraufhin stand etwa 30 min später die Polizei bei mir vor der Tür. An meinem PKW fand sich links hinten einen entsprechender Kratzer. Ich bat um die Daten des Geschädigten und rief diesen unverzüglich an, um mich für mein Verhalten zu entschuldigen. Im Zuge des eingeleiteten Ermittlungsverfahrens ergab sich, dass ich einen Schaden von 2349 Euro verursacht hatte. Auf gerichtliche Anordnung vom 28.12.2016 wurde meine FE vorläufig eingezogen. Am 29.12.2016 erging ein Strafbefehl über 30 TS a 40 Euro sowie einer Sperrfrist für die Wiedererteilung von weiteren 7 Monaten. Die Sperrfrist endetet am: 27.07.2016.
2. Verstoß: Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen
Während der Sperrfrist erkundigte ich mich bei der FSS, welche Voraussetzungen ich nun erfüllen muss für die Wiedererteilung. Mir wurde mitgeteilt, dass ich ein Führungszeugnis, ein Passbild und einen Sehtest vorlegen muss. Zusätzlich ist ein entspr. Antrag auszufüllen und eine Gebühr von 120 Euro zu entrichten. Während ich Passbild, Führungszeugnis und Sehtest direkt erledigte, bereitet es mir Probleme, aufgrund meiner Arbeitszeiten persönlich zur Antragstellung in der FSS vorstellig zu werden. Ich kontaktierte daraufhin Frau …per email und fragte, ob mir dieser Antrag auch per Post zugesendet werden könne. Dies war aber leider nicht möglich. Da ich meine tägliche Arbeit gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen konnte, stand ich zu dem Zeitpunkt nicht so sehr unter Zugzwang und habe meinen nächsten Urlaubstag abgewartet, welcher der 07.09.2017 war. Am 06.09.2017 stand ein beruflicher Weiterbildungstermin in einer weiter entfernt gelegenen Stadt an. Da diese schwierig mit dem Zug zu erreichen war, hatte ich mich im Vorfeld schon mit einer Kollegin verständigt, die mich mit ihrem PKW mitnehmen sollte. Diese sagte morgens kurzfristig ab wegen Krankheit. Ich geriet in Panik, da der Termin wichtig war für die Weiterbildung, die ich zu dem Zeitpunkt absolvierte. Mit dem Zug hätte ich den Termin nicht mehr schaffen können. Ich hatte solche Versagensangst, dass ich mich in mein Auto gesetzt habe und zu dem Termin gefahren bin und danach wieder zurück nach Hause. Auf dem Rückweg bin ich auf der Autobahn geblitzt worden mit 125 km/h in einer 100-Zone. Somit wurde beim Fahren ohne FE aktenkundig. Am 07.09.2017 bin ich zur FSS gegangen und habe wie geplant meinen FS neu beantragt, der mir am 02.10.2017 ausgehändigt wurde. Das sich anschließende Gerichtsverfahren war am 19.02.2019 (Berufungsverhandlung) beendet und eine Geldstrafe von 30 TS a 40 Euro sowie ein 6 wöchiges Fahrverbot wurden verhängt, was ich mittlerweile hinter mir habe.
Was hätte passieren können bei den jeweiligen Delikten?
Ich hätte bei der Unfallflucht einen Personenschaden verursachen können, der für die Person auch mit Spätfolgen oder Behinderung hätte verbunden sein können. Wenn mein Kennzeichen nicht notiert worden wäre, wäre die Person auf dem großen Schaden sitzengeblieben und hätte dadurch erhebliche finanzielle Nachteile in Kauf nehmen müssen. Bei dem Fahren ohne Fahrerlaubnis hätte ich einen Unfall verursachen könne, bei dem meine Versicherung nicht für den Schaden aufgekommen wäre. Dies hätte für die beteiligten Personen schwerwiegende Folgen haben können, da bestimmte, für die Behandlung notwendige Kassenleistungen nicht gezahlt werden würden. Auch finanziell hätte ich so vor dem Ruin stehen können.
Was ist Ihrer Meinung nach im Straßenverkehr besonders wichtig?
Zum einen ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Ich muss so aufmerksam sein, dass ich auch in der Lage bin, Fehler anderer Verkehrsteilnehmer auszugleichen. Zum anderen funktioniert ein so komplexes Gefüge wie der Straßenverkehr nur, wenn sich alle an die Regeln halten. Als einzelner darf ich mir nicht rausnehmen, über diesen Regeln zu stehen und sie für mich nach Bedarf zu brechen.
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  #6  
Alt 17.05.2019, 19:36
Schönblöd Schönblöd ist offline
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2. Teil: Warum ist es passiert?
1. Wie konnten so viele Verstöße zusammenkommen?
Ich hatte mein Verhalten nach der der Unfallflucht in keiner Weise reflektiert und hinterfragt. Ich habe den Strafbefehl bezahlt und abgeheftet. Mir selber habe ich es als Verkettung unglücklicher Umstände schöngeredet. Dass ich durch mein Fehlverhalten selbst diese Situation herbeigeführt habe, hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht realisiert. Es fehlte die Aufarbeitung, die zu der notwendigen Verhaltensänderung führt. Der zweite Verstoß war dann der Höhepunkt einer Kette von Fehlentscheidungen.
2. Warum haben Sie sich (immer wieder) so verhalten?
Ich bin ein Mensch mit wenig Selbstvertrauen. Diesen Mangel habe ich lange Zeit versucht durch das Erbringen von extremen Leistungen auszugleichen, egal in welchen Bereich. Die Anerkennung, die ich dadurch bekommen habe, fühlte sich gut an. Ich war immer stolz auf meinen Ehrgeiz und Perfektionismus, durch den ich bisher einiges erreicht habe. Dass diese Eigenschaften krankhaft sein können, habe ich nun in der intensiven Aufarbeitung erfahren. Ich wollte in allen Bereichen meines Lebens zeigen, wie perfekt ich alles schaffe, ob nun als Mutter oder im Beruf. Keiner sollte sehen, wie überfordert ich eigentlich mit all dem bin, denn um Hilfe zu bitten oder auch über Probleme zu reden, habe ich als Schwäche empfunden. Und Schwäche war gleichbedeutend mit Versagen. Meine innere Landschaft war geprägt von Pflichterfüllung, von Durchhalten. An dem Tag, als ich die Unfallflucht begangen habe, hatte ich eine schier endlose Liste an Dingen im Kopf, die ich mir für den Tag selbst auferlegt hatte. Hinten im Auto saß mein schreiender 6 Monate alter Sohn, der seit seiner Geburt kaum schlief. Um Hilfe zu bitten und um Entlastung kam für mich nicht in Frage. Ich musste durchhalten, weitermachen, allen zeigen, wie gut man alles unter einen Hut bekommen kann und dafür dann Anerkennung zu bekommen. Als ich beim Rückwärtsfahren die Erschütterung bemerkt habe, war das in dem Moment einfach zu viel, ich war überfordert, ich konnte die jetzt anstehenden Auseinandersetzung mit dem Geschehenen nicht leisten. Stattdessen hab ich verdrängt, gerade einen Schaden verursacht zu haben und bin weggefahren.
Als ich mich am 06.09.17 hinter das Steuer gesetzt habe, haben eben diese Dinge erneut eine Rolle gespielt. Ich hab mir eingeredet, wie wichtig dieser Termin sei, dass ein Nicht-wahrnehmen dazu führt, dass ich in diesem Ausbildungsabschnitt schlecht bewertet werde. Ich habe mich so reingesteigert, dass ich körperliche Symptome eines Panikanfalls hatte. Mir war meine Pflichterfüllung zu dem Zeitpunkt so wichtig, dass ich in Kauf genommen habe, eine Straftat zu begehen, wenn ich ohne FE zu diesem Termin fahre.
3. Wie war Ihre Gefühlslage bei diesen Delikten?
Als ich von der Unfallstelle wegfuhr, hatte ich ein ganz dumpfes Gefühl im Magen. Ich wusste, dass es mit Sicherheit auffliegen würde, denn es war ein recht belebter Ort. Zu Hause bin ich ruhelos mit meinem Kind auf dem Arm umhergegangen und hab eigentlich nur darauf gewartet, dass die Polizei klingelt. Als diese dann vor der Tür standen, ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Bei FoFE bin ich ebenfalls mit einem sehr dumpfen, angstvollen Gefühl ins Auto gestiegen und auf dem Hinweg extrem vorsichtig gefahren. Ich habe aber auch gemerkt, dass sich die Hemmschwelle für die zweite Fahrt zurück nach Hause verringert hatte, sodass ich auf dem Rückweg weniger Vorsicht hab walten lassen. Wäre ich nicht geblitzt worden, kann ich mir vorstellen, dass die Hemmschwelle für weitere Fahrten entsprechend immer geringer geworden wäre. In jedem Fall war mir nach dem Blitzen sofort klar, dass ich nun in extreme Schwierigkeiten komme.
4. Was haben Sie als Ursache für die Verstöße herausgefunden, hatten Sie dabei Hilfe?
Ich wusste nach dem 2. Vergehen, dass ich so nicht weitermachen kann. Ich wollte Eigeninitiative ergreifen und zeigen, dass ich den Warnschuss gehört habe. Ich habe dann zunächst etwas recherchiert und bei verschiedenen Institutionen angerufen. Schließlich habe ich bei Nordkurs einen Beratungstermin vereinbart und mir wurde der Avanti16+plus –Kurs empfohlen. Diesen habe ich direkt absolviert. Der Kurs war schwierig und heilsam. Als Gruppenkurs muss man allen Teilnehmern schonungslos alle Dinge offenlegen, das hat mich zunächst Überwindung gekostet, da ich ja stets auf Ansehen und Anerkennung bedacht war. Doch ich habe mich dem gestellt und war hatte hinterher das Gefühl, eine geringere Last zu tragen, es war sehr befreiend. Ich habe aus dem Kurs viele wichtige Denkanstöße und Hilfestellungen mitgenommen, auf die ich seit dem selbst aufgebaut habe.
Zusätzlich habe ich mit einer befreundeten Psychotherapeutin regelmäßig Gespräche geführt. Sie hat mit mir auch viel über meine Kindheit gesprochen und mir aufgezeigt, dass viele meiner Verhaltensmuster bereits damals entstanden sind. Ich bin mit einem sehr autoritären Vater aufgewachsen, dessen Wort Gesetz war und vor dem wir alle Angst hatten. Hatten mein Bruder und ich etwas falsch gemacht, wurden wir hart bestraft, oft auch mit Schlägen. So haben wir früh gelernt, zu funktionieren. Lob oder Anerkennung gab es selten, höchstens mal für gute Noten. Also hab ich angefangen, mir diese Anerkennung über Leistung zu erarbeiten, erst das 1er Abi, dann Studium, Promotion mit Auszeichnung und und und und. Stets perfekt und leistungsbereit. Je mehr Stress von außen kam, je mehr mein Schiff vom Kurs abzukommen drohte, desto mehr Energie habe ich aufgewendet, nach außen hin den Schein zu wahren. Die Überforderung war damit vorprogrammiert. Die Gespräche mit der Psychotherapeutin haben mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, mein Selbstwertgefühl zu stärken, um mich von dem Leistungsdruck zu befreien.
5. Wie schätzen Sie sich in der damaligen Zeit als Fahrer ein?
Unaufmerksam, abgelenkt, stets unter Zeitdruck, um die ganzen Dinge bewältigen zu können. Dies hat sich auch in mindestens 10 Verwarngeldern wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen gezeigt, die ich bekommen habe, seit ich 1995 den Führerschein gemacht habe.
6. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Straftaten und bestimmten Ereignissen in Ihrem Leben?
Beide Straftaten fanden in einem Zeitraum statt, in denen ich unter extremen Druck gestanden habe. Zum Zeitpunkt der Unfallflucht war ich in Elternzeit, unser Sohn war 6 Monate alt, unsere Tochter bereits 6 Jahre. Die Schwangerschaft war angstvoll und schwierig gewesen, ihr gingen 2 Fehlgeburten vorher, die mir noch in den Knochen steckten. Die Freude über unseren Sohn war riesig, aber die Erschöpfung und der Schlafmangel mindestens ebenso groß. Er schlief von Beginn an wenig, auch tagsüber nicht. Ich hab mir keine Ruhepausen gegönnt, denn sobald er schlief, hab ich den Haushalt gemacht und mich um unserer 2. Kind gekümmert. Mein Mann war beruflich stark eingebunden. Da ich ihn nie um Hilfe beten habe, dachte er immer, das alles in Ordnung wäre. Direkt im Anschluss an die Elternzeit habe ich mit einer Weiterbildung begonnen. Ich wusste, dass dies ein hartes Stück Arbeit werden würde, hab aber unterschätzt, dass dies nur machbar ist, wenn man entsprechende Energiereserven hat, die ich nicht hatte. Von jetzt auf gleich habe ich 40 Stunden plus gearbeitet. Um dies zu schaffen, bevor der Kleine aus der Kita geholt werden musste, hab ich teilweise morgens um 6 schon am Schreibtisch gesessen, nach einer durchwachten Nacht mit einem Kleinkind. Stets hatte ich die Zeit im Nacken und das schlechte Gewissen meinen Kindern gegenüber. Trotzdem wollte ich allen zeigen, dass auch diese Herausforderung mit Bravour meistern kann.
7. Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Verhalten reagiert?
Wirklich besorgt wegen meines Verhaltes waren meine Schwiegereltern und auch meine beste Freundin. Diese hatten mich öfter darauf angesprochen, dass ich so nicht weitermachen kann, weil ich Gefahr laufen würde, ein Burnout zu bekommen. Ihre Bedenken hab ich zu dem Zeitpunkt immer beiseitegeschoben oder weggelacht. Von den Straftaten wusste zunächst nur mein Mann, auch den Führerscheinentzug habe ich vor allen anderen verheimlicht.
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  #7  
Alt 17.05.2019, 19:37
Schönblöd Schönblöd ist offline
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3. Teil: Wieso passiert es nicht wieder?
1. Was war der konkrete Zeitpunkt für ihr Umdenken?
Ich habe im Kurs gemerkt, wie gut es mir tut, über das Geschehene zu reden. Ich hatte Angst vor Ablehnung, habe aber stattdessen viel Zuspruch und Hilfe erhalten. Dies hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Damit wuchs auch das Bedürfnis, das eigene Verhalten genau zu hinterfragen, um zu verstehen, warum ich in den Situationen so gehandelt habe. Dabei habe ich meine damalige Lebenssituation kritisch unter die Lupe genommen und entdeckt, dass ich auf dem besten Wege bin, meine Kindern vorzuleben, wie wichtig Leistung ist. Dies hat mich sehr erschreckt und mich noch weiter bestärkt, mein Verhalten zu ändern. Meine Kinder sollen mit einem gesunden Selbstwertgefühl aufwachsen und nicht das Gefühl haben, nie gut genug zu sein.

2. Was haben Sie an Änderungen unternommen?
Noch während des Kurses habe ich mich mit meinem Mann und meinen Schwiegereltern an einen Tisch gesetzt und alles offen dargelegt. Dann habe ich um Ihre Hilfe und Unterstützung gebeten. Alle waren erleichtert, dass ich mich endlich geöffnet habe und haben natürlich ihre Hilfe zugesichert. Zu dem Zeitpunkt lagen noch 4 Monate Weiterbildung vor mir bis zur Prüfung im August 2018. Mein Mann hat seine Stunden reduziert, um mich unterstützen zu können. Wir haben einen Plan erstellt, wer welche Aufgaben im Haushalt erledigt, so dass dies nicht mehr ausschließlich auf meinen Schultern lastet. Meine Schwiegereltern haben sich bereit erklärt, an zwei Tagen in der Woche die Kinder aus Schule und Kita abzuholen. Diese freie Zeit nutze ich für mich. Ich gehe in einen Achtsamkeitskurs, in dem ich nicht nur verschiedene Methoden der Stressbewältigung lerne, sondern auch, was ich tun kann, um gut zu mir zu sein und mein Selbstwertgefühl zu stärken. Ich mache Sport und habe seit langen wieder ein richtiges Hobby. Ich achte auf ausreichend Schlaf und fordere Ruhepausen für mich ein. Ich hatte bereits eine Anstellung in Aussicht nach dem Abschluss, diese stand durch das anhängige Strafverfahren plötzlich auf der Kippe. Auch dort habe ich offen mit meinem zukünftigen Chef gesprochen. Da ich für diesen Arbeitgeber auch vor meiner Elternzeit gearbeitet habe und mir beruflich dort nie etwas zu Schulden habe kommen lassen, bin ich glücklicherweise trotzdem eingestellt worden, allerdings nicht wie ursprünglich geplant im Beamtenverhältnis. Dies muss ich als Konsequenz meines Fehlverhaltens hinnehmen und es wird mich auch zukünftig stets an meine Vergehen erinnern. Trotzdem verbesserten sich die Rahmenbedingungen für mich noch weiter: flexible Arbeitszeiten, Möglichkeit von homeoffice, Büro in unmittelbarer Nähe zum Wohnort. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist so gut möglich. Ich habe gelernt, körperliche Symptome als Frühwarnsystem für Überlastung zu deuten wie Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Gereiztheit. Treten diese auf, hinterfrage ich kritisch meine Situation und lege einen Stop ein. Ich überlege mir jeden Abend einen realistischen Plan für den nächsten Tag, der mich nicht unter Druck setzt und den ich gut erfüllen kann. Das war zu Beginn schwer, denn ich hatte ja keine realistischen Vorstellungen mehr davon, was eigentlich „normal“ machbar ist. Also habe ich mit wenigen Dingen angefangen und immer geschaut, wie es mir damit geht. Auf der Arbeit priorisiere ich die Aufgaben und sage nein, wenn die Aufgabenlast zu groß wird.
3. Wie empfinden Sie diese Änderungen?
Trotz aller Konsequenzen geht es mir heute bedeutend besser als vorher. Ich gehe leichter durchs Leben und habe das Gefühl, endlich wieder frei atmen zu können. Die ganze Auseinandersetzung mit den Vergehen, auch im Rahmen der Gerichtsverhandlungen, war wichtig und nötig, um meine Fehler zu erkennen und mein Verhalten zu ändern.
4. Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Veränderungen?
Überwiegend positiv, wenn auch einige Personen, denen ich mit vorher immer viel Arbeit abgenommen habe, nun lernen mussten, dass ich dies nicht mehr mache. Mein Selbstwertgefühl ist stärker, was dazu führt, dass ich nun deutlich öfter mein Meinung äußere als vorher. Auch damit mussten Freunde und Kollegen umgehen lernen.

5. Welche Einstellungen zur Verkehrssicherheit haben Sie heute und was ist neu daran?
Ich achte sehr darauf, nicht unter Stress Auto zu fahren. Komme ich in Termindruck, rufe ich vorher an und gebe Bescheid, dass ich den Termin zeitlich nicht schaffen werde oder vereinbare gleich einen neuen. Läuft Zuhause oder auf der Arbeit etwas nicht rund, gehe ich vorher an die frischer Luft, mache Entspannungsübungen oder lege eine Pause ein. Auf diese Weise bin ich konzentriert und aufmerksam, bevor ich losfahre. Ich achte viel stärker auf die anderen Verkehrsteilnehmer als vorher. Auch unter Belastung verhalte ich mich rechtskonform, weil ich weiß, dass Regeln und Gesetze für alle verbindlich sind und kein Termin so wichtig sein kann, dass man dafür straffällig wird.
6. Was wollen Sie konkret tun, damit Sie Ihre Vorsätze diesmal einhalten können?
Ich werde sensibel und aufmerksam sein, was die Signale meines Körpers angeht und Warnanzeichen nicht ignorieren. Ich werde weiterhin an mir arbeiten und mein Selbstwertgefühl stärken. Ich werde um Hilfe bitten, wenn ich diese nötig habe, und offen über Probleme sprechen, denn dies ist kein Anzeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Problembewusstsein. Dafür ist weiterhin ein guter Austausch mit den Menschen um mich herum wichtig. Ich habe gelernt, dass ich keine extreme Leistung vollbringen muss, um als Mensch wahrgenommen und bestätigt zu werden.
7. Was könnte Ihre guten Vorsätze zum Scheitern bringen?
Da ich auch weiterhin ein pflichtbewusster Mensch bin, wäre es eine Gefahr, wenn ich mir einfach wieder zu viel auflade und somit in eine Überforderungssituation gerate. Durch die intensive Auseinandersetzung mit meinem Verhalten habe ich aber Wege erlernt, mich auch in einer Überforderungssituation stets rechtskonform zu erhalten.
8. Wie wollen Sie einen beginnenden Rückfall erkennen?
Als ich im September meine neue Tätigkeit angetreten habe, hatte zu Beginn den Drang, mich besonders ins Zeug zu legen, auch weil ich durch meine Vorgeschichte eben negativ aufgefallen bin. Das wollte ich wieder gut machen und zeigen, dass ich trotzdem ein verantwortungsbewusster Mitarbeiter bin. Nach kurzer Zeit habe ich bemerkt, dass ich in alte Muster verfalle, mehr gearbeitet und nachts oft wach lag und gegrübelt habe. Da habe ich die Notbremse gezogen und für mich entschieden, dass ich keinem etwas mit übermäßiger Leistung beweisen muss. Ich mache gute Arbeit, aber in dem Rahmen den ich mir gesteckt habe. Mein Frühwarnsystem hat somit funktioniert.
9. Was wollen Sie unternehmen, wenn Sie einen Rückfall bemerken?
Meinen Alltag und meine tägliche Belastung kritisch hinterfragen, Entschleunigung schaffen, mir noch mehr Unterstützung und Ruhepausen suchen, offen über meine Probleme sprechen. Mir stets vor Augen halten, was ich im den letzten Jahr bereits alles Positives geschafft habe und welche gute Wendung mein Leben genommen hat.
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  #8  
Alt 17.05.2019, 19:40
Schönblöd Schönblöd ist offline
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So, das war der Fragebogen. Feuer frei. Ich muss übrigens schon nächste Woche Donnerstag zur MPU, um die Frist noch einhalten können. gestern hatte ich noch eine Abschlusssitzung mit dem Verkehrspsychologen von Nordkurs, der auch den avanti16+ gemacht hat. Das lief eigentlich sehr gut und der ist sehr optimistisch, dass ich das schaffe.

Vielen Dank schon mal fürs Lesen!
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