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  #1  
Alt 08.02.2019, 13:29
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard MPU wegen Straftaten

Hallo,
ich möchte mich kurz vorstellen und mein Anliegen erleutern.
- 36 Jahre
- weiblich
- von 12.06.2000 bis 16.05.2017 Autoführerschein ohne Unfall und jegliches Auffallen bis auf:
- 4 x je 1 Punkt wegen Geschwindigkeitsüberschreitung von 21 bis 23 km/h ausserhalb geschlossener Ortschaften, 2 Punkte in der Überliegefrist, 2 Punkte sind noch aktuell, Zeitraum der Punke zwischen November 2015 und November 2016, also innerhalb eines Jahres
- anschließend bis dato keine weiteren Punkte

Dann am 15. Februar 2017 Autounfall:
Mit 0,97 Promille fuhr ich aufgrund Unachtsamkeit gegen eine Leitplanke:
- keine Personenschäden
- keine anderen Autos beschädigt
- keine weiteren Beteiligten am Unfall
- beschädigte Leitplanke (Kosten knapp 600,- Euro)
- eigenes Auto Totalschaden

Nach Feststellung, dass kein anderen beteiligt oder geschädigt wurde (Dauer ca. 3 Minuten) fuhr ich mit meiner noch gerade so laufenden Schrottkarre nach Hause.
Daheim erstmal die Einsicht, dass was passiert ist, aufgrund Gehirnerschütterung mehrmals übergeben.
Ca. 30 Minuten nach Unfall habe ich die Polizei verständigt.
Mein Lebensgefährte hat mich ins Krankenhaus gefahren weil ich kollabiert bin.
Nach ca. 2-3 Stunden medizinischen Untersuchungen und mehrmaligem kollabieren kam die Polizei ins Krankenhaus:
- Befragung
- Atemalkoholprobe ergab 0,81 Promille
- Blutalkoholprobe ergab 0,71 Promille
- da es aber bereits ca. 3 Stunden zurück lag, wurde ich angesetzt auf 0,97 Promille
- Führerschein wurde mir nicht genommen

Ca. 3 Monate später, also am 16. Mai 2017 wurde mir dann der Führerschein genommen.
Nochmal 6 Monate später, also am 21.11.2017 hatte ich dann meine Verhandlung:
- weitere 6 Monate Führerscheinentzug (bis 20.05.2018)
- Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätze
Verurteilt wegen:
- Gefährdung des Straßenverkehrs infolge des Genusses alkoholischer Mittel
- Fahrlässig
- Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Als ich dann Ende Dezember mein Urteil auf Papier erhalten habe, ging ich zur Führerscheinstelle und habe meinen Führerschein neu beantragt.
Dort wurde mir gleich gesagt, dass ich MPU wegen Straftaten machen muss.

Nun habe ich diese Woche Montag Post von der MPU-Stelle erhalten, mit Zahlungsaufforderung und dem Passus:
Ist trotz der aktenkunigen (erheblichen) Straftat(en) (im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr / im Zusammenhang mit der Kraftfahreignung / die unter Nutzung eines Fahrzeugs gegangen wurde) zu erwarten, dass ich die körperlichen und geistigen Anforderungen an das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges im Verkehr erfülle und dass ich nicht erheblich gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen werden?

Ich habe mich natürlich sofort bei einem MPU-Vorbeireitungskurz angemeldet, der nun Ende Februar startet, mit Einzelgespräche damit ich mich bestmöglich darauf vorbereiten kann.

Mir wurde bei der Urteilsverkündung vor Gericht und von der Führersscheinstelle bei Antragsstellung gesagt, dass ich keinen MPU wegen Alkohol machen muss, sondern wegen Straftaten, somit habe ich deshalb nichts gemacht.
Also ich hätte natürlich problemlos Abstinenznachweise machen können, weil ich ja so und so nur wenig bis gar nichts trinke, also 1-2 Mal im Jahr, bei einer Feier, ansonsten trinke ich keinen Alkohol.

Jetzt stellt sich für mich die Frage, ob ich hinsichtlich dessen nicht falsch gehandelt habe, da ja in meinem Fall der Alkohol der Auslöser des Unfalles war.

Wäre es nicht besser wenn ich doch nicht diese Abstinenznachweise mache?

Ich hoffe, ihr könnte mir weiterhelfen.

Vielen Dank im Voraus
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  #2  
Alt 08.02.2019, 19:54
Benutzerbild von Alana
Alana Alana ist offline
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Willkommen hier im Forum!

Sicher, daß Du alles erzählt hast? 90 TS sind für das geschilderte Delikt ganz schön viel.

Zu deiner Frage: Nein, Abstinenznachweise wirst Du nicht brauchen. Dafür ist die BAK zu gering.

Allerdings wirst Du in der MPU auch darstellen müssen, welches Konsequenzen Du aus der Trunkenheitsfahrt gezogen hast.

Ansonsten brauchst Du eine nachvollziehbare Erklärung dafür, warum Du immer wieder und zwar innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit gegen Verkehrsregeln verstoßen hast, welche Konsequenzen Du daraus gezogen hast und wie Du erneute Vergehen vermeiden wirst.
__________________
Liebe Grüße
Alana
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  #3  
Alt 10.02.2019, 20:21
bibi123 bibi123 ist offline
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Hallo Alana,
vielen Dank für deine Antwort.
Ja, es ist die Wahrheit, ich habe meine Verurteilung vom Beschluss angeschrieben, ich habe nichts verschönigt oder dramatisiert. 45 Tagessätze waren wegen Alkohol und 45 wegen unerlaubtem entfernen vom Unfallort.
Es sagt mir jeder dass die Strafe zu hoch ist, aber ich nehm sie hin. Den Fehler hab ich gemacht und mein Anwalt war anscheinend nicht der Beste
Meine Delikte mit dem zu schnell fahren, insgesamt 4x innerhalb eines Jahres kann ich aktuell so nicht erklären. Ich hoffe, dass mir in der Hinsicht bei der Vorbereitung weiter geholfen wird. Ich weiß nur dass ich mich nach dem 3 mal strickt an die Angaben gehalten habe (war jedes mal auf der Heimfahrt von der Arbeit auf der Autobahn) und dann hätte ich beim 4. Mal Pech und musste in einem 60er Tunnel überholen sonst hätte ich meine Ausfahrt verpasst. Mich hat halt keiner rein gelassen. Und anschließend war wirklich 2 Jahre lang gar nichts mehr. Dann war der Unfall.
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  #4  
Alt 01.03.2019, 00:36
Benutzerbild von Insulaner2000
Insulaner2000 Insulaner2000 ist offline
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im März 2017 hatte ich ein Unfall mit meinem Motorrad zwei rippen gebrochen und ca 2500 € Schaden Wirklich ich kann nicht verstehen warum man die Polizei einschalten sollte Ich hab es nicht gemacht und das war genau richtig und würde es wieder machen
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  #5  
Alt 02.03.2019, 15:18
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard MPU wegen Straftaten am 28.03.2019, Hilfe!?

Hallo,
ich habe am 28.03.2019 meinen MPU wegen Straftaten.
Ich habe mich monatelang darauf vorbereitet und auch nun den Fragebogen ausgefüllt.
Es wäre nett, wenn ihr euch meine Antworten durchlesen könnt und mir nützliche Tipps und Infos gebt. Ich habe vor diesem Tag echt Angst und bin mir mittlerweile total unsicher.
Nachfolgend der Fragebogen.
Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe.

Zur Person
Geschlecht: weiblich
Größe: 1,60 m
Gewicht: 60 kg
Alter: 36
Bundesland: Bayern
Datum der Auffälligkeit: 15.02.2018
BAK: 0,71 Promille -> 0,97 Promille, da die Blutabnahme erst später erfolgte als die Tatzeit
Trinkbeginn: ca. 13:00 Uhr
Trinkende: ca. 17:00 Uhr
Trinkmenge: 2x 0,5 Liter Bier + 3x 0,02 Liter Schnaps
Uhrzeit der Blutabnahme: ca. 22:10 Uhr

Strafbefehl schon bekommen: ja
Sperrfrist: endet am 20.05.2019

Führerschein:
- hab ich abgegeben: am 20.05.2018
- hab ich neu beantragt: am 20.12.2018

Akteneinsicht bei der Führerscheinstelle:
- hatte ich schon

Hilfe:
- hab ich schon gesucht: MPU-Forum, MPU-Basisseminar absolviert, aktuelle MPU-Vorbereitung durch Einzelgespräche mit einem Verkehrspsychologen

Negative MPU:
- Nein

Rückfalltäter:
- noch nie MPU gemacht

Warum sind sie hier?
Die Fahrerlaubnisbehörde hat Zweifel an meiner Eignung als Fahrzeugführer.
Ich bin unter anderem mehrmals zu schnell Gefahren und habe einen Unfall aufgrund Trunkenheit verursacht, mit anschließender Fahrerflucht.
Ich kann die Bedenken der Fahrerlaubnisbehörde sehr gut verstehen, da ich mich und vor allem andere Verkehrsteilnehmer mit meinen mehrmals auftretenden regelwidrigem Verhaltensformen erheblich in Gefahr gebracht habe. Ich habe mich nicht an Regeln und Gesetze als Verkehrsteilnehmer gehalten und war somit rücksichtslos und verantwortungslos gegenüber allen. Ich habe meine Belange über die jedes Anderen gestellt und somit jeden Anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr gebracht.
Ich bin heute hier um diese Zweifel zu beseitigen, da ich mein regelwidriges Verhalten erkannt und abgelegt habe. Ich habe begriffen, dass ich mich als Verkehrsteilnehmer an Regeln und Gesetze zu halten habe.

Wie viele Verstöße hatten sie?
Aufgrund meiner beharrlichen Uneinsichtigkeit über mehrere Jahre hinweg kann ich die Verstöße nicht mehr zählen, sondern nur noch schätzen.
Meinen Autoführerschein besaß ich seit dem Jahr 2000, bis zum Entzug also knapp 18 Jahre. Vorher hatte ich 2 Jahre den A1-Führerschein (125 ccm Motorrad). Ich hatte immer ein eigenes Auto, bin aber nicht täglich damit gefahren. Erst die letzten 4 Jahre vor dem Führerscheinentzug, musste ich einen erheblichen Fahrtweg zur Arbeit fahren.
Geschwindigkeitsverstöße werden es wohl somit um die 2000 gewesen sein. Aber bestraft wurde ich nur zu etwa nicht mal 1 Prozent. Das äußerte sich in Verwahn- und Bußgelder.
Ich kann mich ebenfalls daran erinnern, dass ich mehrmals falsch geparkt habe, aus Bequemlichkeit. Dies äußerte sich meist Strafzetteln, denn wenn ich falsch geparkt hatte, wurde ich meist aufgeschrieben, war eigentlich immer mitten in der Stadt.
Alkoholverstöße hatte ich auch ein paar (ca. 5). Ich bin mir sicher, dass ich ein paar Mal mit einem Promillegehalt über 0,5 noch ins Auto gestiegen und gefahren bin.
Letztendlich wurde mir der Führerschein wegen einer Trunkenheitsfahrt, die mit einem Unfall endete und ich diesen mit anschließender Fahrerflucht beendete, entzogen.

Was waren das für Verstöße?
- Donnerstag, 20.08.2015 um 16:18 Uhr: Geschwindigkeitsüberschreitung von 23 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften auf Autobahn A9 (Eching), Heimfahrt von Arbeitsstelle -> 1 Punkt + Geldbuße 70,- Euro (Punkt befindet sich in der Überliegefrist, steht nicht in der Führerscheinakte, wurde aber in der Gerichtsverhandlung benannt und steht somit im Urteil)
- Mittwoch, 02.03.2016 um 16:12 Uhr: Geschwindigkeitsüberschreitung von 21 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften auf Autobahn A99 (Aschheim), Heimfahrt von Arbeitsstelle -> 1 Punkt + Geldbuße 105,- Euro (Punkt befindet sich in der Überliegefrist, steht nicht in der Führerscheinakte, wurde aber in der Gerichtsverhandlung benannt und steht somit im Urteil)
- Freitag, 29.07.2016 um 06:59 Uhr: Geschwindigkeitsüberschreitung von 21 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften in München Richard-Strauß-Tunnel (Mittlerer Ring), Hinfahrt zur Arbeitsstelle -> 1 Punkt + Geldbuße 160,- Euro
- Dienstag, 20.09.2016 um 15:12 Uhr: Geschwindigkeitsüberschreitung von 22 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften auf Autobahn A99 (Aschheim), Heimfahrt von Arbeitsstelle -> 1 Punkt + Geldbuße 140,- Euro
- Donnerstag, 15.02.2018 um 17:30 Uhr: Autounfall unter Einfluss von 0,97 Promille Alkohol mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort; somit fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort in Tateinheit mit vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr -> 6 Punkte + Geldstrafe 90 Tagessätze zu 40,- Euro -> 3600,- Euro (Unfall war ohne Personenschaden, nur Sachschaden an der Leitplanke, knapp 600,- Euro Kosten, die die Versicherung übernommen hat)
Bin mir nicht sicher, ob ich auch die Verstöße erläutern muss, die nicht im Fahreignungssregister stehen!

Was hätte passieren können bei den jeweiligen Delikten?
Alles Mögliche, was im Ergebnis immer zu einer erheblichen Gefährdung von Gesundheit und Leben hätte führen können.
Ich habe mich in jeder Hinsicht rücksichtslos und verantwortungslos gezeigt.
Es hätte zu schweren Unfällen kommen können, wobei ich andere und auch mich hätte schwer verletzen können. Auch hätten diese Unfälle tödlich ausgehen können.
Im August 2018, also ein paar Monate nach meinem Unfall, fuhr ein betrunkener Autofahrer mit 2,0 Promille meinen damals 15-jährigen Sohn von seinem Roller runter, auf offener Straße mit ca. 50 km/h. Zum Glück hat mein Sohn nur leichte Verletzungen davon getragen. Wenn ich nur daran denke, was hätte alles passieren können. Wenn mein Sohn nicht so einen Schutzengel gehabt hätte, wenn dieser betrunkene Autofahrer schneller dran gewesen wäre…ich will es mir gar nicht ausmalen.
Und wenn ich diese Situation dann auf mich und meinen Unfall und meine Geschwindigkeitsverstöße beziehe, weiß ich, dass ich nicht weit davon weg gewesen bin, dass derartig schlimme Dinge hätten passieren können.
Was ist ihrer Meinung nach im Straßenverkehr besonders wichtig?
Der Straßenverkehr ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Es tauchen auch an gleichen Orten die man zu kennen meint immer andere Gegebenheiten auf. Der Straßenverkehr ist nur zu meistern wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die gegeben Regeln halten und defensiv miteinander umgehen. Ein rücksichtsvoller Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern ist unerlässlich. Als Fahrzeugführer darf ich auch nicht nur davon ausgehen, dass „ich alles richtig mache“ ich muss auch immer mit Fahrfehlern / Fehlverhalten anderer Teilnehmer rechnen und ich muss jederzeit in der Lage sein darauf angemessen und richtig zu reagieren, richtig im Sinne der Straßenverkehrsordnung. Ohne gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr würde er nicht funktionieren.

Teil 1 - Teil 2 folgt gleich...
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  #6  
Alt 02.03.2019, 15:21
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard weiter im Text...Teil2

Wie konnten so viele Verstöße zusammen kommen?
Die Häufung meiner Verstöße beruht auf Uneinsichtigkeit, der Unfähigkeit sich an die Normen und Gesetze anpassen zu wollen aufgrund meines selbst hervorgebrachten und eigens auferlegten Problems. Ich war damals der fälschlichen Auffassung, dass ich die Normen und Gesetze beugen kann, wenn es meinem eigenen „Wohl“ dient. Ich bemühte mich lange Jahre nicht um eine andere Sichtweise.
In meinem damaligen Leben war ich der Meinung, dass ich aufgrund meines Problems gegen die Regeln verstoßen kann und darf.
Mein Ex-Freund war in diesem Zeitraum sehr aggressiv, auch gegenüber mir und wenn ich einen Fehler gemacht habe, dazu gehörte auch zu spät von der Arbeit nach Hause zu kommen, wurde ich dementsprechend von ihm zur Rechenschaft gezogen, was sich meist auch in körperlicher Aggression gegenüber mir spiegelte. Um dieses zu Umgehen habe ich das Straßenverkehrsrecht für mich gebeugt und bin daher viel zu oft und viel zu schnell gefahren.
Auch spiegelte diese fälschliche Auffassung mein Verhalten wieder, dass ich am 15. Februar 2018 an den Tag gelegt habe.
Ich hatte einen Termin beim Frauenarzt und ging anschließend in das gegenüberliegende Kaffee und trank einen Cappuccino. Mein Ex-Freund, der mich schon wieder wochenlang belästigt hat, hat mich angerufen und mir gedroht. Schon seit Wochen wurde mir das ganze Thema zu viel, ich konnte mit keinem darüber reden, aus Schamgefühl weil ich mich fast 3 Jahre nicht gegen seine Aggressionen gewehrt hatte. An diesem Tag brach alles über mich herein und ich sah nur den Ausweg um zu dem Thema etwas Abstand zu gewinnen, dass ich Alkohol trinke. Daher bestellte ich mir ein Bier. Beim zweiten Bier kam durch Zufall ein ehemaliger Arbeitskollege, der sich zu mir gesellte. Nach Lokalwechsel und schon leicht beschwipsten Zustand tranken wir weiter. Ich habe mich besser gefühlt, weil ich mein Problemthema etwas in den Hinterkopf schieben konnte. Wir tranken munter weiter und hatten auch viel Spaß dabei. Als mich gegen 17 Uhr mein Lebensgefährte angerufen hat um mir mitzuteilen, dass er um ca. 18 Uhr zuhause sein wird, habe ich Panik bekommen. Ich wollte nicht, dass er weiß, dass ich ein Problem habe und dieses mit Alkohol bekämpfe. Somit habe ich mich ins Auto gesetzt und wollte nach Hause fahren. Nach ca. 5 km zeigte sich die volle Wirkung des erheblich zu viel getrunkenen Alkohols, dadurch habe ich die Kontrolle über mein Fahrzeug verloren und bin dadurch gegen die Leitplanke geknallt. Vorher musste mir ein entgegenkommendes Fahrzeug ausweichen, sonst hätte ich ihn gerammt. Gott sei Dank war dieser Herr so geistesgegenwärtig und konnte dadurch das Schlimmste vermeiden. Außer an mir, meinem Fahrzeug und an der Leitplanke entstand kein Schaden und ich habe es natürlich erheblich mit der Angst zu tun bekommen, daher fuhr ich weiter bis ich zuhause ankam. Erst zuhause wurde mir klar, was ich angerichtet habe und als ein paar Minuten später mein Lebensgefährte nach Hause kam, bat ich ihn, die Polizei zu verständigen, da ich einen Unfall gebaut habe.
Auch dieser Fall zeigt, dass ich zur damaligen Zeit nur an mich gedacht habe und wieder gegen das Straßenverkehrsrecht zu meinem eigenen Wohl verstoßen habe. Ich war auch hier im höchsten Maße rücksichtslos und verantwortungslos. Ich war auch zu dieser Zeit noch nicht in der Lage bzw. mir war nicht bewusst, dass ich ein Problem habe, daher habe ich an diesem Tag erneut gegen das Gesetz verstoßen.
Natürlich zeigte sich meine Uneinsichtigkeit und meine Unfähigkeit mich an Normen und Gesetze anpassen zu können auch in den anderen sehr zahlreichen Verstößen wieder.
Jedes Mal wenn ich zu schnell gefahren bin oder falsch geparkt habe oder mit über 0,5 Promille ins Auto gestiegen bin, hatte ich für mich eine Antwort parat wieso ich nun gerade gegen die Straßenverkehrsordnung verstoße.
Allumfassend war es jedes Mal mein eigen auferlegtes Problem, da ich der Auffassung war immer perfekt sein zu wollen und dies nur geschafft habe wenn ich die Zeit die ich eigentlich nicht hatte mir durch Geschwindigkeitsverstöße oder Falschparken verschafft habe. Bei den Alkoholfahren verhielt es sich natürlich ähnlich, anstatt mich heim fahren zu lassen oder mir ein Taxi zu rufen (diese Möglichkeiten bestanden jedes Mal) fuhr ich selber, da es mit Zeitaufwand am nächsten Tag verbunden gewesen wäre, wenn ich vernünftig gehandelt hätte.

Warum haben sie sich (immer wieder) so verhalten?
Die Verstöße wurden von mir immer weiter praktiziert sodass es für mich (damals) unbewusst zu einer normalen Haltung wurde. Ich war nicht in der Lage das vorhandene Unrechtbewusstsein zu erkennen und zu nutzen um schon früher einzulenken und zu begreifen.
Zudem steuerte mich das Verlangen nach Anerkennung, da jeder geglaubt hat, ich sei „Perfekt“, und um dieses aufrecht zu erhalten stahl ich mir immer wieder die Zeit durch Verstöße gegen das Straßenverkehrsrecht.
Wie war ihre Gefühlslage bei diesen Delikten (bitte jedes Delikt einzeln bewerten)?
Bei der letzten Tat am 15.02.2018 hatte ich pure Angst, Angst davor erwischt zu werden, Angst davor dass das Bild das andere von mir haben durch das Erwischt werden nun zugrunde geht.
Bei den Geschwindigkeitsverstößen und Falschparken verhielt sich meine Gefühlslage etwas abgeklärter. Ich war der fälschlichen Auffassung, dass es nicht so schlimm ist, wenn man ab und an mal etwas schneller fährt bzw. falsch parkt.
Bei den Alkoholfahrten hatte ich schon etwas „Bammel“ und ein schlechtes Gewissen, mir war klar, dass ich eventuell ein bisschen zu viel getrunken hatte. Ich habe dann aber im Endeffekt darüber hinweggesehen, weil mir meine Zeitersparnis, die ich dadurch hatte, dass ich selber gefahren bin, wichtiger war.

Teil 2 - Teil 3 folgt gleich...
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  #7  
Alt 02.03.2019, 15:22
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard weiter im Text...Teil 3

Was haben sie als Ursache für die Verstöße herausgefunden, hatten sie dabei Hilfe?
Die Ursache dessen, weshalb ich Verstöße begangen habe, habe ich allein herausgefunden.
Nach meinem Unfall im Februar 2018 hatte ich fast schon „Depressionen“ weil ich mir selber mein Handeln nicht erklären konnte und ich vor allem sehr darunter litt, dass ich fast jemanden einen Schaden zugefügt habe.
Daher habe ich mich bewusst mit mir selber auseinander gesetzt und die Ursache dafür erarbeitet.
Anschließend habe ich mich meiner Familie, meinen Freuden und meinen Arbeitskollegen, sowie auch meiner Hausärztin anvertraut. All diese Personen halfen mir dann, mein Problem aufzuarbeiten und an mir zu arbeiten.
Die vordergründige Ursache für meine Verstöße war mein Antrieb dass ich immer perfekt sein wollte, dass jeder mich als perfekt ansieht, dass ich als starke Frau gelte, die alles auf die Reihe bekommt und keine Probleme hat. Daher habe ich zum ersten immer wieder mir das Straßenverkehrsrecht zu meinem Willen gebeugt, damit ich die Zeit hatte, um alles perfekt zu machen. Auch habe ich mit keinem über meine Belange geredet, ich habe alles mit mir selber ausgemacht. Denn wenn ich mit jemanden darüber geredet hätte, wäre ja meine „Scheinwelt von Perfekt“ zusammen gebrochen.
Zusätzlich kommt noch hinzu, dass ich eine mangelnde Fähigkeit hatte, Konsequenzen abzusehen.
Wie schätzen sie sich für die damalige Zeit als Fahrer ein?
Mein Fahrstil war verantwortungslos, rücksichtslos, unberechenbar und egoistisch gewesen.
Ich halte mich im Nachhinein betrachtet, damals als eine Gefahr für den Straßenverkehr und hätte mit meiner einstigen Einstellung nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.
Ich habe mich und vor allem andere Verkehrsteilnehmer mit meinen mehrmals auftretenden regelwidrigen Verhaltensformen erheblich in Gefahr gebracht. Ich habe mich nicht an Regeln und Gesetze als Verkehrsteilnehmer gehalten und war somit rücksichtslos und verantwortungslos gegenüber allen. Ich habe meine Belange über die jedes Anderen gestellt und somit jeden Anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr gebracht.
Wie haben sie auf das Verhalten bei der Polizei reagiert, nachdem sie gestoppt oder gelasert wurden?
Als ich geblitzt wurde bei den Geschwindigkeitsverstößen, habe ich mich geärgert, einerseits über mich weil ich den Blitzer übersehen hatte und anderseits auf über Polizei.
Mein Denkanstoß lautet meist: „Haben die nichts Besseres zu tun, als zu Blitzen, es gäbe doch genügend Straftäter die gefangen werden müssen. Ich bin doch nur etwas zu schnell gefahren…“
An meinem Unfalltag bzw. bei der Befragung habe ich aus Angst gelogen, weil mir die volle Tragweite meines Fehlers nach dem Unfall bewusst wurde.

Wie haben sie auf die ersten Verwarn- bzw. Bußgelder reagiert?
Anfangs hat es mich geärgert, beim zweiten Mal auch noch, aber beim dritten Mal war ich schon so in meiner falschen Denkweise verankert, sodass ich es billigend in Kauf genommen habe, ohne mich darüber aufzuregen.
Was hatten sie sich vorgenommen, um keine Verkehrssünden zu begehen?
Nichts, ich habe damals nicht daran gedacht, etwas ändern zu wollen.
Für mich gehörte es dazu, dass ich mich ab und an nicht an Verkehrsregeln halte, damit ich alles schaffe.

Warum konnten sie ihre guten Vorsätze nicht einhalten?
Ich war nicht zu einer Änderung bereit, da ich zu diesem Zeitpunkt mein Problem nicht erkannte bzw. nicht erkennen wollte.
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  #8  
Alt 02.03.2019, 15:23
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard weiter im Text...Teil 4

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten und bestimmten Ereignissen in ihrem Leben?
Ja, meine falsche Denkweise habe ich mir bereits als Kind auferlegt bzw. wurde durch meine Kindheit geprägt.
Meine Mutter starb, als ich 12 Jahre war.
Vor dem Tod meiner Mutter musste ich mich bereits um vieles kümmern, da meine Mutter aufgrund ihrer Alkoholkrankheit nicht mehr in der Lage war sich um uns 4 Kinder zu kümmern. So waren es meine Aufgaben, dass meine beiden jüngeren Schwestern versorgt waren und im Haushalt Ordnung herrschte. Mein Vater war meist auf Montagearbeit unter der Woche, sodass er nur von Freitag Abend bis Sonntag zuhause war. Die Zeit, die mein Vater zuhause war, verbrachte er tagsüber meist in der Werkstatt und am frühen Abend fing er an zu trinken, bis spät in die Nacht. Meine Mutter trank immer. Nach meinen Erinnerungen fing sie teils schon am Vormittag an. Damit das niemand merkte, hat sie ihren Alkohol versteckt. Natürlich haben mein Bruder und ich das immer mitbekommen, unsere beiden Schwestern eher nicht, da sie zu klein dafür waren.
Es waren viele Situationen an denen ich heute festmachen kann, dass sich dieses „perfekt sein“ schon damals in mir manifestiert hat. Beispielsweise hab ich Freitag nach der Schule das komplette Haus geputzt, damit wenn mein Vater von der Arbeit nach Hause kommt, meiner Mama keine Vorwürfe machen kann. Denn wenn das nicht der Fall war, haben sie gestritten und teils endete das auch in Aggressionen von meinem Vater gegenüber meiner Mutter. Dieses wollte ich vermeiden. Durch mein Handeln hatte ich erreicht, dass mein Vater meine Mutter in dieser Hinsicht als „perfekt“ ansieht und somit war alles gut.
Als meine Mutter dann gestorben ist, war es für mich wie eine Erleichterung, so schlimm wie es sich anhört, aber das war und ist die Wahrheit.
Ich war erleichtert darüber, dass ich nicht mehr die Verantwortung für meine Schwestern übernehmen muss. Ich war erleichtert, weil ich nun endlich ruhig schlafen konnte. Es gab Situationen unter der Woche an denen meine Mutter so besoffen war, dass sie sich umbringen wollte. Sie kam meist mitten in der Nacht an mein Bett und verabschiedete sich weinend von mir. Ich habe dann stundenlang versucht sie davon abzuhalten, was mir auch gelang, da sie irgendwann vor lauter Rausch einschlief. Solche Ereignisse gab es genügend. Und am Wochenende musste ich mir dann die Streitigkeiten zwischen meinem Vater und meiner Mutter anhören.
Somit war es für mich im wahrsten Sinne des Wortes eine Erleichterung als meine Mama starb, glaubte ich zumindest damals.
Es stellte sich heraus, dass aufgrund der fehlenden Person mein Vater natürlich total überfordert war. Arbeit, Haus und 4 Kinder (im Alter zwischen 6-15 Jahre). Ich war die älteste Tochter meines Vaters (mein Bruder war 15 und hat zu diesem Zeitpunkt gerade den Schulabschluss gemacht und der Beginn der Ausbildung stand an, meine beiden Schwestern waren 6 und 8 Jahre) und somit musste ich ab dem Tod meiner Mutter weiterhin (mehr als zuvor) mich um alles kümmern. Mein Vater war auf Arbeit und ich kümmerte mich um den Haushalt und meine beiden Schwestern. Zugleich stand mir auch der Schulwechsel von der Hauptschule zur Realschule bevor. Ich hab das alles hinbekommen, ich habe meine Mittlere Reife mit 1,2 im Durchschnitt abgeschlossen, habe mich immer um meine Schwestern gekümmert, es gab immer warmes Essen und das Haus war immer sauber. Jeder war stolz auf mich, jeder hat mich bewundert und es mir natürlich auch gesagt, wie „perfekt“ ich sei. Und natürlich war ich auch sehr stolz auf mich deswegen.
Und genau diese Jahre meiner Kindheit prägten mich für mein zukünftiges Leben. Ich war und bin „perfekt“ und wollte es immer bleiben.
Eine weitere Lebenssituation steht zudem auch im Zusammenhang mit meinem Fehlverhalten.
Nach meiner Scheidung nach 13 Jahren Ehe und einem 11-jährigen Sohn lernte ich einen Mann kennen, von dem ich zuerst glaubte, dass er der Richtige für mich sei. Nach ein paar Monaten stellte sich raus, dass er Alkoholiker war und aufgrund dessen ziemlich oft und stark aggressiv wurde, auch gegenüber mir. Während dieser Zeit konnte ich mein „perfekt sein“ wenig bis gar nicht aufrecht erhalten, denn einem aggressiven Alkoholiker konnte man es nicht recht machen, der fand immer wieder was, was nicht passt. In dieser Zeit fing ich vermehrt an mich nicht an Straßenverkehrsregeln zu halten, überwiegend Geschwindigkeitsverstöße, denn wenn ich zu spät von der Arbeit nach Hause kam, hatte ich die „Hölle auf Erden“, dieses spiegelte sich meist auch in körperlichen Aggressionen gegenüber mir. Auch die ca. 5 Mal die ich mit mehr als 0,5 Promille gefahren bin, waren in dieser Zeit. Wenn mein damaliger Freund um 23 Uhr Abend kein Bier oder Wein mehr hatte, musste ich mich ins Auto setzen und zur Tankstelle fahren. Es war ihm egal, ob ich bereits auch was getrunken hatte. Um zu vermeiden, dass ich wieder „ein paar geschossen“ bekam, habe ich auch hier zu meinem eigenen Wohl das Gesetz für mich gebeugt, und bin ins Auto gestiegen obwohl ich der Ansicht war, dass ich nicht mehr fahrtüchtig war.
Im Januar 2017 habe ich mich von diesem Mann getrennt, nachdem er mich mit einem Tischfuß mehrmals auf den Kopf geschlagen hat und ich ins Krankenhaus musste.
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  #9  
Alt 02.03.2019, 15:24
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard weiter im Text...Teil5

Wie hat ihr Umfeld auf ihr Verhalten reagiert?
Mein Umfeld, sei es Familie, Freunde oder auch Arbeitskollegen haben auf mein Verhalten gar nicht reagiert, da sie es nicht wussten. Ich habe nie mit irgendwem über mich und meine Probleme geredet. Ich war immer die, die freudestrahlend durch Leben ging und keinerlei Probleme hatte. Ich war die, die jedem geholfen hat, wenn er ein Problem hatte. Somit hatte keiner der im meinem persönlichen Umfeld sich befand, irgendwie die Möglichkeit gehabt, dass er darauf reagiert.

Was war der konkrete Anlass für ihr Umdenken?
Nach meinem Unfall im Februar 2018 hatte ich fast schon „Depressionen“ weil ich mir selber mein Handeln nicht erklären konnte und ich vor allem sehr darunter litt, dass ich fast jemanden einen erheblichen Schaden zugefügt haben könnte.
Daher habe ich mich bewusst mit mir selber auseinander gesetzt und die Ursache dafür erarbeitet.
Anschließend habe ich mich meiner Familie, meinen Freuden und meinen Arbeitskollegen, sowie auch meiner Hausärztin anvertraut. All diese Personen halfen mir dann, mein Problem aufzuarbeiten und an mir zu arbeiten.
Es war der Weg für mich frei, da ich erkannt hatte, dass das Leben, mein Leben so nicht weiter gehen kann und darf. Es war für mich wie ein „Aufwachen“ aus meinem Dasein, ich wollte mein noch so junges Leben nicht damit verbringen, dass ich es jedem Recht mache, nur weil ich „perfekt“ sein will.
Kein Mensch ist perfekt, und das habe ich begriffen.

Was haben sie an Änderungen unternommen?
Ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann und darf, ich habe die Ernsthaftigkeit meiner Lager erkannt. Und somit für mich Änderungen erarbeitet, die ich seither praktiziere.
Diese Änderungen fangen an mit Kleinigkeiten wie z.B. dass ich darüber hinweg sehe, wenn das Haus nicht perfekt geputzt oder aufgeräumt ist oder wenn halt mal ein Lebensmittel oder ein Produkt das ausgegangen ist nicht mehr im Haus ist, ist es halt so. Ich habe es halt einfach nicht geschafft, weil ich 40 Stunden arbeite, sehr viel Zeit mit Arbeitsweg unterwegs bin und auch halt mal Zeit für mich brauche, nicht Zeit zu putzen oder zu organisieren oder dergleichen.
Weitere Änderungen in der Arbeit, wie z.B. dass ich keine Anstalten mehr mache, dass ich alles zu 100% fertig bekomme, denn ich weiß, ich habe auch Arbeitskollegen, die können das genau so machen und wenn jemand von mir etwas verlangt, was ich zeitlich nicht schaffe, sage ich „NEIN“. Das konnte ich vorher nie, ein Nein gab es bei mir nicht.
Die größte Änderung ist, dass ich erstmals Hilfe in Anspruch genommen, ich habe mich geöffnet und mit meinem Umfeld darüber geredet. Dadurch ist mir bewusst geworden, dass keiner von mir verlangt, „perfekt“ zu sein.

Wer hat ihnen dabei geholfen?
Knallhart gesagt, haben mir meine Tat und die dadurch hervorgetretenen Depressionen die Augen geöffnet.
Nach meiner Einsicht und meiner Strategie die ich dann an den Tag gelegt habe, habe ich mich zuerst mit meiner Familie auseinander gesetzt, dann mit meinen engen Freunden gesprochen, anschließend mit meinen Arbeitskollegen, die ich ebenfalls zu meinen engen Freundeskreis zähle, und mit meinem weiteren Umfeld.
Ich habe keine Hehl mehr daraus gemacht und habe jedem offen und ehrlich meine Probleme und erzählt.
Meine Hausärztin war von Anfang an meiner Seite gestanden, ich habe nach meinem Unfall 1x die Woche zur Kontrolle gemusst und während dieser Zeit habe ich mich auch ihr anvertraut, sie hat mir oftmals eine Stunde lang zugehört und mir Ratschläge gegeben.

Wie empfinden sie diese Änderungen?
Ich empfinde diese Änderungen als sehr befreiend und angenehm, ich kann nun endlich mal behaupten, dass ich glücklich und zufrieden bin.
Meine Änderung zieht sich durch mein gesamtes Verhalten gegenüber mir und gegenüber jeden anderen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich es geschafft habe, aus meinem alten Leben zu „erwachen“ und ich freue mich teils schon täglich darüber, was diese Änderungen alles beinhalten.
Ich sehe Dinge aus einem anderen Blickwinkel, z.B. habe ich es früher fast schon als anstrengend angesehen, dass wenn wir mal wieder einen „Mädelsabend“ bei meiner besten Freundin im Keller-Partyraum hatten, dass mir jeder seine Probleme erzählt hat und von mir einen Lösungsvorschlag und Hilfe erwartet hat.
Nun ist das nicht mehr so, es herrscht ein Gleichgewicht zwischen „Probleme aussprechen“ und „Probleme anhören“, somit ist das ganze jedes Mal wieder aufs Neue eine tolle Erfahrung.
Auch, und was mich am meisten mit Stolz erfüllt, ist die Tatsache, dass mein Sohn mich nun als Person sieht, die auch ein „Mensch“ ist. Früher, als er noch „klein“ war hat er öfters mal gegenüber seinen Freunden den Spruch gesagt: „Meine Mama ist ein Roboter, wenn meine Mama was sagt, dann ist das auch so“. Im Prinzip nicht schlecht, allerdings hat er damit gemeint, dass es bei mir nur schwarz und weiß gibt, kein bunt. Wenn wir heute eine Unternehmung machen (mein Sohn ist mittlerweile 16 Jahre alt), dann kann es durchaus sein, dass aus dem geplanten 18:00 Uhr auch mal ein 22:00 Uhr wird, weil es halt so schön und lustig war. Sowas gab es früher nie, geplant war geplant und das musste eingehalten werden.
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Alt 02.03.2019, 15:25
bibi123 bibi123 ist offline
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Standard weiter im Text...Teil6

Wie reagiert ihr Umfeld auf diese Änderung?
Mein Umfeld empfindet das überwiegend als positiv. Angefangen mit meinem zukünftigen Ehemann, über meinen Sohn, meine Schwester, meine beiden besten Freundinnen, meine zukünftige Schwiegermutter bis hin zu meinen Arbeitskollegen. All diese Personen haben mir schon mehrmals gesagt, dass sie es durchweg positiv empfinden.
Ein paar ehemalige Freunde empfinden meine Änderung nicht als positiv, denn seit meiner Änderung bin ich nicht mehr dazu bereit, dass ich mich für sie aufopfere, denn ich habe mein eigenes Leben und erst dann kommt alles andere. Aufgrund dessen sehen sie diese Änderung als negativ, was sie natürlich nicht zugeben. Sie sind der Meinung, dass das Ganze schon alles übertrieben ist und ich solle mich dadurch nicht ändern. Sie reden das Ganze schön. Diesen Leuten habe ich den Rücken zugekehrt, denn für mich ist es heute nicht normal, dass man nur aus Zeitmangel die Regeln missachtet.


Welche Einstellung zur Verkehrssicherheit haben sie heute und was ist daran neu?
Meine Einstellung zur Verkehrssicherheit hat sich grundlegend geändert.
Ich habe gelernt, dass es mir nichts bringt, wenn ich mich nicht an die Straßenverkehrsordnung halte. Sei es bei meinen mehreren Geschwindigkeitsverstößen oder bei meinem Verhalten am Unfalltag.
Fahre ich zu schnell hole ich mir zeitlich gesehen keinerlei Vorteil raus und was noch viel Schlimmer ist, ist die Gegebenheit, dass ich andere Verkehrsteilnehmer sehr durch mein Verhalten in Gefahr gebracht habe. Wenn ich bedenke, was alles hätte passieren können, dann benenne ich mich selbst zur damaligen Zeit als extrem rücksichtslos und verantwortungslos.
Dieses Verhalten habe ich gänzlich abgelegt.
Ich halte es für das allerwichtigste dass ich mich an die vorgegebenen Regeln halt. Alkohol und Autofahren gehören strickt getrennt, nur bei 0,0 Promille werde ich ins Auto steigen. Früher bin ich auch mal mit Alkohol im Blut gefahren. Solche Situationen werden nie wieder entstehen. Verantwortungsvoll mit sich selbst und anderen Verkehrsteilnehmer umgehen, gehört nun zu meinen obersten Gebot.

Was wollen sie konkret tun, damit sie ihre Vorsätze diesmal einhalten können?
Ich besinne mich zum Ersten auf das Erlernte und halte mich an die vom Gesetzgeber und mir selbst vorgegebenen Regeln.
Damit ich diesmal meine Vorsätze einhalten werde, werde ich vordergründig nach wie vor mein erlerntes Verhalten an den Tag legen und werde über meine Probleme reden.
Meine Denkweise „ich bin perfekt“ habe ich dadurch gänzlich abgelegt.
Weiterhin plane ich vernünftig und weitläufig, so kann ich erst gar nicht in Bedrängnis kommen. Das betrifft alle Situationen, nicht nur den Straßenverkehr.
Dadurch dass ich sehr glücklich und zufrieden mit meiner Entwicklung und meiner aktuellen Lebenssituation bin, mache ich es mir häufig bewusst, wer ich war und wer ich jetzt bin. Dieses „Gegenüberstellen“ beschämt mich was meine Vergangenheit betrifft und freut mich wenn ich die Gegenwart betrachte.
Die Zukunft wird sicherlich auch hier und da Probleme mit sich bringen, aber ich sehe in diesen Situationen nicht das Problem, sondern die Aufgabe, die es zu meistern gilt. Und ich weiß, ich bin nicht allein, ich habe genügend Personen um mich, denen ich mich anvertrauen kann und die mir helfen.
Das funktioniert seit 1 Jahr einwandfrei und daher weiß ich auch, dass es der richtige Weg ist.

Wie wollen sie einen beginnenden Rückfall erkennen?
Ein Rückfall in alte Muster wäre eine Gefahr für mein Leben, dass ich mir erarbeitet habe und indem ich sehr glücklich bin. Da ich mich und mein heutiges Leben ständig gedanklich überprüfe habe ich eine Möglichkeit zur Kontrolle meiner Verhaltensweisen. Ich kenne dass „damals“ und ich kenne das „heute“ und wenn ich nur kurz beide Seiten gedanklich gegenüber stelle, braucht es nur ein paar Sekunden um zu erkennen, dass ein Rückfall in alte Verhaltensmuster auf keinen Fall in Betracht zu ziehen ist. Das heutige Leben ist für mich erstrebenswert, nicht aber die Vergangenheit. Also halte ich an dem fest war mir gut tut, und das ist mein Verhalten in der Gegenwart.

Was wollen sie unternehmen, wenn sie einen Rückfall bemerken?
Meine selbstkritische Haltung und mein offener Umgang mit mir und meinen Gedanken machen es mir möglich einen Rückfall zu bemerken. Falls ich von meinem Weg abkommen sollte, bin ich in der Lage mir unverzüglich Hilfestellung zu holen, hier ist eine gute Ansprechmöglichkeit in erster Linie mein Lebenspartner (zukünftiger Ehemann, wir werden bald heiraten, geplant: 24.08.2019 ), meine Schwester und meine beiden besten Freundinnen. Diesen Personen kann ich alles erzählen, denn ich weiß, keiner von denen urteilt über mich. Diese geliebten Personen sind auf mein Wohl bedacht, daher vertraue ich ihnen zu 100%. Natürlich auch weiterhin für mich als wichtiger Ansprechpartner ist meine Hausärztin, die mich eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet.
Ich finde es wichtig, nicht vor Problemen davon zu laufen, sondern sich ihnen zu stellen und nach sinnvollen Lösungen zu suchen.
Am allerwichtigsten finde ich, dass man, egal welches Problem man hat, sich immer wieder vor Augen führt, dass man nicht allein ist. Es gibt genügend Personen, die einem zur Seite stehen und keiner von denen verlangt oder will, dass man „perfekt“ ist.

Abschließende Worte:
Ich bedanke mich für das Alles.
Auch wenn die Zeit hart war, sie war notwendig, damit ich endlich „aufwacht“ bin.
Ich bin sehr glücklich mit meiner eigenen Entwicklung und kann somit zu 100% Versprechen, dass ich so ein Verhalten nie wieder an den Tag legen werde.

So, das wars, ich hoffe, ihr könnt mir weiter helfen.
Dankeschön
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absitenznachweis, alkohol, fragebogen, hilfe, mpu, straftaten

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