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Alt 22.04.2017, 16:39
Westfalenradler Westfalenradler ist offline
MPU Profi
 
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Moin,

die nicht abgegebene MPU und der zurückgezogene Antrag haben keine fristverlängernde Wirkung.

Wenn ich mir Deinen FAER-Auszug anschaue, dann gilt folgendes:

All diese Eintragungen sind vor dem 01.05.2014 erfolgt, deswegen gilt bis zum 30.04.2019 das alte Recht fort. Das bedeutet, dass die Eintragung Nr. 8 (Vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis; Tilgungsfrist: 20.10.2020) die Tilgung aller anderen Eintragungen hemmt, und zwar bis zum 30.04.2019. Das heißt ab dem 30.04.2019 ist nur noch das vorsätzliche Fahren ohne Fahrerlaubnis relevant. Das ist für sich genommen aber auch geeignet, eine MPU-Anordnung zu rechtfertigen. Du hast demnach folgende Optionen:

1. Du stellst jetzt einen Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis und gehst zeitnah zur MPU. Die Fragestellung wird verkehrsrechtlicher Natur sein, aber Alkohol wird wegen des Widerstandes eine gewisse Rolle spielen. Dafür brauchst Du nicht unbedingt ein Screening, aber jedenfalls ein klares Konzept für einen risikofreien Umgang mit Alkohol ("Kontrolliertes Trinken"; was das ist, findest Du im Alk-Info-Teil des Forums).

2. Du wartest bis Mai 2019 und gehst dann (wahrscheinlich) "nur" wegen einmaligen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zur MPU. Das ist aber nur bedingt ein Vorteil - dass Du nur das eine Mal ohne Fahrerlaubnis unterwegs warst, wird Dir niemand glauben. Aber Du erscheinst nicht ganz so "unbelehrbar", wie die Liste vermuten lässt, außerdem bist Du etwas "freier" in der Gestaltung Deiner Biographie, will sagen, Du kannst die Wahrheit an manchen Stellen beschönigen. Über Alkohol brauchst Du Dir dann keine Gedanken zu machen.

3. Du wartest bis zum 21. Oktober 2020, beantragst dann eine neue Fahrerlaubnis und bekommst diese ohne MPU.

Wegen des langen Zeitraums ohne Fahrerlaubnis wird man vermutlich in allen drei Fällen neue praktische und theoretische Fahrprüfungen verlangen.

Ich persönlich würde entweder die erste oder dritte Möglichkeit wählen. Bei Nr. 2 ist der Gewinn durch die dann getilgten Delikte nicht so groß, dass es sich lohnen würde, dafür noch zwei Jahre zu warten. Dein letztes Delikt liegt nun schon fast acht Jahre zurück, da hattest Du genug Zeit, Dein Leben zu überdenken und Dich zu bewähren. Außerdem, wenn Du jetzt noch zwei Jahre wartest, dann kannst Du auch danach noch anderthalb Jahre warten und die dritte Variante wählen.

Einen Psychologen zur Vorbereitung brauchst Du nicht unbedingt. Hier im Forum haben es schon so einige ohne geschafft. Auf Anhieb fällt mir da z.B. @Corleone1984 ein. Klick Dich mal ein bischen durch den "sonstige Anlässe"-Bereich, da findest Du noch massig weitere Kandidaten.

Trotzdem ist Hilfe von außen bei der MPU immer wichtig. Das muss aber nicht unbedingt ein Psychologe sein, in Betracht kommen auch eine liebende Ehefrau, ein oder mehrere gute Freunde, Selbsthilfegruppen (aber eher im Bereich Alkohol und Drogen), Anti-Aggressions-Kurse, ein Priester oder sonstwer, der Dir dabei geholfen hat, vom verkehrsregelignorierenden Draufgänger zum ordentlichen Staatsbürger zu werden.

Wichtig sind außerdem Selbsterkenntnis, Reflektion und funktionierende Rückfallprophylaxe. Bei anderer Gelegenheit habe ich das mal folgendermaßen zusammengefasst:
Zitat:
Zitat von Westfalenradler Beitrag anzeigen
Eine gelungene Aufarbeitung ginge eher in folgende Richtung:
- Es war schlimm und gefährlich für mich und andere
- Es war meine (und nur meine) Schuld
- Ich war auch ansonsten lax im Umgang mit Verkehrs- und anderen Regeln und habe mich (unberechtigt) für besser als andere Fahrer gehalten
- Ich habe erkannt, dass meine Einstellung falsch war und ich eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellte
- Ich habe erkannt, woher diese falsche Einstellung kam (zB Umgang mit Regeln in Kindheit/Schule/Studium/Ausbildung/Arbeit - es handelt sich meist um ein erlerntes Verhalten, dass man auch wieder verlernen kann. Wer beispielsweise als Kind erlernt hat, dass er mit Regelverstößen erfolgreich durchkommt, weil keine ernsthaften Konsequenzen drohen, überträgt dies womöglich später auch auf den Straßenverkehr. Wer besonders strenge Eltern hatte, wird womöglich als Gegenreaktion als Jugendlicher mit fortgesetzten Regelverstößen beginnen. Wer die Erfahrung macht, dass alles, was er tut, von Erfolg gekrönt wird, hält sich irgendwann für unantastbar. Die Ursachen können vielfältig sein, das hier sollen keine vorgekauten möglichen Antworten sein, sondern Ansätze zum Nachdenken. Häufig ist auch Stress/Zeitdruck eine Ursache.)
- Ich habe konkrete Änderungen in meinem Leben vorgenommen und halte mich auch in anderen Bereichen an die Regeln; ich habe zB eine stressige Arbeitsstelle gekündigt/mich versetzen lassen/mit meinem Chef gesprochen, dass es zuviel Arbeit war/mich von meiner nervigen Freundin getrennt
- Dabei haben mir meine Freundin/Frau/meine Kumpels/ein Psychologe/ein Pastor/sonstwer geholfen, indem ich mit ihnen darüber geredet habe, was ich verändern könnte und dies auch umgesetzt habe
- Daher halte ich mich heute an alle Regeln und werde das auch im Straßenverkehr umsetzen können
- Meine Fahrerlaubnis ist mir gar nicht mehr so wichtig, ich habe festgestellt, dass man auch ohne ganz gut durchs Leben kommt (die FE ist natürlich die Motivation, zur MPU zu gehen, aber sie darf niemals die Motivation für das geänderte Verhalten sein).
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