Zurück   MPU Forum > MPU Diskussion > Drogen MPU

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #41  
Alt 13.06.2018, 11:47
Mog Mog ist offline
Mitglied
 
Registriert seit: 22.05.2018
Beiträge: 32
Standard

Nach der Auffälligkeit
Einen Tag nach der Auffälligkeit saß ich im Unterricht in der Schule. Mir wurde jetzt nach und nach bewusst, was alles hätte passieren können, hätte man mich nicht angehalten. Ich hätte mich, meine Freunde in dem Auto und auch Unbeteiligte auf der Straße verletzen oder gar töten können. Dieser Gedanke schockte mich so sehr, dass ich das Kiffen sofort einstellte. Außerdem nahten im Herbst die Abschlussprüfungen, die ich unbedingt bestehen wollte (siehe weiter oben genannte Gründe). Dies tat ich dann auch, und ich stieg danach ins reguläre Arbeitsleben ein. Ich fing wieder das Kiffen an, schließlich hatte ich ja mein Ziel erreicht. Mein altes Muster hielt ich bei, zumal ich während der Arbeit in der geschlossenen Psychiatrie noch extremer Lebensverläufe von Dauerkonsumenten zu Gesicht bekam, die mich richtig schockten und davon abhielten mehr zu konsumieren.

Die Freundin und der Tiefpunkt
So lebte ich mehr oder weniger vor mich hin, nahm aber nicht wirklich wahr, dass mit mir etwas nicht stimmte. Im November 2014 lernte ich meine damalige Freundin auf einer Hausparty kennen und verliebte mich im weiteren Verlauf. Dies gab mir einen unglaublichen Auftrieb, die Leere verschwand und ich stellte das Kiffen wieder ein, denn die freien Wochenenden nutzte ich nun, um sie bei ihr zu verbringen (Fernbeziehung). Sie selber blickte auf eine lange Drogenkarriere zurück, war aber selber komplett abstinent, was mich sehr faszinierte. Ich tat es ihr gleich und es funktionierte. Ich fühlte mich auf einmal wieder komplett. Im Oktober 2015 zogen wir dann zusammen nach Leipzig, da ich auch viel Unzufriedenheit auf meinen alten Wohnort projezierte und dies mir als geniale Möglichkeit erschien mein Leben in neue Bahnen zu lenken. Allerdings merkte ich nach dem Zusammenzug ziemlich schnell, dass es auch nicht das war, was mich langfristig glücklich stimmen konnte. Die anfängliche Verliebtheit verschwand und ich landete wieder auf dem Boden der Tatsachen. Die Beziehung zerbrach und ich stand nun ganz alleine dar, in einer überteuerten Wohnung, mit einem Job der deutlich schlechter war als mein alter und ohne jeglichen sozialen Kontakte. Von fehlendem Zugriff auf Cannabis mal ganz abgesehen. An einem meiner freien Wochenenden hatte ich ein dermaßenes Tief erreicht, dass ich knapp zwei Tage nur im Bett lag. Ich hatte wieder auf ganzer Linie versagt, wie ich mir einredete. Als es dann gegen Mitte des zweiten Tages so unerträglich wurde, sprang ich urplötzlich auf und beschloss, dass es nicht so weitergehen könne. Ich begriff in dem Moment, dass mit mir etwas ganz gewaltig nicht stimmte und ich musste herausfinden was es war.

Der Aufschwung
So schwang ich mich an den Rechner und recherchierte im Internet, wo der Hase im Pfeffer lag. Ich stieß auf unzählige Websites, blieb als erstes jedoch längerfristig auf www.selbstbewusstsein-stärken.de hängen, die Seite von einem renommierten Selbsthilfe-Coach. Ich bestellte sein Buch (gleicher Name) und fand heraus, dass es mein Selbstbewusstsein war, welches ganz massiv angeknackst war. Nach und nach fand ich heraus, worin die Probleme lagen. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass unser Verstand maßgeblich für Zufriedenheit und Wohlbefinden verantwortlich ist und dass meine Gedanken möglicher Weise gar nicht der Realität entsprachen. Ich prüfte meine Glaubenssätze indem ich mich an einen ruhigen Ort setzte und meine Gedanken beobachtete. Die, die immer wiederkehrten schrieb ich auf und prüfte sie auf Wahrheitsgehalt. Ich erkannte, dass ich unbewusst im Laufe meiner bisherigen 28 Lebensjahre viele negativen Ansichten aufgenommen und als wahr befunden habe, obwohl dem nicht so war. Ich war kein Versager, ich war lediglich ein Produkt von Meinungen und Auffassungen anderer, die ich unreflektiert übernommen habe und zu meinen gemacht habe. Dies kompensierte ich häufig mit dem Konsum von Cannabis, wie mir klar wurde. Zudem lag mein Fokus auf all den Dingen, die ich nicht besaß, statt dankbar dafür zu sein was ich bereits hatte. Nach und nach brachte ich mir weitere Dinge bei, wie Meditation um innerlich ruhiger zu werden und meine Gedanken in Schach zu halten, durch Achtsamkeit und den gezielten Einsatz von Affirmationen ersetzte ich negative Gedanken durch positive und ich begriff, dass auch meine ganzen Ängste die mich Tag für Tag plagten unbegründet waren, da ich immer schlimmeres kommen sah als es letzten Endes eintrat. Meine Schüchternheit überwand ich, indem ich auf der Straße zufällig Leute ansprach und sie z.B. nach der Uhrzeit fragte. Ich erkannte meine Ängste als größte Blockade in meiner Entwicklung und jedes Mal wenn ich spürte, dass ich Angst hatte, stellte ich mich ihr... nur um im Nachhinein zu erkennen, dass sie vollkommen unbegründet war. Ich stellte meine Ernährung um, reduzierte die Zigaretten und fing an regelmäßig Sport zu treiben. Ich steckte mir zum ersten Mal bewusst Ziele für mein Leben. So besserte sich mein Leben fortwährend. Dennoch kam ich in Leipzig nicht wirklich weiter und zog zurück nach Hannover, wo ich mir erst einmal ein halbes Jahr frei nahm und von meinen Ersparnissen lebte und 3 Monate reiste. Dort lernte ich, wie gut mein Leben bisher doch eigentlich war. Ich hatte ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett, wunderbare soziale Kontakte, eine Familie und immer etwas zu Essen auf dem Tisch und das ganz ohne tagtäglich dafür kämpfen zu müssen. Die kleinen Dinge, die ich zuvor nie sah entfalteten auf einmal eine große Wirkung bei mir. In der restlichen freien Zeit beschäftigte ich mich weiter mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung, mein Fokus fiel dabei vermehrt auf die Spiritualität. Dieses Thema packte mich sogleich noch intensiver und ich begriff, was mir über all die Jahre fehlte: der Glaube an etwas, das höher ist als wir selber! Seitdem praktiziere ich täglich Meditation und versuche die allumfassende Wahrheit in mir selber zu finden. Ich erkannte, dass Glück welches wir im äußeren zu erstreben versuchen nur temporär ist und die wahre kontinuierliche Glücksquelle in uns selber verborgen liegt, unabhängig von äußeren Einflüssen. Es ist unser natürlicher Zustand, wir haben es nur vergessen...

Seitdem war ich komplett abstinent. Lediglich auf einem Festival im September 2017 erlitt ich einen „kleinen Rückfall“. Ich fragte mich, ob Cannabis noch die selbe Wirkung auf mich hatte wie all die Jahre zuvor, so zog ich etwa 3 Mal an einem Joint, jedoch bereute ich es schnell. Es zog mich nur runter und machte mich total passiv. Seitdem habe ich kein Marihuana mehr angefasst und werde es auch nicht mehr tun.

------------------------------

Habe es mal in Kapitel gegliedert, damit es überschaubarer ist.

Uuuuuund: Ich weiß, dass es vermutlich schwierig wird den GA zu überzeugen, dass ich nicht dauerkonsumiert habe. Dennoch würde ich hier noch mal auf die abschreckenden Beispiele aus Freundeskreis und Arbeit verweisen, zudem vermehrt auf die Angst vor dem abrutschen aufgrund massiver Versagensängste und als alternative Ablenkungen Filme schauen, Freunde treffen, PC zocken (hat ja als Kind auch schon wunderbar funktioniert und empfand ich breit eh als anstrengend). Falls jemand noch weitere Vorschläge hat, bin offen für alles.

Und was mir bisher völlig entgangen war im Bezug auf berauschte Fahrten: Wird eigentlich nachgefragt, wie es sich mit Fahrradfahren verhält?
Mit Zitat antworten
  #42  
Alt 13.06.2018, 15:15
Kai R. Kai R. ist offline
MPU Profi
 
Registriert seit: 07.02.2008
Beiträge: 3.163
Standard

Hallo Mog,

soweit so gut. Könnte klappen. Eine Sache:

Zitat:
Zitat von Mog Beitrag anzeigen
Seitdem war ich komplett abstinent. Lediglich auf einem Festival im September 2017 erlitt ich einen „kleinen Rückfall“. Ich fragte mich, ob Cannabis noch die selbe Wirkung auf mich hatte wie all die Jahre zuvor, so zog ich etwa 3 Mal an einem Joint, jedoch bereute ich es schnell. Es zog mich nur runter und machte mich total passiv.
nach drei Zügen zieht es Dich runter? Wohl eher nicht. Du hast an einem Joint mitgeraucht aber keine Wirkung verspürt. Dann hast Du Dich gefragt, was es Dir eigentlich bringen soll und es fortan gelassen. Das war dann auch der Impuls, Dich zu den AB-Nachweisen anzumelden und anzustreben, Deine FE zurückzuerlangen.

Zitat:
Zitat von Mog Beitrag anzeigen
Und was mir bisher völlig entgangen war im Bezug auf berauschte Fahrten: Wird eigentlich nachgefragt, wie es sich mit Fahrradfahren verhält?
nein. Könntest Du aber zugeben
Mit Zitat antworten
  #43  
Alt 13.06.2018, 17:26
Mog Mog ist offline
Mitglied
 
Registriert seit: 22.05.2018
Beiträge: 32
Standard

Hallo Kai!

Zitat:
Zitat von Kai R. Beitrag anzeigen
nach drei Zügen zieht es Dich runter? Wohl eher nicht. Du hast an einem Joint mitgeraucht aber keine Wirkung verspürt. Dann hast Du Dich gefragt, was es Dir eigentlich bringen soll und es fortan gelassen. Das war dann auch der Impuls, Dich zu den AB-Nachweisen anzumelden und anzustreben, Deine FE zurückzuerlangen.
Ist geändert! Aber ist das wirklich realistisch? Ist es nicht eher so, dass es einen nach längerer Abstinenz nicht schon nach wenigen Zügen wegscheppert? Oder bilden sich nachgewiesener Maßen die Rezeptoren zurück?


Zitat:
nein. Könntest Du aber zugeben
Okay, aber bringt mir das was? Wenn es eh nicht gefragt wird...


Danke nochmals!
Mit Zitat antworten
  #44  
Alt 13.06.2018, 17:53
Kai R. Kai R. ist offline
MPU Profi
 
Registriert seit: 07.02.2008
Beiträge: 3.163
Standard

Zitat:
Zitat von Mog Beitrag anzeigen
Ist es nicht eher so, dass es einen nach längerer Abstinenz nicht schon nach wenigen Zügen wegscheppert? Oder bilden sich nachgewiesener Maßen die Rezeptoren zurück?
weiß ich nicht. Kann ja auch schlechtes Zeug gewesen sein. Bestimmt wird es einen aber nicht runterziehen, dazu braucht es schon den häufigeren erneuten Konsum.

Viel Glück morgen! Bin gespannt, was Du zurückmeldest.
Mit Zitat antworten
  #45  
Alt 14.06.2018, 12:27
Mog Mog ist offline
Mitglied
 
Registriert seit: 22.05.2018
Beiträge: 32
Standard

Sooooo liebe Leute...

Bin gerade von der MPU zurückgekehrt. Was soll ich sagen... ärztliche Untersuchung war top, der Reaktionstest hat mich zwischenzeitlich ganz schön gestresst und die psychol. Untersuchung ging glaube ich nicht einmal eine halbe Std. Ich konnte nicht mal ansatzweise wiedergeben, was ich mir vorbereitet hatte, es war vergleichsweise oberflächlich, aber O-Ton Psychologe:

"Die Konsummenge bewegt sich nahe der fortgeschrittenen Drogenproblematik, ist aber gerade noch so im Grenzbereich, dass 6 Monate AN ausreichen. Sollte die letzte UK unauffällig sein, haben sie von uns grünes Licht."

ES HAT ANSCHEINEND (!!!) GEKLAPPT! WOUHUUUUUUUUUU! Danke an das Forum und besonders Kai R. der mir so sehr mit der passenden Story geholfen hat. DANKE! DANKE! DANKE!
Mit Zitat antworten
  #46  
Alt 14.06.2018, 12:30
Jules91 Jules91 ist offline
Stammpersonal
 
Registriert seit: 24.04.2017
Beiträge: 359
Standard

Vorsichtigen Glückwunsch von mir
Mit Zitat antworten
  #47  
Alt 14.06.2018, 12:53
Kai R. Kai R. ist offline
MPU Profi
 
Registriert seit: 07.02.2008
Beiträge: 3.163
Standard

Uff, gerade noch einmal gut gegangen. Offensichtlich war die Aufarbeitung passend. Einen (vorsichtigen) ganz herzlichen Glückwunsch auch von mir!
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 06:22 Uhr.