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Alt 03.01.2018, 18:05
Amira Amira ist offline
Stammpersonal
 
Registriert seit: 14.12.2017
Beiträge: 308
Standard Teil 1

Zur Person
Geschlecht: weiblich
Größe: 1.65m
Gewicht: 53kg
Alter: 56 Jahre

Rheinland Pfalz
Was ist passiert?
Datum der Auffälligkeit: 22.04.2017
BAK: 2,01
Trinkbeginn: ca.15.00 (vorher nachweisbar im Fitnessstudio)
Trinkende: ca.16.15
Uhrzeit der Blutabnahme: 17.10
Lag nach dem Unfall auf der Intensivstation im KH – eventuell wurde ich entgiftet, weiß ich aber nicht genau, habe nicht mehr nachgefragt, wollte nach vorne schauen.
Hatte viele Schläuche am Körper. Erste Erinnerung ca.3.00 nachts. Kompletter Filmriss beim Unfall und danach.

Stand des Ermittlungsverfahrens
Strafbefehl schon bekommen: Ja – der engültige kam Ende Oktober 2017
Dauer der Sperrfrist: 03.April 1918

Führerschein
Hab ich abgegeben: 3 Tage nach Unfall zur Sicherstellung der Polizei gebracht

Führerscheinstelle keine Vorkommnisse zu verzeichnen
Konsum
Ich lebe abstinent und bleibe für immer dabei:
Anfang Juli 2017 – nachhaltiges Gespräch mit dem Hausarzt
Abstinenznachweis
Ich befinde mich in 6 monatige AB / Urinscreening Programm seit: 14.09.2017 bis 13.03.2018


Aufarbeitung
Suchtberatungsstelle : 1 ausführliches Gespräch bei Caritas im September 2017
Selbsthilfegruppe für verkehrsauffällige Autofahrer(SHG): ab Dezember 2017 regelmässig alle 14 Tage mit Nachweis.
Buch: Der Testknacker bei Führerscheinverlust und sicher durch den MPU-Test (von ehemaligem Gutachter Robert Klaus)
Internetinformationen gesammelt / In Foren mitgelesen
Aufbereitung der Trinkhistorie und Verhaltensänderungen schriftlich festgehalten.
Gespräche / Beratung durch einen guten Bekanntem der bereits 2 MPUs hinter sich gebracht hat.


MPU
Datum: voraussichtlich Anfang April 2018 (Sperrzeit bis 3. April)

Welche Stelle (MPI): ???

Schon eine MPU gehabt? Nein

Altlasten
Bereits durch Alkohol auffällig geworden Punkte oder sonstige Straftaten:
Nein – auch sonst noch nie 1 Punkt

Tathergang

1. Beschreiben Sie den Tag Ihrer Trunkenheitsfahrt aus eigener Sicht mit Datum und Uhrzeiten.
(wann, wo und mit wem getrunken / wann und wie aufgefallen / Promille)

Am 1.November 2016 ist meine Mutter verstorben, meine Eltern waren 64 Jahre verheiratet. Seit dieser Zeit lebt mein Vater 91 Jahre, alleine in seinem Haus 44 km entfernt von meinem Wohnort.
Die Besuche sind meist sehr anstrengend für mich, da er weder eine Putzfrau noch sonstige Hilfen in Anspruch nehmen will, obwohl dies dringend nötig wäre.
Am 22.04.2017 war ich von 11:42 Uhr – 13:16 Uhr trainieren im Fitnessstudio (siehe Nachweis). Anschließend bin ich direkt zu meinem Vater gefahren und traf gegen 14 Uhr bei ihm ein. Ich fuhr mit meinem nagelneuen Auto (11.4.17 zugelassen) und noch keine 200km gefahren.
Ich stellte einen penetranten Geruch nach Fäkalien fest. Grund: Die Klospülung war von meinem Vater seit Tagen nicht betätigt worden (Er riecht nichts mehr seit Jahren). Die Angelegenheit war ihm sehr peinlich und wir haben gemeinsam das Problem aus der Welt geschafft.
Meine Gedanken:
Wie soll denn das denn weiter gehen? Er braucht dringend jemand der jeden Tag vorbei schaut und auch putzt. Ich kann nicht mehr!!! Ich befand mich in der völligen Überforderung.
Als wir uns schließlich im Wohnzimmer ausruhten, kam das Gespräch auf einer meiner beiden Söhne. Zum wiederholten Male wollte mein Vater wissen, weshalb mein jüngster Sohn, mit seinen 24 Jahren noch immer keine Freundin habe. Eine Frage, die meinen Vater (meine Eltern) schon seit Längerem intensiv beschäftigt. Ich wollte meine Eltern bezüglich der sexuellen Ausrichtung meines Sohnes nicht unnötig belasten. Sie kommen aus einer anderen Generation. Deshalb spielte ich seit Jahren meinen Eltern etwas vor, was mein Gewissen sehr belastete.
Aber in diesem Moment platze es aus mir heraus und ich sagte ihm, dass mein Sohn schwul sei und seit längerem mit seinem Partner in einer festen Beziehung lebe.
Meinen Vater traf diese Nachricht wie ein Schlag.
Nachdem er sich etwas gefasst hatte, stand er auf und meinte: „Darauf muss ich erst mal was trinken“ und bot auch mir einen Ouzo an.
Ich trinke generell keine „harten Sachen“ und mir war diese ungeheuerliche Wirkung fremd. Ich sagte sogar erst automatisch nein – aber dann doch ganz schnell ok. Ich wollte einfach den starken psychischen Druck damit abbauen, was natürlich völlig falsch war und ich habe überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht – weder, dass ich noch Auto fahren musste, noch dass das Problem damit überhaupt nicht gelöst waere.
So kam es, dass ich nachmittags um 15.00 Uhr 2 Gläser Ouzo trank.
Der Alkohol schlug direkt an und es kam zum Momentversagen und mein Verstand setzte vollständig aus.
Mein Vater ging dann nochmals ins Bad, Fenster vom Lüften zu machen etc. Auf dem Wohnzimmertisch stand von ihm noch ein halbvolles Glas (0,5l) Wasser (ca.0,2l). Ich nahm die Flasche Ouzo und füllte das Glas auf und trank es ganz schnell, damit mein Vater das nicht merkte. Ich trank quasi „Schorle“, wie die Wochen davor, jedoch unterschätzte ich die Wirkung von Schnaps, die ja total anders ist, wie bei Wein/Sekt, total.
Es war der schlimmste Fehler / Blackout meines ganzen Lebens mich ins Auto zu setzen. Ich erinnere mich nicht mal mehr daran.
Eigentlich wollte ich zu meinem Partner fahren und den Restsamstag und Sonntag mit ihm verbringen. Hatte fürs WE gepackt und wollte am Montag meinen 1.Arbeitstag nach dem Kreuzbandriss mit dem neuen Auto zur Firma fahren.
Am Sa-Morgen (vor dem Fitnessstudio) –hatte ich noch Apfelkuchen gebacken, für meinen Vater und für uns (mein Partner, seine kleine Tochter ,8 Jahre und für mich).Ich war nicht mehr in der Lage über meine Fahrtüchtigkeit und mein Ziel nachzudenken.
Ich fuhr Richtung xxxx (meinem Wohnsitz 44km-das wäre weiter gewesen), statt nach xxxx (zu meinem Partner 30km, macht also noch weniger Sinn), aber anscheinend automatisch mein gewohnter Nachhauseweg von meinen Eltern.
Die Wirkung des Alkohols muss sich während der Fahrt voll entwickelt haben, so dass ich jegliche Kontrolle über mein Auto verloren hatte. Es kam nach 5km zu diesem Auffahrunfall ins Stauende, um 16.30, von dem ich keinerlei Erinnerung mehr habe.
Zum Glück hatten der Geschädigte und ich einen Schutzengel im Auto und es kam zu keinem Personenschaden. Gott sei Dank!!!!
Meine ersten Erinnerungen waren dann im Krankenhaus ca 1.00 Uhr auf der Intensivstation. Dort wurde ich als 1. beschimpft, wie man denn mit 2,0 Promille noch Auto fahren kann und andere in Gefahr bringen.
Da war mir klar, da ist etwas mächtig schief gelaufen. Ich fühlte mich absolut elend und konnte immer noch keinen klaren Gedanken fassen.
Mein Vater hat mich am nächsten Tag im Krankenhaus abgeholt, die Polizei hatte ihn informiert. Mein Partner machte sich ernsthaft Sorgen, er wusste nicht warum ich nicht gekommen war.
Habe den ganzen Tag im Bett gelegen, mir war schlecht ohne Ende, ich weinte, konnte nichts essen und ich dachte an meinen 1.Arbeitstag am Montag. Mit dem Zug- wie soll das denn gehen? Es ging erstaunlich gut, weil ich in der Nähe vom Bahnhof wohne und es am Morgen 2 Direktverbindungen in die Firma XXXX gibt.
Eine ganz neue und gute Erfahrung, ohne Stau entspannt zum Arbeitsplatz zu kommen. Zeitlich kaum ein Unterschied und der morgendliche Spaziergang an der frischen Luft tut mir gut.
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Gruss Amira
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